Edelmetalle: Der Bogen ist gespannt

26. April 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Was für ein verrückter Markt, der Goldmarkt. Vom Silber ganz zu schweigen. Täglich werden weltweit rund neun Tonnen Gold aus dem Boden geholt. Nach verschiedenen Berechnungen sind so in der Menschheitsgeschichte rund 190.000 Tonnen zusammengekommen.

Normalerweise, würde man ja denken, dass nur das gehandelt werden kann, was am Markt auch frei verfügbar ist. Denkste! Allein an der Londoner Goldbörse werden täglich (!) 5.500 Tonnen gehandelt oder im Jahr rund 1,4 Millionen Tonnen. Hinzu kommen noch die anderen Handelsplätze wie die New Yorker COMEX oder auch chinesischen Börsen. Mit echtem Gold hat das aber wenig zu tun, sondern mit Papiergold, was nicht mal glänzt.

Das eine ist Gold, das andere heißt nur so. Hier geht es nicht um Wert, sondern um die Spekulation mit dem Preis. Sollten Marktteilnehmer aber wirkliches Gold wollen, weil sich die Umstände in unserem fragilen Geldsystem ändern, wird echtes Gold zu herkömmlichen Preisen knapp. Wir kennen das aus dem Spiel „Reise nach Jerusalem“. Nur der Letzte sitzt noch auf einem Stuhl.

Unterdessen hat sich am Terminmarkt, vor allem beim Silber, ein Spektakel der Extraklasse angebahnt. Die Spekulanten sitzen volle Kanne „long“ wie es heißt. Die Commerziellen volle Kanne short. Wer überrennt wen? Normalerweise, aber was ist schon normal, gewinnen diejenigen, mit den ganz tiefen Taschen und zwingen die Spekulanten ihre Long-Positionen aufzugeben, wenn es zu den berühmten Wasserfällen kommt. Nur selten werden sie überrannt.

Die kommenden Tage könnten durchaus spannend werden, vor allem beim Silber. Am Terminmarkt liegt eine rekordhohe Short-Position der Commercials. Wenn diese aber überrannt werden sollten, so wie 2011, wird es teuer für diese. Das aber passiert jedoch nur selten. Auf welchem Niveau geben die Spekulaten auf? 17 US-Dollar? 16 US-Dollar? Oder darunter? Irgendjemand zahlt immer die Zeche – und der andere steckt sich das Geld in die Tasche. Das scheint der einzige Markt zu sein, wo Aufsichtsbehörden wegschauen.

Über die warmen Monate hinweg wird es eher ruhig im Edelmetallmarkt, außer es kommt anders. Wobei mit Blick auf die Großwetterlage wäre ich nicht sicher, dass es in diesem Sommer nur ein laues Lüftchen geben wird. Klar ist nur: Eine Unze bleibt eine Unze. Nur ihr Preis schwankt.

Wozu braucht J.P.Morgan so viel Silber?

Außer auf der Metallwoche redet sonst niemand darüber, dass J.P. Morgan inzwischen 102 Millionen Unzen Silber gehortet hat. Wozu brauchen die das ganze Zeug. Wir wissen es nicht, nur, dass man dort seit 2011 beständig aufsammelt – und das immer schneller. Allein im letzten Monat waren es 17 Millionen Unzen, die man sich hat andienen lassen. Das meiste davon taucht nach und nach jetzt auch im Lagerhaus auf. Man könnte vermuten, J.P.Morgan hat es eilig. Ganz böse Stimmen sagen ja, sie machen sich die Preise am Papiermarkt – und kaufen dann echtes Silber. Böse Verschwörungstheorie!

Geld und Antigeld

Eine der anderen „Verschwörungstheorien“ ist ja, dass es in einer Welt, in der es immer mehr vom vermeintlichen „Geld“ gibt, das Edelmetall eine Art von Anti-Geld ist. Dorthin verkriecht sich das Geld, wenn es sicher sein will. Man verlässt die Party des Papiergeldes und setzt sich ab. Gleichzeitig hofft man, dass man das Gold nie benötigen wird. Anti-Geld ist etwas, was man besitzt und keine Forderung jemand anderem gegenüber. Anti-Geld kann man anfassen und auch wiegen. Herkömmliches Geld nur zählen.

Schaut man die Nachrichten da draußen an, ist es doch ziemlich unruhig geworden. Die doch recht entspannte Zeit der letzten Jahrzehnte könnte zu Ende gehen, wenn sie nicht schon vorbei ist. Zu den Herausforderungen zählt wohl auch, mit dem Einkommen auszukommen, auch wenn es nominal jedes Jahr etwas mehr wird, so sind doch immer mehr Leute real auf dem absteigenden Ast, die ab einem gewissen Punkt auch unzufrieden oder unruhig werden. Und das, was man gespart hat, auf die herkömmliche Art und Weise schmilzt gewollt wie Schnee in der Sonne, ohne dass es auffällt. Wer kann heute nominale Zahlen von den Realen unterscheiden?

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4 Kommentare auf "Edelmetalle: Der Bogen ist gespannt"

  1. Diederich Heßling sagt:

    Wie schön, daß ich schon immer anti und out war…und noch schöner das ich nur gelbes und weißes Antigeld habe. Wie wunderbar kann man in so einer Situation schlafen oder auch in die vollkommen neue Zukunft schauen! All‘ das wünsche ich dem Autor und den Lesern von Herzen.

    • MHHamburg sagt:

      Vor der „vollkommen neune Zukunft“ wird aber etwas passieren ………. Und zu der Zeit möchte ich dann doch lieber einige Monate oder auch Jahre Urlaub auf einer Südseeinsel weit weit weg machen.

  2. Skyjumper sagt:

    Nunja. Der Bogen war schon oft gespannt. Der Markt, bzw. die Märkte allesamt, sind leider tatsächlich verrückt. Und wie sollte es auch anders sein, spiegeln die Märkte doch letztlich nur die Befindlichkeiten der Menschen und der Politik wider.

    Allerdings gibt es eben viel mehr Konjunktive als es für auch nur halbwegs solide Beurteilung vertretbar ist. Alles könnte, nichts muss. Eigentlich hätten die Märkte längst kollabieren müssen, doch sie haben es nicht getan. Und bei der bewiesenen Bereitschaft der Verantwortlichen zu Rechtsbeugungen der abenteuerlichsten Art, wird man die Zusammenbrüche, erst recht den finalen Crash, vermutlich auch noch eine ganze Weile hinauszögern können.

    Weißes und gelbes Antigeld für den ruhigen Schlaf? Ja, bitte. Ich möchte nicht darauf verzichten. Aber alles? Wie es @Diederich Heßling schrieb. Oh nein, das wäre meinem Schlaf nicht mehr förderlich.

    „Klar ist nur: Eine Unze bleibt eine Unze. Nur ihr Preis schwankt.“

    Es schwankt nicht nur der Preis. Es ist der Tauschwert der Schwankt. Und letztlich bewahrt keiner Geld, oder auch Antigeld, auf um des Aufbewahrens willen an sich, sondern um dafür zu gegebener Zeit etwas anderes einzutauschen. Und „zu gegebener Zeit“ ist nur bedingt frei von uns auswählbar, sondern meist eine Folge von unmittelbaren Tauschbedarf. Man ist also darauf angewiesen dass die Unze zu einer bestimmten Zeit einen möglichst hohen Tauschwert hat. Das kann so sein, muss aber nicht. Es ist einfach variabel. Oder, böse beschrieben, spekulativ. Doch die Unzen werden mit ziemlicher Sicherheit nie wertlos sein. Und das ist bereits mehr als die meisten anderen Wertaufbewahrungssorten von sich behaupten können.

    Ansonsten gilt aber für Gold und Silber das gleiche was @Bankhaus Rott nicht müde wird für Anleihen und Aktien zu betonen: Schnell ist der Preis mal um 50 % in den Keller gerauscht, und dann braucht es schon 100 % „Gewinn“ um wieder auf plusminus Null zu kommen. Und das kann a) sehr lange dauern, und das kann b) zur Unzeit kommen.

    Wenig bewußt ist den meisten Menschen auch, dass sowohl Gold als auch Silber sehr wohl historisch bereits Inflationen erfahren haben. Mit all den negativen Folgen für den Tauschwert. Nirgends steht geschrieben das nicht Morgen oder Übermorgen, durch was auch immer, immense Mengen dieser Metalle zur Verfügung stehen.

    Nichts was der Mensch ersinnen kann ist für die Ewigkeit gültig. Gold und Silber zu haben ist schön, und heutzutage auch anzuraten. Aber ich würde nicht alles auf diese eine Karte setzen.

  3. Argonautiker sagt:

    „Ganz böse Stimmen sagen ja, sie machen sich die Preise am Papiermarkt – und kaufen dann echtes Silber.“

    Mist, ich fühle mich ob meiner bösen inneren Stimme ertappt. Vielleicht sollte ich wegen dieser Stimmen eine Therapie in Erwägung ziehen.

    Ebenso böse Zungen behaupten, daß das Schuldendrama was da Treppauf Treppab kommuniziert wird, die Plausibilisierung ist, um es bei den Schwachen noch knapper zu machen, damit die, die an das billige Geld kommen, um angeblich die Wirtschaft zu stützen, das was die Darbenden verkaufen müssen, weil ihre Not immer größer wird, noch billiger kaufen zu können.

    Aber warten wir mal ab, das kann man sicher noch toppen, denn Ausnahmezustand und Kriegsrecht, machen noch ganz andere Dinge „rechtens“. Wertes und Unwertes Leben, könnte sich ganz bald an der richtigen oder falschen politischen Gesinnung scheiden, denn immerhin wird man die Demokratie retten müssen.

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