Edelmetalle: Außer Spesen…

29. November 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Was tut sich bei Gold und Silber? Die Bilanz für 2017 sieht bislang eher bescheiden aus. Gold in Euro hat 2017 nichts gemacht. Silber liegt sechs Prozent hinten. Auf den ersten Blick: Außer Spesen nicht viel gewesen…

… im Gegensatz zu dem, was im Aktienmarkt oder gar bei den Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether und Dash abgeht. Der Bitcoin in Euro ist allein in diesem Jahr um 820 Prozent teurer geworden. Anders gerechnet, hat der Euro gegenüber dem Bitcoin ebenso gewaltig abgewertet. Steigende Preise zogen schon immer die Spekulanten an. Na, wie wär`s?

Gleichzeitig vermehrt sich die Zahl der Krypto-Experten wie Fruchtfliegen auf Obsttellern. Das war 2011 bei Gold und Silber ebenso, da tauchten plötzlich Leute auf, die noch heller als das Gold glänzen wollten. Die Herde zog dann weiter und macht gerade bei den Kryptowährungen Zwischenstopp. Wohin zieht sie dann? Wir wissen es nicht, nur, dass Gold und Silber wegen ihrer momentanen Lethargie weder hoch im Kurs noch hoch in der Gunst der Spekulanten stehen. Das macht sie ja so interessant.

Ähnliches sieht man momentan bei Palladium, dem anderen Weißmetall, welches in Katalysatoren für Benzinmotoren das Abgas reinigt. Platin für Katalysatoren in Dieselautos ist gerade out. Es steht sechs Prozent tiefer als zu Jahresbeginn. Beim Palladium ging es um 34 Prozent aufwärts.

Erinnern Sie sich noch an Zeiten inmitten der Finanzkrise, als eine Unze Palladium noch 150 Euro kostete und nicht 870 Euro wie heute? Der Gewinn liegt immer noch im günstigen Einkauf und auch einer Portion Glück zur richtigen Zeit.

Dass die Stimmung im Edelmetallsektor jenseits des Palladiums derzeit eher verhalten ist, konnte man Anfang November auch auf der jährlichen Edelmetall- und Rohstoffmesse in München beobachten. Dass Edelmetalle aufgrund ihrer Eigenschaften als „Ersatzgeld“ in einer Welt der Gelddruckerei Unterstützung finden, war nichts Neues. Neu war auch nicht, dass es neben den vielen guten Vorträgen auch eine Menge Unterhaltung gab, als beispielsweise ein Experte aus einer Bank in seinem Vortrag felsenfest behauptete, Gold werde in US-Dollar notiert, berechnet und gehandelt. Dass aber zehn Meter weiter an den Ständen der Edelmetallhändler Gold und auch Silber (nur) in Euro verkauft wurden, blieb ihm gänzlich verborgen. Vielleicht aber passt diese Realität nicht in seine Theorie. Egal. Es war lustig.

Man liest oft, die Edelmetallpreise steigen bei wirtschaftlichen oder politischen Unsicherheiten. Wenn dem so wäre, hätten sich die Unsicherheiten seit dem Jahr 2011, als Gold und Silber auf Rekorden notierten, um ein Drittel reduziert – beim Silber sogar gedrittelt. Nein? Dieses Argument ist Schwachsinn. Als sich zwischen der Jahrtausendwende und 2011 das Gold versiebenfachte, hätten sich die Unsicherheiten ja ebenfalls versiebenfacht und beim Silber sogar verzehnfacht. So ein Quatsch! Wenn Papierwährungen die Krise bekommen, dann steigen die Preise für Edelmetalle eben in diesen Währungen, wenn man für eine Unze mehr und mehr Papiergeld bezahlen muss.

Ob bei Edelmetallen oder Kryptowährungen – manche Experten behaupten gerade, der Bitcoin wäre das neue Gold. Nur anfassen kann man ihn nicht. Andere wiederum warnen vor diesen Bitcoins. Manche sollten besser vor sich selbst warnen. Und dennoch ist es immer wieder erheiternd, in einem Markt aus Preisen, Meinung und Glaube etwas Brauchbares herauszulesen. Bitcoin ist wie Gold eine Art von Geld außerhalb unseres oft so fragilen Finanzsystems. Entscheidend ist für den Fall der Fälle, was noch da ist, wenn alles anderes weg sein sollte. Beim Gold mache ich mir da wenig Sorgen.

Übrigens… Brauchen Sie noch ein paar Weihnachtsgeschenke? Dann verschenken Sie doch mal ein paar Unzen Silber. Doch seien Sie vorsichtig! Man kann die Leute damit auch erschrecken!

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , ,

2 Kommentare auf "Edelmetalle: Außer Spesen…"

  1. cubus53 sagt:

    Wenn man in eine Währung, die nur aus Bits und Bytes besteht, mehr Vertrauen und Hoffnung steckt als z.B. in Gold, dann sagt das viel über den Geisteszustand unserer Welt aus. Als Digitale lässt kopieren und beliebig vermehren, das gilt auch für eine Kryptowährung, völlig gleichgültig wie angeblich sicher das alles sei.

    In diesem Zusammenhang habe ich sogar noch mehr Vertrauen in die Herrschaft der Notenbanken über das Papiergeld, obwohl auch das gerade auch eine wundersame Vermehrung erfährt.

    Der Geisteszustand unserer Welt ist die nackte Gier nach immer mehr, immer schneller, immer weiter. Ich für meinen Teil dagegen ziehe mich immer mehr zurück und schaue diesem Treiben aus sicherer Entfernung zu. In der Hoffnung, daß der kommende, große Knall nur dumpf mein Ohr erreicht.

  2. Skyjumper sagt:

    Gold hat nichts gemacht, und ausser Spesen ist nix gewesen?

    Super. Spesen hatte ich in diesem Jahr nicht weil ich nichts dazu gekauft habe. Und ansonsten hat Gold dann genau das gemacht was ich von einem guten Geld erwarte: „Nichts“ meint bei Geld nämlich „Stabil“. Genau aus dem Grund, bzw. in der Hoffnung, hab ich es mir mal besorgt.

    Ich habe auch mal vor einiger Zeit für einen mittleren 3-stelligen Betrag Bitcoin gekauft. Was da abgeht macht echt Spaß, aber: Für mehr als den Spaß würde ich es auch nicht empfehlen. Mein Geld wollte ich so nicht aufbewahren.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.