E.OFF!

13. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Pech! E.ON ist leider keine Bank. Wäre die das, hätte ihr der Staat und seine Steuerzahler doch gerne ihre Atomkraftwerke abgenommen und verschrottet. So aber…

…verbleibt der stillgelegte und auf Jahrtausende strahlende Müll erst einmal im Unternehmen. Die daraus resultierenden Milliardenabschreibungen und damit verbundenen Milliardenverluste führten jetzt dazu, dass das Schlachtfest an der Börse bei E.ON munter weiterging.

Die E.ON-Papiere notieren jetzt 83 Prozent unter ihrem Allzeithoch. Von RWE ist auch nicht mehr viel übrig außer die milliardenschweren Schuldenberge und die Frage, wie das künftig alles bezahlt werden soll. Die Schulden liegen weit über dem Doppelten des Börsenwertes. Na, wenn das mal gutgeht.

Ich muss immer noch darüber schmunzeln, dass dividendenstarke Aktien jetzt in Zeiten der Null-Zinsen immer wieder als Zinsersatz herhalten müssen. Um die Kursverluste von 37 Prozent allein in diesem Jahr zu kompensieren, müsste E.ON elf Jahre lang eine stabile Dividende von 50 Cents zahlen. Nicht anders bei RWE. Doch wovon? Wahrscheinlich aus der Substanz, sofern noch vorhanden. Ach, diese wurde ja schon teilweise an die Aktionäre ausgekippt. Viele Kommunen als Anteilseigner haben die Dividenden von RWE fest in ihre Haushalte eingeplant.

Vorerst aber müssen die Steuerzahler noch nicht für die atomaren Altlasten aufkommen. Ob das so bleibt? Wenn die Sache aber so weitergeht, werden die Energieversorger zu Problemfällen. Das dürfte dann dazu führen, dass ihnen die Politik notfalls doch noch mit Steuergeld helfen muss, denn sie hat ja mit ihrer Energiewende die Versorger zu Grunde gerichtet. Nach langen Debatten und etlichem Geschrei wird man wieder die Alternativlosigkeit bemühen. Das ist ganz einfach und man wird fragen: Wollen Sie abends im Dunkeln sitzen und mangels Strom auf Fußball im Fernsehen oder die gewohnten Kreisch – und Quassel-Shows verzichten? Ich sehe schon erste Strom-Demos! Tja, E.ON, RWE und die anderen Versorger sind irgendwie doch eine Art von Bank und mindestens so „sicher“ wie diese.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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10 Kommentare auf "E.OFF!"

  1. FDominicus sagt:

    Ein paar Gedanken habe ich mir schon gemacht. Das ist ja der erzwungene Ausstieg nachdem es erst kurz vorher um Laufzeitverlängerungen ging. Ich kenne jetzt keinen Bereich in dem es den Produzenten nicht erlaubt ist eine Maschine auch über ihre normale Betriebszeit heraus zu verlängern.

    Derzeit weiß ich einfach nicht, wie wir dem Müll aus diesen Anlagen Herr werden könnten. Es gibt aber garantiert technische Lösungen den ganzen Zeitraum der Gefährlichkeit zu verkürzen.

    Was man feststellen kann. Sieht nicht so aus als gelten Marktgesetze im Eneergiebereiche, das ist ja kein neues Problem. Man denke an die Subventionen für die Steinkohle, den heutigen Wahnsinn mir „erneuerbaren“ Energien oder eben auch daran wie extrem der Atomstrom seinerzeit von den Politikern gewollt wurde. Auch damals schon gegen die Skepsis von vielleicht sogar der Mehrheit.

    Mehrheit zählt in D aber nicht, es geht nur um die Mehrheit der Posten in den Parlamenten.

    Ich bezweifele sehr stark, daß sich Atomstrom alleine auf einem Markt durchgesetzt hätte. Ich bin aber der Meinung das Riskiko von jeder Energiequelle ist von dem zu tragen der eben darauf aufbaut. Die unheimlich niedrigen Grenzen für die Schadsummen bei einem AKW-Unfall finde ich völlig unangebracht. Das ist genau die gleiche Kategorie wie das Verleihen von Geld was eine Bank gar nicht mal hat.

    Der „Grund“ für den Ausstieg ist an Lächerlichkeit, wirklich kaum zu überbieten. Und nun steht man als Anbieter vor folgenden Problemen. Die Verlängerung der Laufzeiten von grundlastfähigen AKW ist geplazt. Dazu muß man nun noch Strom abnehmen für den man selber gar nichts kann und der nicht grundlastfähig sit. Dazu wird noch auf einen eingedroschen weil man „alte“ Kohlekraftwerke laufen lässt. Abstellen geht aber auch nicht, weil sonst die Stromvesorgung zusammenbricht. Den überschüssigen Strom aus Wind und Sonne kann man derzeit technisch nicht speichern und so kommt es zu so absurden Dingen wie Bezahlung für die Nichtproduktion. Der Überschuß selber führt zu einem Verfall der Preise, daß selbst modernste Gaskraftwerke unwirtschaftlich werden. Es scheint mir klar, daß das nicht klappen kann. So kann ich in diesem Fall den großen Energielieferranten keinen Vorwurf machen. Sie sollen die Quadratur des Kreises schaffen und das ist nun mal unmöglich.

    Hätten wir einen Markt für Strom, gäbe es die Windfarmen nicht, es gäbe nicht die Solarparks, ob es Atomstrom gäbe wage ich zu bezweifeln. Ich wette die Energie käme aus Kohle, Gas und Öl. Wir bräuchten mit Sicherheit nicht mal die Hälfte an Kosten für den Strom bezahlen. Im Endeffekt sieht man hier die „Effizienz“ von staatlichen Eingriffen bei der Arbeit…

    • Avantgarde sagt:

      Laufzeitverlängerungen.
      Ein Atomkraftwerk ist keine Frankiermaschine – bei ersterem klemmt sich vielleicht jemand die Finger ein – bei zweiterem wir womöglich ein ganzes Land wirtschaftlich und kulturell vernichtet.
      Nur z.B. der Druckbehälter ist nun mal nur für die vorgegebene Laufzeit ausgelegt. PUNKT. Und der ist auch nicht nachrüstbar…
      Alles danach ist Blindflug.

      Müll
      Ich beschäftige mich nun bald 30 Jahre mit dem Atomdreck und alle Jahre wieder wird ein neues Verfahren zur risikolosen Entsorgung verbreitet – dauert immer nur noch ein paar Jährchen.
      Ich prophezeie Ihnen, daß solche Geschichten in 20 noch immer verbreitet werden. Und wieder ganz kurz vor dem Durchbruch…

      Die gesamt Energieversorgung wurde aufgrund der irren Kosten anfangs Subventioniert – und wird es tatsächlich bis heute immer noch. Kohlepfennig…
      Atom ist da keine Ausnahme.
      Die Besonderheit beim Atomstrom: Anders als beim Kohlepfennig ist die Subvention nicht weg wenn der Energieträger nicht mehr benutzt wird.
      Alle Entlagerkosten in Milliardenhöhe darf danach die Allgemeinheit für viele Generationen in irrwitzigen Summen tragen.
      Nur allein die Asse….sind es grad um die 4 Mrd.?!?…genaues weiß man nicht und auch nicht ob das Zeugs überhaupt noch mal zu bergen ist.

      Der Grund für den Ausstieg in D war letztlich die Angst vor dem Machtverlust.
      Aber Sie werden ja wohl nicht erwarten, daß der Hosenanzug vor die Kamera tritt und womöglich die Wahrheit über die Wahlkampfstrategie verkündet.

      Fossile Energieträger sind das absolute Rückgrat unserer Energieversorgung – und das wird auch in 20 Jahren noch so sein.
      Oder glaubt hier jemand im Irak, Syrien, Libyen… würden die USA&Co Kriege um Demokratie, Brunnen, Schulen und Frauen führen?!??

      • Dave sagt:

        Zumindest zum Thema Müll möchte ich sagen, dass mit schnellen Brütern (oder schnellen Brennern) Bewegegung in die Sache kommt (https://de.wikipedia.org/wiki/BN-Reaktor#BN-800). Der Nachfolger des letztes Jahr in Betrieb genommenen BN 800 wäre dann nach den Planung sogar inhärent sicher.
        In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch sagen, dass man auch in D die Reaktoren inhärent sicher hätte bauen können. Dann wären (mehr) kleinere Blöcke notwendig gewesen, das war aber offensichtlich politisch nicht gewollt.
        Ansonsten gebe ich Ihnen Recht, dass es kaum einen Zwei gibt, der ähnlich planwirtschaftlich gewührt wird, wie die Energiewirtschaft. Mit den bekannten Folgen.

        • Avantgarde sagt:

          Der Brüter vernichtet keinen Müll er nutzt ihn lediglich besser bzw. wandelt Brennstoff um.

          Freilich können die abgebrannten Brennstäbe der anderen Reaktoren als Brennstoff benutzt werden.
          Da wird Uran 238 dann Plutonium 239 erbrütet. Aus 1 Kg Uran bis zu 1,3 Kg Plutonium.
          Dumm nur, daß auch Plutonium 239 rein chemisch extrem giftig ist und als inkorporierter Alphastrahler der Krebstod garantiert ist.
          Die Halbwertszeit von Plutonium 239 beträgt 24.000 Jahre – also auch ein Stoff auf den die nächsten paar tausend Generationen aufpassen dürfen.

          Das Metall Natrium als Kühlmittel ist alles andere als ungefährlich. Wehe wenn es mit Wasser in Berührung kommt. Kennen wir ja aus dem Chemieunterricht.

          Es ist also alles andere als die Lösung der Atommüllfrage.

          • Dave sagt:

            Ja, und das abgereicherte Uran macht mit Plutonium den überwiegenden Teil der Masse von abgebrannten Brennstäben aus. Das heißt man könnte die Menge an Abfall massiv reduzieren und diesen dabei sogar noch sinnvoll verwenden.
            Plutonium wird ja dann als Brennstoff verwendet von daher auch gespalten. Das Natriumbrände ein Problem sind (oder waren) ist schon lange bekannt, scheint aber beherschbar zu sein.
            Natürlich kann ich bei jeder technischen Lösung nur Probleme sehen, dann würde ich aber auch mit einer Pferdekutsche (oder besser zu Fuß) auf’s Feld gehen und die Erde mit bloßen Händen bearbeiten.
            Bitte nicht falsch verstehen, blinde Technikhörigkeit ist genauso schlimm. Generell sollte aber immer differenzieren können.

      • FDominicus sagt:

        „Fossile Energieträger sind das absolute Rückgrat unserer Energieversorgung – und das wird auch in 20 Jahren noch so sein.“

        Und was schreibe ich?
        „Hätten wir einen Markt für Strom, gäbe es die Windfarmen nicht, es gäbe nicht die Solarparks, ob es Atomstrom gäbe wage ich zu bezweifeln. Ich wette die Energie käme aus Kohle, Gas und Öl. Wir bräuchten mit Sicherheit nicht mal die Hälfte an Kosten für den Strom bezahlen. Im Endeffekt sieht man hier die „Effizienz“ von staatlichen Eingriffen bei der Arbeit…“

        Ich weiß über „Atomstrom“ zu wenig, ich kann mir aber durchaus vorstellen, daß das was wir heute als Müll bezeichnen durchaus wieder ein Rohstoff werden könnte. Daher ist es wohl eine schlechte Idee das Zeug so zu verbuddeln oder weg zu schaffen, daß man nicht mehr rankommt.

        Zu Ihrem Vergleich. Wenn es wirklich eine „Laufzeit“ gäbe wie hätte man dann je auf die Idee von Laufzeitverlängerungen kommen können. Ich denke hier liegen Sie durchaus falsch, diese Dinger werden nicht von jetzt auf gleich nicht mehr funktionieren.

        • Avantgarde sagt:

          Ich habe doch gar nichts gegen Fossile Energieträger. Man sollte lediglich darauf achten, daß sie so sauber arbeiten wie es mit dem Stand der Technik möglich ist.
          Das schließt die Erprobung und Verbesserung von Solar- und Windenergie aber freilich nicht aus.

          Sie denken ich liege beim Thema Laufzeitverlängerung falsch. Also meinen Sie das wäre technisch kein Problem.
          OK: Zunächst mal sollte man dabei bedenken, daß wir zum Zeitpunk der Verlängerung eine Technik vor uns haben, die locker 30-Jahre alt ist.
          Schauen Sie sich doch bitte mal die Autos, Telephone, Waschmaschinen…. aus der damaligen Zeit an – es ist wirklich verdammt lange her.
          Und die Grundsubstanz ist bei allem nicht Nachrüstbar.

          So auch bei den Atomkraftwerken. Der Druckbehälter ist wegen der Gefahr eines Sprödbruchs durchaus eine ganz plötzliche Gefahr – dann bekommen wir nämlich eine Kernschmelze. Und wenn Sie mir nicht glauben dann vielleicht mal das hier lesen.
          https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserstoffverspr%C3%B6dung
          Klar hat der Hersteller damals noch etwas Puffer eingebaut – aber in der Praxis probiert hat das selbstverständlich noch niemand.

          • Dave sagt:

            Genau, in der Praxis probiert hat das noch niemand (zum Zeitpunkt als die Reaktoren gebaut wurden). Deswegen kann es ja auch sein, dass das ganze länger hält als ausgelegt. Dazu werden ja auch immer umfangreiche Tests und Revisionen durchgeführt. Ich meine hier eben auch zu erkennen, dass man das ganze in erster Linie negativ sehen möchte…

  2. Avantgarde sagt:

    @Dave

    Ich verstehe durchaus die Faszination aus Uran Energie herstellen zu wollen – schließlich steckt in einem Kilo Uran in etwa soviel Energie wie in 20.000t Steinkohle.

    Und klar sollte man bei all der Technik auch ein bestimmtes Fehlerpotential einkalkulieren, sonst ist Entwicklung auf diesem Gebiet nicht möglich.
    Das gilt für fast alles…..

    ABER:
    Bei dieser Technologie in diesem dicht besiedelten Europa darf es keine Fehler geben!
    Eine Pferdekutsche begräbt vielleicht den Kutscher, die Passagiere und meinetwegen noch einen Fußgänger – ein Atomreaktor kann aber 100tausende ins Jenseits befördern und riesige Landstriche für Generationen unbewohnbar machen.

    Und mal wegen der aktuellen Terrorismusdebatte ganz nebenbei.
    Eine Panzerfaust auf einem kleinen Truck ins Abklingbecken oder Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände und wir haben einen Unfall den die Republik vielleicht an den Abgrund bringt.

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