E.OFF: Lust auf ein weiteres Rettungspaket?

2. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Sind Sie bereit für ein neues Rettungspaket, diesmal für ausgediente Atomkraftwerke? Wie wär`s? Die besten Geschäfte macht man immer noch mit dem Staat. Wenn es dort eng wird, lässt er seine Bürger die Zeche bezahlen. Mieses Prinzip, aber sehr erfolgreich…

Nein? Wer bitteschön fragt Sie denn?

Der Energieriese E.ON baut schließlich gerade eine neue „Bad Bank“ zusammen. Dort hinein verschieben die Düsseldorfer alles, was „bad“ ist, also Energieerzeugung aus Kohle, Gas und auch ein paar ausrangierte Atommeiler und Mitarbeiter.

Die Börse jubelt, und das aus gutem Grund. Der „Rückbau“ der strahlenden Altmeiler könnte nämlich richtig teuer werden, vielleicht sogar teurer als 14,5 Milliarden Euro. Diese Summe packt E.ON der neuen Tochter ohne Namen als Mitgift in die Koffer. Was sind diese Milliarden in ein paar Jahren noch wert? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass E.ON mit einem „Rückbau“ nichts mehr zu tun haben wird, selbst wenn die neue Gesellschaft pleitegehen sollte. Wer zahlt dann? Oder bleibt der ganze Krempel dann liegen? Na sehen Sie!

E.ON & E.OFF

E.ON – Chef Johannes Teyssen weist alle Sorgen vor einer „Bad Bank“ natürlich zurück. „Kein einziges Unternehmen wird in Europa so gut aufgestellt sein“ sagte er. Das wirft dann die Frage auf, warum E.ON ein so gut aufgestelltes Unternehmen an die Aktionäre verschenkt. Ist nicht bald auch Weihnachten? Übrigens, wie wäre es mit E.OFF als neuen Namen für das ausgelagerte Geschäft, was einst so viel Gewinne brachte? „E.OFF“ soll bis 2016 an die Börse gebracht werden und E.ON wird seine Minderheitsanteile an E.OFF dann nach und nach verkaufen, an dem so gut aufgestellten Unternehmen. Bloß damit nix mehr zu tun haben wollen? Verständlich!

Die Spaltung des Konzerns in „gut“ und „schlecht“ ist eine der vielen Folgen der Energiewende, die unter anderem auch aus wahltaktischen Gründen eingeleitet wurde. Die kostet zwar jetzt Unmengen Geld, aber damals kostete sie die CDU keine Wählerstimmen. Und das damalige später ist bekanntlich das heutige Jetzt.

Während sich E.OFF um das einst margenstarke Gerümpel der früheren E.ON kümmert, wird der E.ON-Konzern aus drei ganz modernen Säulen bestehen: Erneuerbare Energie, Energienetze und 33 Millionen Kunden, um die sich 40.000 Mitarbeiter kümmern.

E.ON und die anderen Versorger hatten fette Zeiten. Selbst als es sichtbar abwärts ging, stieg der Schuldenberg durch teure Übernahmen auf 31 Milliarden Euro und an die Aktionäre wurden in dieser Zeit Dividenden ausgezahlt, die an der Substanz fraßen. Insgesamt wurden in den letzten zehn Jahren 11,30 Euro pro Aktie ausgeschüttet. Bei zwei Milliarden Aktien sind das immerhin rund 20 Milliarden Euro. (Quelle:Goyax)

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Aussicht auf eine Besserung besteht auch nicht. Die Gewinne sind „zurück auf Los“.

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Und die Aktie steht da auch noch…


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Es ist gar nicht lange her, da gab es eine Diskussion über den Freikauf der Versorger von den Altlasten. 36 Milliarden Euro als Einmalzahlung wäre ihnen dieses Geschäft wert gewesen. Dafür wären die Atommeiler großzügig in eine staatliche Stiftung übertragen worden – und die Energieriesen hätten dann stiften gehen können. Nun kommt es aber irgendwie anders, aber ähnlich… (Seite 2)



 

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2 Kommentare auf "E.OFF: Lust auf ein weiteres Rettungspaket?"

  1. JayJay sagt:

    Meine aufrichtigen Dank, Herr Meyer.
    Wieder den Nagel auf den Kopf getroffen, besser hätte man es nicht schreiben können. Schlimm ist nur, das die meisten Bürger das sowieso nicht verstehen bzw. verstehen wollen. Aber dann sollen sie auch ordentlich zahlen dafür.

  2. Tom sagt:

    Herr Meyer,
    E.OFF ist wohl der perfekte Name für das abgespaltete Unternehmen. Jedoch habe ich kein Verständnis für diesen Energieriesen, der seit dem 14. Juni 2000 weiß, wohin die Reise geht.

    (Bis zur Verlängerung der Laufzeiten sind über 10 Jahre vergangen in denen nichts getan wurde)
    Das Management hat sich hier verspekuliert und damit tausende beruflichen Existenzen aufs Spiel gesetzt um kurzfristige Gewinne zu machen.

    Weder wirtschaftlich noch technisch hat sich das Unternehmen auf die Zukunft vorbereitet und hat die letzten zehn Jahre trotz hoher jährlicher Verluste hohe Dividenden an die Anteilseigner ausbezahlt.
    Das das Atomgeschäft mit hohen Risiken verbunden ist, weiß man seitdem so ein Reakter in Tschernobyl geplatzt ist – wirtschaftlich, politisch und technisch. Sie können es sich natürlich einfach machen und die Regierung für den Schlamassel verantwortlich machen, jedoch sehe ich hier das strategische Management von E.ON in der Pflicht.

    Entledigt man sich der Kosten des Rückbaus und des Atommülls, der sich vor kurzem verdoppelt hat, mit einer Spaltung des Unternehmens, ist es nichts anderes als ein Skandal an der ganzen Bevölkerung. E.OFF wird pleitegehen und die Aktionäre von E.ON reiben sich die Hände?

    50 Kraftwerke mit einer Leistung von 8000 MW? Irgendwas stimmt nicht hier nicht. Es handelt sich eher um Repowerin von Kleinkraftwerken wie Windräder, da ein Reaktorblock für gewöhnlich zwischen 500 und 1000 MW Leistung liefern kann.
    Ich möchte Sie auch anhalten die sogenannte Stromlücke zu recherchieren, da wir seit Jahren unseren überschüssigen Strom ins Ausland exportieren, trotz der abgeschalteten Meiler.

    Grüße
    Tom

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