Dürren, Brände, Spekulanten?

25. Januar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Weltweit steigen die Preise für Lebensmittel weiter an. Keine Neuigkeit. Auch nicht neu, dafür aber auswechselbar sind die Gründe, die dafür aufgezählt werden: Wasser, Dürren, Brände – und böse Spekulanten. Wirklich?

Der Bäcker hat neulich erneut seine Preise hoch gesetzt, wegen der Rohstoffe, sagt er. Ein Bio-Brötchen gleich neben der Börse in Frankfurt kostet 0,95 Euro und damit zehn Cents mehr als vor einem Monat, oder auch politisch unkorrekte 1,90 D-Mark. Benzin steht gerade bei drei Mark für einen Liter. Rohstoffmärkte sind so teuer wie noch nie. Worüber sich die einen freuen, bringt andere um – vor allem wenn es ums Essen geht.

Die Teuerung ist auch hierzulande ins Bewusstsein der Leute gerückt. Über steigende Preise kann man immer prima schimpfen. Und man kann mitreden, wenn Zeitungen schreiben, dass die Ölmultis mal wieder abzocken – genügend Platz für kollektive Empörung. Der Wochenendeinkauf in Euro kostet zahlenmäßig genauso viel wie damals, als man noch mit der „harten D-Mark“ bezahlen durfte. Muss man sich Sorgen machen? Offiziell nicht, denn die Inflationsrate wurde kürzlich mit 1,7 Prozent amtlich ausgewiesen.

Warum nur wird alles teurer? Ist es der Aufschwung? Mehr Menschen auf dem Planeten? Hat es zuviel geregnet? Gab es Dürren? Sind es die Spekulanten, wie der Experte vermutet? Oder hatte gar Paul Krugman ausnahmsweise mal recht, als er in welchem Zustand auch immer sagte, eine Blase würde uns helfen, aus dem Schlamassel dieser Finanzkrise wieder heraus zu kommen – so wie damals. So wie er es gelernt hat.

Als die Aktienkurse im Jahr 2000 abstürzten, ersetzte eine Blase am Immobilienmarkt die alten Hinterlassenschaften wie ein neuer Hundehaufen den alten. Und nun? Die US-Notenbank bemüht sich sehr, die Dinge wieder ins Laufen zu bekommen und hat ihr Plätzchen für den neuen Haufen offenbar gefunden – die Rohstoffpreise. Mit ein paar modernen QE-Werkzeugen und jeder Menge Dollar kann kaum etwas schief gehen. Bis es schief geht.  Und es wird schief gehen.

Steigende Anlagepreise, auch die der Agrarrohstoffe machen den meisten Anlegern mit Zertifikaten oder Optionen Spaß! In einigen Ländern ist der Spaß in Ernst umgeschlagen, seit die Preise durch die Decke gehen – unter anderem wegen des „Anlagenotstandes“ und der „Flucht in Sachwerte“. (weiter)

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3 Kommentare auf "Dürren, Brände, Spekulanten?"

  1. rolandus sagt:

    Aber aber, brrr schliesslich ist doch das telefonieren billiger worden ! Ja und die alten iphone Preise schmelzen auch dahin wie der Schnee in der (FED)Sonne. Das nun ausgerechnet die Preise der Waren steigen, von denen ALLE abhängig sind ist sicher nur ein unvermeidbarer Nebeneffekt. Schönen Gruß an Norbert Walter und seinen 100% igen Glauben an die deutschen Statistiken. Seine Pension bezahle ich gern an der Tankstelle, während er das Geld im Schaufenster betrachtet wie andere Leute leicht bekleidetete Schaufensterpuppen.

    Schön Gruß ins Ried
    rolandus

    P.s:Vielleicht Hellmeyer und Walter zusammen in einem podcast. Immerhin hatten sie ja mal den gleichen Arbeitgeber.

  2. Reiner Vogels sagt:

    Dass wenigstens einer der Gründe für den Preisanstieg bei den „Agrarrohstoffen“ darin besteht, dass die Erzeugung von flüssigen Treibstoffen für Autos mit der Nahrungsmittelerzeugung um die auf einer endlichen Erde prinzipiell begrenzten landwirtschaftlichen Ressourcen konkurriert, dürfte jedem denkenden Menschen klar sein.

    Ich halte es für eine Sünde und ein himmelschreiendes Verbrechen der Politik, dass ich beim Autofahren gezwungen bin, ein landwirtschaftliches Produkt im Motor zu verbrennen, das auf Flächen erzeugt worden ist, auf denen auch Brotgetreide für die Hungernden dieser Erde hätte angebaut werden können.

  3. Hans im Glueck sagt:

    Und wenn wir alle kein Fleisch essen würden, dann hätten wir auch mehr Nahrungsmittel oder halt mehr Bio Bezin / Diesel 😉

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