Autos? Ducken und bedecken!

22. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Bankhaus Rott)

Die unlängst veröffentlichten Autoabsätze in Europa waren gewohnt grauenhaft. Im Dezember hat es trotz aller Zahlenkosmetik auch die deutschen Hersteller erwischt, die sich prompt an den fragwürdigen Erfolgen des subprime-finanzierten US-Geschäfts laben. Aus den üblen Daten in der EU lässt sich hingegen kein Honig saugen, so dass der Druck auf die heimischen Werke massiv zunehmen wird…

Der Absatzrückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat lag in der EU im Dezember bei 16,3%. Es handelt sich um den stärksten Einbruch seit 2008. Auch der Michel hat sich dieses Jahr nicht zum Kauf bewegen lassen, so dass in Deutschland ein Minus von 16,4% in den Büchern steht. Insgesamt wurden in der Europäischen Union rund 3,5 Millionen Autos weniger verkauft wurden als im Spitzenjahr, die Überkapazitäten lassen schön grüßen. Die drei Werke, die Ford in Europa schließen will, haben eine Kapazität von 355.000 Fahrzeugen, was die gesamte Dimension der Probleme in Europa erahnen lässt.

Wenig hilfreich sind angesichts der massiven Überkapazitäten die oft gehörten Ratschläge, man solle keine Werke schließen, denn die Fachleute würde man später wieder suchen. Wenn sie dauerhaft ein paar Millionen Autos weniger bauen, werden sie auf absehbare Zeit in diesen Betrieben keine weiteren Fachleute benötigen. Aber man kann bekanntlich auch Leute bezahlen, um sie erst Löcher zu buddeln und diese dann wieder zuschütten zu lassen. Hauptsache was gemacht …

Im Gesamtjahr rutschte der Absatz um 8,2% ab, damit wurde das Niveau von vor 20 Jahren erreicht. Damals gab es allerdings noch ein paar Einwohner weniger. Aussagekräftiger wird die Zahl verkaufter Fahrzeuge, wenn die Bevölkerungsentwicklung in die Betrachtung einbezogen wird.

Nur im Norden Europas und im schönen Österreich liegt der pro-Kopf Absatz über dem Stand des Jahres 1990. Was in Dänemark nach dem Platzen der dortigen Immobilienblase geschehen wird, bleibt abzuwarten.

Beeindruckend ist der Weg, den einige Märkte seit ihrem besten Jahr zurückgelegt haben.

Lediglich die Absätze der Koreaner legten selbst im katastrophalen Dezember zu. Während manch einer darauf entgegnet, schon die Japaner hätten versucht, den europäischen Herstellern das Wasser abzugraben, der sollte sich den Zustand des europäischen Automarktes genauer ansehen. Es wird wohl auf absehbare Zeit nicht der Fall sein, dass zu den herrschenden Konditionen massenhaft Autos in deutschen oder anderen europäischen Werken gebaut werden um diese dann in Wuhan zu verkaufen. Per Saldo werden auch deutsche Hersteller um massive Stellenstreichungen nicht herumkommen… (Seite 2)

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