Drucken bis die Walze glüht

8. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Hurra! Die EZB druckt weiter Geld. Wie erleichtert wir doch sind. Nein? Die Börse jedenfalls feierte, heißt es. Gab es irgendeinen Zweifel daran, dass Graf Draghobert nicht weiter die Welt verzerrt?

Chapeau! Das hat schon was, wie das Herr Draghi alles bewerkstelligt. Der DAX geht steil, der Euro wird zur Lira. Okay, er kennt das Handwerk von seinem früheren Chef. „Er ist ein Mann vom Fach!“ sagte ein Vermögensverwalter, also ein Mann, dem die weniger Schlauen vertrauen. „Super-Mario“ nennt man ihn auch, oder „Retter“ und „Währungshüter“ – bald auch „Schutzpatron der Märkte“ und „Garant des Euro“. Ich weiß nicht, was später in Wikipedia zu lesen sein wird. Auch hier wird ja je nach Interessenlage doch etliches verbogen. Ob Draghi später heiliggesprochen wird? Man sollte es befürchten. Doch ohne die EZB wäre Euroland längst abgebrannt. Nur die EZB garantiert den Fortbestand einer Währung mit Gen-Defekt, welche die Ärzte schon längst aufgegeben hätten, also eine Mischung aus Schein mit vermeintlichen Wert auf Papier, der Europa umschlingt und manches Euroland erdrosselt. Eine Fehlkonstruktion ohne Fehl und Tadel nach offizieller Meinung.

Aber vielleicht unterhält sich Draghi da oben in seinem hohen Turm zu Frankfurt öfters mit den Göttern. Wir werden es nie erfahren, wobei die Götter meistens anderes vorhaben, wenn sich jemand in Sachen Geld zu lange einmischt. Die sterblichen Überreste der Geldwelt kann man übrigens bald im neuen „Geldmuseum“ in Frankfurt bewundern – einer Art von Friedhof für gescheiterte Papierschnipsel ohne Wert – wenn sie das Vertrauen verloren haben, obwohl man das doch mit viel Aufwand beworben hatte. Mehr dazu später, wenn dieser Friedhof für das staunende Publikum eröffnet wurde, wenn die Monster, Mumien und Mutationen gefahrlos in den Vitrinen schlummern.

Oh, der Donnerstag brachte viel Donner. Es waren wieder draghische Stunden mit magischem Zauber auf der DAX-Tafel, als der Seher von Euroland seine Worte in die Kameras sendete. Der DAX bäumte sich auf, wohl wissend, dass man künftig für ihn mit einer geplant entwerteten Währung immer mehr davon bezahlen muss, um eine Einheit DAX zu bekommen.

Die Botschaft hieß: Wir drucken durch, bis morgen früh – Bumsfallera. Zumindest bis Ende Dezember 2017 und das bei etwas langsamer laufenden Rotierwalzen. Wobei es das wenigste Geld wirklich gibt. Das virtuelle Geld besteht aus reinem Nichts, kostet aber dafür ziemlich viel. Eine Sache des Glaubens….

Bis Ende 2017 wird sich die EZB in den „Markt“ stellen, der sie selbst schon ist, und „HIER!“ rufen. Wer hat, verkauft ihr dann seine Anleihen und anderen Finanzkram, den die EZB mit frischen Geld bezahlt, welches ohne Aufwand blitzschnell am Computer herstellt wird – aus dem Nichts. Dieses frische Geld ist dann als Plus in einer Bilanz in der Welt – beispielsweise bei einer Bank, die dem Staat über eine Anleihe Kredit gegeben hat. Übrigens auch mit Geld, dass die Bank aus dem Nichts erzeugt hat und bislang von den Zinsen für diesen Kredit prächtig leben konnte. Bislang jedenfalls.

Warum beschreibe ich das eigentlich? Weil es wichtig sein könnte, auch wenn das weder jemand versteht und daraus die richtigen Schlüsse zieht.

Die Banken haben auf diese Art 1.200 Milliarden Euro an „Überschussliquidität“ angesammelt, Geld, mit dem sie aber nichts anfangen können. Sie sollen es als Kredit herausgeben. Aber an wen? Und wenn um die Ecke der Regulierer steht, und das verhindert, beißt sich die Katze irgendwie in den eigenen Schwanz und schreit dabei sehr laut. Die Experten nennen das wahrscheinlich Musik.

Warum kauft eine Bank dafür eigentlich keine Aktien? Weil sie dann laut Regularien Eigenkapital vorrätig halten muss, woran es ja bei den meisten Banken mangelt.

Nach dem Motto, dass viel viel hilft – und noch mehr davon auch noch mehr, verlängert die EZB ihre Geldorgie bis Dezember 2017, also um weitere neun Monate. Sie wird aber statt 80 nur noch 60 Milliarden Euro pro Monat in den „Markt“ pumpen. Es gibt erste Leute, die von einer Straffung der Geldpolitik reden, also von einem Doppelplusgut mit negativem Vorzeichen. Die Nachricht vom Donnerstag war aber, dass zusätzliche 540 Milliarden Euro gedruckt werden.

Die EZB betont aber, sie könne ihr Aufkaufvolumen jederzeit wieder erhöhen, sollte es nötig werden. In Expertensprache ausgedrückt: Noch mehr straffen. Witzig! Nicht wahr?

Rechnen wir kurz zusammen: Aus den geplanten 1,14 Billionen wurden im zweiten Akt 1,74 Billionen Euro, die bis Ende 2017 um weitere 0,54 Billionen auf dann 2,28 Billionen Euro aufgestockt werden. Das gibt den Märkten „Planungssicherheit“, sagte jemand, wobei da einem schon die Sicherungen durchbrennen können…. am Weihnachtsbaum, versteht sich. Experten eben.

Ach ja, die EZB vermisst schmerzlich die Inflation. Dabei betreibt sie nichts anderes als Inflation, wenn sie die Geldmenge erhöht. Die EZB vermisst die Teuerung, müsste es richtig heißen. DAS wäre der richtige Begriff, also dass von 100 Euro Kaufkraft am Ende eines Jahres noch 98 Euro übrig sind. Das nennt sie Kaufkraftstabilität. Also wenn man für einen 50er aus dem Jahr 2002 heute noch die Hälfte oder ein Dritte an Waren und Dienstleistungen bekommt. Das ist Stabilität und so ähnlich, wenn sie Kraft ihres weit interpretierbaren Amtes erklärt, ein Meter wäre in einem Jahr noch 98 Zentimeter lang und irgendwann nur noch die Hälfte davon. Das hat schon was! Wenn das als stabil gilt, möchte ich über keine einzige ihren komischen Brücken gehen.

Gibt es wirklich keine Teuerung? Nun, die meisten werden etwas anderes im realen Leben spüren. Doch man darf den Euro nicht in D-Mark umrechnen, sagen die ganz schlauen Leute, die es wissen müssen. Warum eigentlich? Weil dann der Beschiss auffallen würde?

Würde die EZB einen echten Warenkorb berechnen, also mit allen Preisen, auch denen der Immobilien und der Anleihemärkte, die sie selbst nach oben manipuliert, bräuchte sie gar kein Druckprogramm. Oder können Sie mir sagen, warum der Goldpreis in Euro umgerechnet seit dem Ende von Bretton Woods um durchschnittlich um zehn Prozent im Jahr gestiegen ist, also der Euro umgerechnet um zehn Prozent im Jahr abgewertet hat gegenüber der stärksten Währung der Welt? Versuchen Sie es nicht! Sie könnten auf ganz dumme Gedanken kommen! Nämlich den nicht vorhandenen, aber angenommenen Wert einer Papierwährung nutzen, um diese Kaufkraft in etwas zu tauschen, was noch da ist, wenn der Euro tot gedruckt sein wird und seine Überreste irgendwann im Geldmuseum in einer Glasvitrine lagern.

 

Schlagworte: , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.