D(r)ucke sich wer kann!

8. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Im Mittelalter zogen windige Leute umher und verkauften teure Ablassbriefe zur Befreiung von allen Sünden. Natürlich war das Betrug, aber ein einträgliches Geschäft, bis es aufflog….

Am Prinzip hat sich bis heute wenig geändert, nur dass die Glücksverkäufer jetzt am Geldautomat sitzen und den Himmel auf Erden bzw. Wohlstand versprechen, wenn sie Geld drucken. Dabei war Gelddruckerei immer der Vorhof zur Hölle, selbst wenn es dort nach Zuckerwatte roch.

Am Montag öffnet die EZB die Geldschleusen, wohl ahnend, dass die Leute am Unterlauf des Flusses durch die dünne Geldbrühe Schaden nehmen. Dann werden die Verantwortlichen weg sein und auch das Geld bzw. dessen Kaufkraft. Doch bis dorthin wird erst nochmal kräftig gefeiert, wie beispielsweise am 18. März. Dafür wird Frankfurt lahmgelegt, Schulen im Umkreis des neuen EZB-Turms geschlossen, U-Bahn-Linien stillgelegt. Wahrscheinlich werden auch Hubschrauber über der EUB kreisen. Nicht dass sie Geld abwerfen oder Kamelle – man befürchtet offenbar Ausschreitungen.

Nichts soll die Feierlichkeiten stören, wenn die Profiteure der EZB-Geldpolitik ihre Erfolge feiern. Vielleicht liefert auch ein Hubschrauber dann endlich das allsehende Auge aus Mordors Mittelerde auf dem Dach des Turms ab, direkt eingeflogen aus Saurons Welt … wird gemunkelt.

Ich weiß nicht, was es dort zu feiern gibt, dabei gibt es ab Montag frische Milliarden jeden Tag – aber nicht für irgendjemanden. Die EZB verteilt das Geld vorzugsweise an die Banken in der Hoffnung, diese heizen der Wirtschaft mit neuen Krediten ein. Warum sollten sie das aber tun? Die wundersame Geldvermehrung geht an der Börse und gehebelt viel schneller. Würde man dieses Geld aber an die 334 Millionen Europäer verteilen, hätte jeder monatlich 180 Euro mehr und die böse Deflation wäre sicherlich mausetot. Das ist dort der offizielle Grund für die frischen Milliarden.

Die EZB-Pläne schossen den DAX binnen eines Jahres um 20 Prozent nach oben und sägten dem Euro 20 Prozent Kaufkraft weg. Nominal merkt man hierzulande noch nichts, aber fahren Sie mal mit dem Euro ins Ausland.

Ja, Aktien können durchaus Kaufkraftverluste kompensieren. Jedoch wer hat schon Aktien? Dafür liegen die Spargelder in Euro herum, welcher abgewertet wurde. Vielleicht halbiert sich der Euro noch und der DAX steigt auf 23.000 Punkte? Fakt ist, die EZB zwingt auch kleinen Leute beim Sparen in größere Risiken. Inzwischen werden wie früher die Ablasshändler mit Gott verwechselt. Kein Wunder, denn ihre Täuschung ist genial und kompliziert wie damals. Sie fällt dann auf, wenn sich die vermeintliche Geld-Medizin als keine Medizin entpuppt, sondern als schleichendes Gift.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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4 Kommentare auf "D(r)ucke sich wer kann!"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Wie kann man nur mit so wenig Worten/Sätzen soviel Wahrheit schreiben?

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. Chris sagt:

    „Vielleicht liefert auch ein Hubschrauber dann endlich das allsehende Auge aus Mordors Mittelerde auf dem Dach des Turms ab, direkt eingeflogen aus Saurons Welt.“

    So abwegig ist dieser Gedanke gar nicht. Wir sollten viel mehr auf Symbolik achten. Mir sind vor Jahren schon Dinge aufgefallen, wie die goldene Verkleidung während des Baus. Die Spiegelung der Sonne hat mir die ganze Wohnung erleuchtet. Wer verkleidet denn nen Rohbau mit Goldfolie? Und dann noch die hängenden Gärten. Die hatten wir zuletzt in Babylon. Der Brutstätte des Bösen…

  3. JayJay sagt:

    Wieder mal wunderbar ausgedrückt. Danke
    Gold & Silber Ahoi

  4. Eumel sagt:

    Das ist schön bei den Deutschen: Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht. (H.Heine)

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