Druck und Angst: Was windige Verkäufer schon immer wussten

20. Dezember 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

vom Smart Investor

Von vorweihnachtlicher Ruhe kann weiter keine Rede sein. Ereignisreiche Wochen liegen hinter uns und es spricht wenig dafür, dass wir in absehbarer Zeit in ruhigeres Fahrwasser kommen werden…

Herausragendes innenpolitisches Thema war aus unserer Sicht der von Frank Schäffler initiierte FDP-Mitgliederentscheid gegen den geplanten, sogenannten Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM, der über das konkrete Votum hinaus weiterreichende Implikationen hat:  Es war das erste Mal, dass in einer bundedeutschen Partei „von unten“ ein derartiges formelles Mitspracheverfahren angestrengt wurde. Eigentlich, so könnte man naiver Weise denken, ein Anlass zu Stolz und Freude der Parteiführung, einer derart lebendigen Organisation vorzustehen. Eigentlich, aber weit gefehlt.

In der Praxis war dieser Mitgliederentscheid eine Bedrohung, die die Eitelkeit kränkte und Ämter gefährdete. Entsprechend waren die Argumente gegen den Antrag: Die Regierungsbeteiligung, die schöne Idee „Europa“ (die bekanntlich durch die EU inzwischen vollkommen pervertiert wurde) und natürlich die Keule des totalen Zusammenbruchs. Der Parteiführung musste klar sein, wie dünn diese Argumente im Vergleich zu Schäfflers „besseren Ideen“ eines Europas der Freiheit und Verantwortlichkeit waren. Liberalen Charme versprüht das Monstrum ESM jedenfalls nicht.

In der Folge startete ein in vielerlei Hinsicht asymmetrisches Verfahren. Frank Schäffler ist freilich ein viel zu loyaler Charakter, solches öffentlich zu bemerken, allenfalls bemängelte er die „Schusseligkeit“ der Parteiführung. Dennoch zog der „Underdog“ nur knapp den Kürzeren – 54,4% für die Parteiführung und deren Gegenantrag. Wie wenig ergebnisoffen der Prozess war, sieht man auch daran, dass es wohl Planspiele gab, für den Fall eines Schäffler-Sieges dessen Unverbindlichkeit für die Abgeordneten herauszustellen – wegen deren Gewissensfreiheit. Erstaunlich, wie im Bedarfsfall sogar wieder das gute alte Grundgesetz bemüht wird. In der Praxis dringen die Abgeordneten ohnehin gar nicht mehr bis zu einer Gewissensentscheidung vor, weil es schon am Wissen fehlt. Oder können Sie mehrere hundert Seiten lange juristische Texte in einem halben Tag lesen?

Sieg der Trägheit

Das stärkste Signal sendeten allerdings die Parteimitglieder selbst aus: Wenn nicht einmal eine Schicksalsfrage wie der ESM sie in ausreichender Zahl motivieren kann, überhaupt abzustimmen, dann brauchen wir uns über einen Verlust von Gestaltungsrechten an den Brüsseler Apparat wahrlich nicht zu beschweren. Wie Thomas Jefferson formulierte:

„Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit“.

So gesehen muss sich keiner der heute Handelnden Sorgen über den Unwillen der Bevölkerung machen, deren satte Trägheit ist ihr größter Verbündeter und der eigentlich Feind der Freiheit… (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Druck und Angst: Was windige Verkäufer schon immer wussten"

  1. MARKT sagt:

    Sorry Smart-Investor, aber meiner Meinung nach erneut nichts verstanden.

    Ja, natürlich macht Angie nur Schau, aber weshalb sollten dann Sachwerte favorisiert werden. Es gibt zusätzlich kurzfristig sichere Anlagen mit einer höheren Verzinsung und der gleichen Sicherheit wie deutsche Staatsanleihen.

    Der Eurobond kommt sicherlich schon nächstes Jahr, die Zeit für Sachwerte aber deutlich später. Natürlich kann man schon früher in Sachwerte gehen, aber wehe die Liquidität wird dadurch eingeschränkt. Dann erfolgt die Enteignung der Sachwerte auf niedrigstem Niveau.

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