Morgen Kinder, soll`s mehr geben!

2. Dezember 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Drogenkuriere haben sich angekündigt! Aber freut euch bloß nicht zu früh! Der Schneemann aus der EZB liefert nur an ausgewähltes Publikum. Das frische Pulver wirkt trotzdem bei allen. Derzeit sind es monatlich 60 Tonnen Koks, pardon 60 Milliarden Euro im Monat…

Haben Sie das auch gehört? Am Donnerstag wäre große Bescherung angesagt, rief jemand im Radio. Der DAX freut sich, mutmaßte zudem die Stimme. Als es dann noch hieß, „DAX vertraut Draghi“, habe ich in die Tischkante gebissen. „Nikolaus und der Weihnachtsmann würden dieses Jahr gleichzeitig kommen“, rief die Stimme hinterher. Da hatte ich mein Mousepad schon angezündet.

Manch einer glaubt wirklich, er bekäme von den Gelddrogen etwas ab. Je häufiger man diese Bildersprache bedient, desto leichter findet der Unsinn den Weg in die Köpfe der Leute und setzt dort sein Zerstörungswerk fort. Da passte es schon hervorragend, dass im nächsten Beitrag über die geringen Zinsen für Sparer geklagt wurde.

Selbst Experten wiederholen ständig ihr Wiederholtes. Sie müssten mal meine Tischkante sehen! Es wäre ja so toll, was der Draghi da macht. Und wie Deutschland davon profitieren würde, sagen sie. Eigentlich müsste man das ja sehen. Nicht wahr? Aber wo? Die Experten haben Gerüchten zufolge die alten Götter von ihren Altären gezerrt und durch Draghi ersetzt. Sie leben ja schließlich von diesem Schneeballsystem. Jeder Profiteur eines Systems verteidigt dieses.

© ra2 studio - Fotolia.com

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Man nimmt Kredit – und verdient Millionen

Die Geldpolitik der EZB führt inzwischen zu grotesken Begebenheiten: So lieh sich in der letzten Woche das deutsche Finanzministerium fünf Milliarden Euro durch die Ausgabe von zweijährigen Anleihen. Diese Papiere rentierten mit – (minus) 0,38 Prozent, sind also für Investoren garantierte Verlustbringer. Dennoch gab es genügend Deppen, die sich auf das Geschäft eingelassen haben – oder mussten – denn Finanzminister schreiben diesen Deppen vor, Deppen zu sein. Sie müssen das Zeug kaufen. So borgt sich Schäuble fünf Milliarden Euro und bekommt dafür 40 zusätzliche Millionen Euro gutgeschrieben. Willkommen in Verrücktistan, wo Zinsgötter aus trübem Mainwasser Rheingold machen.

Für Donnerstag erwartet man, dass die Banken, die nachts ihr Geld in die EZB zur Übernachtung schicken, eine höhere Gebühr als die 0,2 Prozent dafür zu zahlen haben. Vielleicht 0,4 Prozent. Man will sie damit zwingen, das Geld als Kredite an wen auch immer zu vergeben. Ist es nicht dann verständlich, lieber 0,38 Prozent mit Anleihen zu verlieren als 0,40 Prozent mit der Kurtaxe für Überschüssiges? Diese Anleihe-Helden sind damit sogar besser als der Markt!

Der negative Einlagezins hat inzwischen den ursprünglichen Leitzins abgelöst. Jeder Finanzminister dürfte sich freuen in Zeiten finanzieller Repression, sich so der Schulden entledigen zu können, ohne etwas rückzahlen zu müssen.

Schweden ist uns mal wieder voraus. Von wegen, die Leitzinsen können nicht negativ sein. Dort oben liegt der Repo-Satz bei -0,35 Prozent. Das bedeutet, die Banken zahlen weniger an die schwedische Reichsbank zurück, als sie sich leihen.

Des Schäubles Freud, des Sparers Leid

Es mutet schon seltsam an, wenn ein Finanzminister vor niedrigen Zinsen warnt. Dieses Gift bemächtigt sich zunehmend auch der Spareinlagen. Sichtbar wird das in voller Pracht erst dann, wenn die Zinsgötter und Politiker aus dem Amt sind. Oha! Jetzt versteh ich auch, warum nix Gescheites in der Politik nachwächst.

Inzwischen leidet auch die Versicherungsbranche. Ihre Zusagen stehen auf der Kippe. Bausparkassen werfen unliebsame Zinskunden raus. Die Branche aber ist erfinderisch und wird neue Produkte anbieten, deren Zeitzünder etwas später hochgeht. Notfalls nimmt man auch gerne Geld aus der Staatskasse wie die Banken und bald die Versorger. Man muss nur die richtigen Leute nahe der Geldquelle kennen. Wer regt sich auf? Na sehen Sie!

Die Zinspolitik der Notenbanken führt auch dazu, dass Unternehmen nicht nur neue Schulden aufnehmen, um alte Schulden ablösen (wie der Staat), sondern auch noch eigene Aktien auf Pump kaufen. Wo sonst soll man in satten Märkten investieren? Es ist verrückt und wird verrückt enden. Aber nicht jetzt.

Der nächste Schritt wäre, wenn die Zentralbanken die Staaten direkt aus der Druckerpresse finanzieren und nicht nur deren Anleihen aufkaufen. Sie benötigen nur einen Anlass. Spätestens aber, wenn jeder am Morgen 500 Euro auf dem Konto findet mit „Grüße von der EZB!“ – dann haben wir das Endstadium dieses Geldexperiments erreicht. Dann erinnert man sich auch wieder an das alte Prinzip: Tausche Bares gegen Wahres. Wenn es dafür überhaupt noch etwas gibt zu bezahlbaren Preisen.

 

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9 Kommentare auf "Morgen Kinder, soll`s mehr geben!"

  1. Andreas sagt:

    Das Verrückte an unserem System ist, dass Banken für Spareinlagen 10% Guthabenzinsen geben können.
    Rechenbeispiel:
    Bankguthaben des Sparers 1,00€ + 10% Zinsen sind 1,10€ Kosten 0,10€
    Von der EZB wird dann 100,00€ für 0,05% Zinsen geliehen. Kosten 0,05€
    Daher Zinskosten der Bank = 0,15€

    Die 100,00€ der EZB werden jetzt zu 1% als Darlehn vergeben
    Zinseinnahmen = 1,00€
    Abzüglich der Zinskosten = 0,85€ Zinsüberschuss. Das entspricht 567%
    Das sind Überschüsse, da können andere Branchen nur träumen.

  2. toter_esel sagt:

    Das „Institute for New Economic Thinking“ um Soros und Turner fordert, dass die Notenbanken das aus dem Nichts geschaffene Geld wieder streichen und die Forderungen gegen Banken und Staat(en) ebenso.

    Falls das möglich ist, was würde dies für die „breite Masse“ bedeuten? Und für die Märkte, die jetzt schon verrückt spielen?

    Für eien Antwort wäre ich dankbar…

    • Avantgarde sagt:

      Dann wären wir beim Punkt Staatsfinanzierung durch die virtuelle Druckerpresse angelangt.

      • toter_esel sagt:

        Das sind wir doch jetzt schon (FED, EZB; BoE, BoJ). Ich wollte nur wissen, ob so ein globaler Schuldenerlass der Reset sein könnte.

        • Avantgarde sagt:

          „Reset“ ist doch nur ein Synonym für den wirtschaftlichen Zusammenbruch, Chaos, Verlust der Renten, Arbeitslosigkeit und vielleicht zusammenbrechenden Staaten.
          Also keineswegs ein wünschenswertes Szenario.

          Ein begrenzter Schuldenschnitt wie in GR wird vermutlich nicht zu einem Crash führen – aber im großen Stil könnte das durchaus der Auslöser sein.
          Man darf nicht vergessen, daß ein Schuldenschnitt bei dem einen auch Begehrlichkeiten bei den anderen auslöst.
          Warum sollte man Portugal das verwehren wenn GR dieses Privileg erhält?
          Warum nicht auch Spanien?
          Flüchtlingskrise – warum nicht ein paar Milliärdchen streichen – ist doch eine Außnahmesituation…..etc.

          In Europa stehen übrigens den 1,5 Billionen Sparvermögen gerade mal 3 Mrd. gegenüber die das absichern sollen. Da kann man soviel garantieren wie man will – es langt im Ernstfall eben einfach nicht.
          Bereits jetzt ist Panik in jede Richtung absolut zu vermeiden.

          • Argonautiker sagt:

            @Avantgarde
            Im Prinzip stimme ich Ihnen zu. Ruhe bewahren ist immer ein guter Ratgeber. Allerdings haben die, welche eben aus diesem Betrugssystem viel herausziehen, oder gezogen haben, mehr Grund, die Ruhe zu bewahren, weil sie eben die wesentlich größeren Nutznießer waren/sind, als Diejenigen am unteren Ende.

            Auch wenn man da natürlich sagen kann, ein Harz4er nutzt es ja auch, ohne Leistung,…, doch wenn es dann eben irgendwann einfach nicht mehr reicht, dürfte es von daher also schon zu Unruhen kommen.

            Einerseits verhindern unzählige sogenannte Gesetze, daß diese Menschen, sich wie die Vögel, selbst nehmen können, was sie brauchen, andererseits haben die, die diese Regeln zur Verbindlichkeit erklärt haben, sie damit in einen sozialen Käfig eingesperrt, und nun will, oder kann man sie nicht mehr versorgen.

            … Sollen sie halt Kuchen essen, wenn sie kein Brot mehr haben.

            Warum sollten Die still halten, zumal das nicht deren Idee war, die Differenz des Sparvermögens auf 1500 zu 3 anwachsen zu lassen, und die wenigsten von Denen auch die Nutznießer dessen waren.

            Rosig sieht anders aus.

            Wer jemals im alten Afrika war, und als Tourist ganz unverhofft von 100 hungrigen Kindern umringt und angefallen wurde, der kann erahnen, was da auf die Welt zukommt. Da nützen keine Waffen, gar nichts mehr, da wird man überwältigt. Zu recht? Ich weiß nicht, es ist dann eben so.

            Ich bin auch kein Freund des Sozialen, und man kann das Soziale besonders als Reicher anfeinden, aber wenn man sich nicht freiwillig der Nächstenliebe betätigt, warum sollten sich irgendwann die Armen um die Einhaltung der Regeln der Reichen kümmern? Man wird sie fressen, mit Haut und Haaren, denn immerhin haben ihnen ja die Meisten das Soziale nur vorgegaukelt, während man sich Hinterrücks wie ein Raubtier verhalten hat, sonst gäbe es kein Verhältnis von 1500 zu 3.

            Also nur Ruhe bewahren, ohne Nächstenliebe, und Hinterrücks über das Geldwesen weiter räubern, wird nicht funktionieren. Meine Prognose.

  3. Avantgarde sagt:

    In der Schweiz sind die Anleger offensichtlich bereit bei 10-Jährigen Anleihen pro Jahr 0,4% obendrauf zu legen.
    Wahnsinn – ich frage mich wirklich welcher Manager das noch verantworten kann.

    30J Deutsche Anleihen sind gerade knapp bei 1,35% im Plus.
    Meine Güte wie wollen all die Versicherer ihre Renditen nur in Zukunft garantieren und auszahlen?

    Die Geldpolitik der EZB ist die eine Seite – die wahnwitzige Schuldenbremse im deutschen Grundgesetz die andere.
    Einer gibt Gas – und der andere zieht die Handbremse.

  4. Argonautiker sagt:

    Ich fürchte der Nikolaus fällt dieses Jahr aus, weil sein Sack sehr löchrig und marode geworden ist, und seine spärlich übrig gebliebenen Gaben, dann auch noch durch die ebenfalls allzu löchrig gewordenen Stiefel seiner Klientel fallen. 🙁

    Ich fürchte, dafür wird Knecht Ruprecht, (so hieß bei uns der Oppositionelle seiner Herrlichkeit des Nikolaus, ein finstere Geselle, dessen Aufgabe es war, all die zu verdreschen, die nicht artig waren), eher zum Zuge kommen wird.

    Und weil Knecht Ruprecht und Putin, unschwerlich als ein und die Selbe Person zu verifizieren sind, dürfte der seinen Knüppel wohl zu diesem Nikolaus aus dem Sack holen, sodaß der Nikolaus dieses Jahr wohl in seinem Schatten stehen dürfte.

    Schade, ich hatte mir gerade meine Stiefel ein paar Nummern größer gekauft, (für schlechte Zeiten) und die Spitzen mit blinkendem Material ausgestopft. 🙂 Soll auch Bakterizid wirken. 🙂

    Vorweihnachtliche Grüße aus Bremen

  5. astroman sagt:

    Auch fies ist die Entwicklung der Euro-Wechselkurse für Sparer. Da geht’s gegen andere große Währungen fleißig nach unten. Kurzfrisitig vielleicht gut für den Export…

    …langfristig werden die iPads, Urlaubsreisen und importierten Rohstoffe dann aber teurer. So schnell kann man leider gar nicht gegen die Aufweichung ansparen.

    Aber irgendwo pendelt es sich sicherlich ein… vermutlich eher unten als oben 😉

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