Drama voraus? Es braut sich was zusammen …

9. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Große Wirtschaftsthemen entwickeln sich häufig entlang der Austauschverhältnisse der betroffenen Währungen. Auffällig in dieser Hinsicht ist das Verhältnis von US-Dollar und Euro, das sich in den letzten Monaten dramatisch zu Lasten des Euro verschoben hat. Was ist los mit dem Euro? 

Einige Argumente sind bekannt. Etwa das „Tapering“ der US-Fed oder der Konflikt um die Ukraine. Beim „Tapering“ läuft es schlicht auf Angebot und Nachfrage hinaus. Wenn die Fed weniger Dollars druckt um Staatsanleihen anzukaufen, dann kommen weniger davon ins Spiel.

Zusätzlich unterstützt wird dieser Zusammenhang durch die wieder deutlich expansivere Geldpolitik der EZB. US-Dollars werden damit relativ zum Euro knapper und begehrter – sofern das Wort „begehrt“ im Zusammenhang mit Fiat Money überhaupt zutreffend ist.

Beim Ukraine-Konflikt sind es die größere Nähe und die stärkere Betroffenheit des Euro-Raums von der Sanktionspolitik, die als Argumente für die Kursentwicklung herhalten müssen. Was dabei allerdings nicht zusammenpasst ist der Umstand, dass wir seit etlichen Wochen eine relative Ruhephase in diesem Konflikt verzeichnen.

Die Ukraine ist fast vollständig aus den Schlagzeilen verschwunden. Auch das „Tapering“ verläuft planmäßig und kann genau deshalb nicht(!) als Argument für die starke Kursbewegung herangezogen werden. Kursbewegungen erfolgen vor allem dann, wenn etwas passiert, das noch nicht eingepreist wurde bzw. die Marktteilnehmer überrascht. Man könnte daher allenfalls mit einer gewissen Berechtigung argumentieren, dass die eigentliche Überraschung darin besteht, dass die Fed das angekündigte Tapering bis jetzt durchgezogen hat.

Unheimliche US-Dollar-Stärke

Die enorme Stärke hat den USD inzwischen in eine deutlich übergekaufte Situation getrieben. Unter normalen Umständen würde dies Korrekturbedarf bedeuten. Diese Korrekturen waren bislang jedoch jeweils nur schnell, flach oder beides. Die Marktteilnehmer nutzten sie also unmittelbar, um erneut kräftig vom Euro in den US-Dollar umzuschichten.

2014-10-08-_USD

Interessant ist in Abb. 1 die grüne Zone. Zwischen März und Mai 2014 verletzte der USD zunächst mehrfach seinen Aufwärtstrend. Der der Standarderwartung entsprechende weitere Kursverfall blieb jedoch aus, was man schon als frühen Hinweis auf Stärke hätte ansehen können.

Das Zweieinhalbjahres-Tief vom Mai, das mit einem Ausbruch aus der blauen Keilformation nach unten einherging, erwies sich dann als weiteres, positiv zu wertendes Fehlsignal. Es war der eigentliche Startschuss der Aufwärtsbewegung.

„Henne oder Ei?“

Betrachtet man ein Währungspaar isoliert, steht man jedoch häufig vor einer Art „Henne oder Ei?“-Problematik. Was war zuerst da, was ist Ursache, was lediglich Wirkung. Präzise gefragt: Ist der US-Dollar stark oder der Euro schwach? Die Antwort lautet: Beides.

Am einfachsten kann man dies herausfinden, wenn man weitere Währungen in die Betrachtung einbezieht. Für den US-Dollar wird mit dem sogenannten Dollar-Index die Bewegung der US-Devise gegen einen ganzen Korb von Währungen ermittelt. Auch dieser Index steigt. Es gibt also tatsächlich eine Dollar-Stärke, die – wir spekulieren – möglicherweise etwas mit seiner historisch gewachsenen Rolle als „Sicherer Hafen“ unter den Papierwährungen zu tun hat. In Krisenzeiten war der US-Dollar bekanntlich regelmäßig der Einäugige unter den Blinden.Aber auch der Euro ist schwach.

Die EU-Gemeinschaftswährung bringt sogar das Kunststück fertig, gegenüber dem japanischen Yen, der angesichts von Gigaverschuldung und Crack-up-„Abenomics“ vor sich hin siecht, in der Nähe der Jahrestiefs zu notieren. Das wirklich Merkwürdige ist, dass diese Bewegung aus dem Euro heraus mit keinem sichtbaren Aufflackern der Krise einhergeht. Möglicherweise wird im Euro-Raum gerade ein ziemlich großes Ei ausgebrütet und etliche Marktteilnehmer wollen offenbar nicht in der Nähe sein, wenn das Monster darin ausschlüpft … (Seite 2)

 

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4 Kommentare auf "Drama voraus? Es braut sich was zusammen …"

  1. MFK sagt:

    Mehr Drama Baby! Der EURO hat mit 1,17 zum Dollar angefangen, stürzte zwischenzeitlich bis auf 0,84 zum Dollar ab. Jetzt steht er bei ca. 1,25. Drama? habe ich etwas verpasst?

  2. Michael sagt:

    Die sog. Stärke des U.S. Dollar ist eher der Stellung als Leitwährung geschuldet die sich selbst mit 1:1 bewertet. Der Dollar kann allein stärker werden wenn jene Zahl von Transaktionen die nachhaltigen Charakters sind bei gleichem Preisniveau steigt. Das wäre eine substantielle Stärkung.

    Die Stellscharauben welche Früher an dem gedeihlichen Interesse von Nationalökonomien waren ausgerichtet sind heute auf Unternehmensebene angesiedelt… Eine globale Wirtschaft kennt keinen EURO.

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