Draghische Momente: Countdown für ein Feuerwerk!

21. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Einmal werden wir noch wach, Heissa, dann ist Draghi-Tach! Es ist fast wie an Silvester. Nur weiß man nicht, ob die Raketen während der EZB-Sitzung im Himmel oder am Boden hochgehen. Manche bohren sich vielleicht in die Erde. Doch Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude…

„Am Donnerstag muss Draghi liefern!“ heißt es. Mindestens 550 Milliarden Euro. Das ist der Konsens der Experten, von denen die meisten daraud angewiesen sind, die EZB mit ihrem umstrittenen Kaufprogramm für Staatsanleihen beginnt. Manche rechnen mit einer Billion Euro, um welche Größe die Bilanz der EZB wachsen soll, auf dann drei Billionen Euro. Wenn der DAX steigt und der Euro weiter fällt, dann wird es heißen, wer heilt, hat recht. Der Wohlstandsindex DAX hat die Deutschen dann reicher gemacht und der Eurostoxx die Europäer. Ist doch ganz einfach. Nein?

Der Depp ist doch eigentlich derjenige, der, und sei es aufgrund eines gesunden Menschenverstandes heraus, sich gegen die Zentralbank stellt. Heute ist es einfach zu gewinnen, wenn man mit den Zentralbanken tanzt, aber immer nahe genug am Ausgang.

„Don`t fight the FED!“ Diese Börsenweisheit hat sich längst schon in die Hirne der Finanzakrobaten eingefressen wie Rost in Gartenmöbel. Jede Aussage von Zentralbankern führt zu reflexartigen Bewegungen an den Märkten. So kündigte Don Draghi im Wochentakt an, in Europa Staatsanleihen aufkaufen zu wollen. Jede Aussage war mindestens 100 DAX-Punkte wert und einen weiteren Fall von einem Cent im Euro. Sein Wort hat Gewicht. Deshalb wird er manchmal „Maestro“ genannt.

Der Mann an der Spitze der EZB strotzt vor Verlässlichkeit. Es wäre fatal, wenn er eben nicht liefern würde, hört man. Und wenn nicht, dann wird der DAX mindestens 2.000 Punkte fallen. Unser Wohlstand wäre dahin. Wie würden das denn aussehen?

The Show must go on…

EZB-Sitzungen sind populär geworden. Vermutlich werden irgendwann später wie bei einer Silvesterparty die verbleibenden Stunden auf den TV-Geräten angezeigt. Dann werden die EZB-Mitglieder mit dem Helikopter auf die anberaumte Pressekonferenz eingeflogen und tragen Mäntel wie Hochleistungs-Boxer, versehen mit einem leuchtenden Euro-Zeichen und eine, Schein aus LED-Licht über dem Haupt. Die Journalisten werden wieder Fragen stellen und brave Antworten erhalten.

Die EZB sorgte bislang dafür, dass die Preise für Anlagen stiegen: Aktien, Anleihen und Immobilien. Was soll daran falsch sein? So zumindest ist der Tenor in den Kommentaren bezüglich der Börse. Wenn die EZB am Donnerstag den Aufkauf von Staatsanleihen ankündigen wird, regnet es vielleicht sogar goldenes Konfetti aus dem Radio, Fernsehen und Internet – und werden die Leute sich e i n e Frage n i c h t stellen. Wer bekommt die Billion? Und warum kommt davon nichts im privaten Geldbeutel an?

Fallende Kreditvergabe, fallender Euro, fallende Inflationsraten, fallende Preise… Ein perfektes Setup. Die EZB kann glücklich sein, denn sie ist der Geldwertstabilität verpflichtet, heißt es aus dem neuen Turm, also einer jährlichen Geldentwertung von zwei Prozent. Über den Begriff „Geldwertstabilität“ lässt sich streiten, je nachdem, was man darunter versteht. Dem einen ist bei 15 Grad im Sommer zu kalt, im Winter zu warm. Gefühlssache.

Geld-wert-stabilität

Dieser Begriff bedarf einer Erläuterung. Ein ziemliches Durcheinander, denn Geld hat heute keinen Wert mehr, nur einen Preis.

Ohne den Preis hätte der Euro einen stabilen Wert von Null. Alles andere ist Einbildung.

Da glücklicherweise die Mehrheit der Leute unter dem Phänomen der Einbildung leidet, hat Geld einen Wert. Deshalb kann man damit bezahlen und die kollektive Täuschung funktioniert.

Genau genommen besteht ein 10-Euro-Schein aus einem Gramm Baumwolle. Der 50-Euro-Schein übrigens auch. Er müsste eigentlich fünf Gramm wiegen und der 100er 10 Gramm aus reiner Baumwolle. So kann man die gleiche Menge Material mit unterschiedlichen Zahlen und verschiedenen Farben drucken.

Das meiste „Geld“ hat nicht mal einen Baumwoll-Wert, da es nur digital existiert. Es entsteht durch Kreditvergabe und vernichtet sich, wenn Kredite zurückgezahlt werden bzw. ausfallen. Punkt. Ohne etwas Magie wie der am kommenden Donnerstag, wäre das Vertrauen in ein Geld ohne Wert nicht so stark vorhanden. Aber was ist mit der Kaufkraft?

Wenn ich es richtig sehe, hat der Euro gegenüber dem US-Dollar innerhalb eines Jahres von 1,40 USD auf 1,15 USD  abgewertet. Der Kaufkraftverlust gegenüber dem US-Dollar, der ja selbst auch nur aus Papier besteht, beträgt 18 Prozent – trotz vorhandener Geld-Wert-Stabilität. Würde der Euro weitere 50 Prozent verlieren, würde man es nur beim Bezahlen im Ausland mitbekommen – wie die Schweizer gerade in umgekehrter Richtung.

Gegenüber der beständigsten Währung der Welt, dem Gold, hat der Euro durch göttliche Ankündigungen der EZB in den ersten 20 Tagen des Jahres 15 Prozent Kaufkraft verloren. Und die EZB wird am Donnerstag wieder nicht umhinkommen zu betonen, sie wäre einzig und allein Geldwertstabilität verpflichtet. Das ist beruhigend. Nicht wahr? So aber kann man sich heute schon ausgerechnet, was aus einem „Fuffi“ bei stabilem Kaufkraftschwund in zehn und 20 Jahren bezahlbar wird. Nein, der Euro, ist kein „Teuro“, – im Gegenteil. Denn die Preise fallen ja, zumindest nach offizieller Lesart um 0,2 Prozent. Au Backe!

Was Otto Normal freut, könnte bald aber die Anlagepreise erwischen. Stellen Sie sich die Schlagzeilen vor. Der DAX wurde ja zu einem Wohlstandsindex um-erklärt. Daran hängt maßgeblich das Vertrauen, ob sich ein Bürger reicher fühlt, wenn der DAX gerade steigt und nicht, wenn er fällt. Nein? Wenn Sie jetzt kein Geld für den DAX haben, dann kaufen Sie doch den Dow Jones! Und wenn das Geld dafür auch nicht reichen sollte, dann verkaufen Sie eben Ihre Luxus-Jacht! (Seite 2)



 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , , , , , , ,

9 Kommentare auf "Draghische Momente: Countdown für ein Feuerwerk!"

  1. Christian sagt:

    Ich finde diese Entwicklung seit dem Jahresanfang genauso bedenklich, wie die Entscheidung von Herrn Draghi. Mal schauen, was wir später unseren Kindern darüber erzählen dürfen, wenn die Frage gestellt wird, warum wir das nicht alle haben kommen sehen. In der Tat sind das draghische Momente.
    Gruß

  2. M.Wahl sagt:

    Beim FED Anleihe Kaufprogramm haben die Chinesen geliefert !
    Beim EZB Anleihe Kaufprogramm werden die Schweizer liefern !
    Chinesen und Schweizer freuen sich, wenn sie Anleihe in größerem Umfang verkaufen zu können, ohne dass es zu Kurseinbrüchen kommt.
    Vielleicht sollten auch die großen Versicherer jetzt Kasse machen und auf die gedeckte Währung Gold umsatteln.

  3. Sandra sagt:

    Wer sich eine Grube gräbt …
    Wer im Glashaus sitzt …
    🙂

  4. Michael sagt:

    Show must go on – wie treffend. Die Drahgödie. Man dreht sich wie man’s braucht und doch wirds am Ende traurig. Wie immer – gelungen – Frank Meyer.

    https://www.youtube.com/watch?v=TEaTsa07WdA
    (Gute Neuinterpretation …)

    QE Infinity – FED Cover – by DJ MaD

  5. Helmut Josef Weber sagt:

    Naja- meine Monatsration Medikamente, gegen Leukämie, von Novartis, hat bisher
    5.632,00 Euro gekostet; nun etwa 6.750,00 Euro.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  6. Argonautiker sagt:

    Hat man es 1929 in good old America nicht auch so gemacht, bevor es dann in jeder Hinsicht so richtig krachte? Die Welt mit billigem Geld geflutet, und dann plötzlich die Leitzinsen angehoben? Hat man natürlich nicht wissen können, das dann so was böses passierte, und der böse Börsencrash die Welt in die heiße Phase eines Krieges leitete.

    Also Kamelle* für Alle. Ach nee, ist ja nur für einige Banken gut. Wäre doch aber mal eine alternative zur Karnevals Zeit. Kamelle, eingewickelt in Baumwollscheinchen à 1 Gramm. Dann hätten wir auch mal alle was vom billigen Geld, und könnten alle mal noch mal so richtig Paaaty machen, bevor es kracht, und die in Shanghai fühlten sich auch nicht mehr so alleine, in ihrer Peinlichkeit, weil sie sich die Köppe wegen Falschgeld eingekloppt haben.

    Schönen Gruß aus Bremen

    *Urursprachliches rheinländisches Wort für BonBon.

  7. Michael sagt:

    Der Barry Eichengreen hat in einem Interview gesagt, Geld drucken bis sich die Balken biegen alles andere ist für ‚d’Weiber‘ und mit Lulu Beträgen von ein paar Milliarden pro Monat. Das haut keinen von den Socken oder aus der Unterwäsche.

    Wenn man schon kein Geld haben, dann sollten wir dies einfach verbrennen. Es war eh nie da. Somit ist schlüssig belegt, dass Monetarismus mit keinem Geld nicht viel bewirkt.

    Was wird sich angesichts solcher magischen Fähigkeiten seiner Stars der kleine Schalterbeamte denken …
    https://www.youtube.com/watch?v=nf_-KFN4wHM

  8. Berufsinkontinent sagt:

    Verdammt, die Waschmaschine ist voller dreckiger Unterwäsche, aber Draghi hat noch immer nichts verlauten lassen, ob ich die Waschmaschine jetzt anlaufen lassen soll oder den Inhalt doch besser one-way nach Frankfurt schicke, um mir Wasser, Waschmittel und Strom zu sparen und dafür direkt Euros auf meinem Konto gutschreiben zu lassen.

    Wann und wo werden die draghischen Momente des Lebens per Livestream im Internet verbreitet ? Da wird ja künstlich ein Spannungsbogen aufgebaut, und alle hängen an des Maestros Lippen, welche Heilsbotschaften da verkündet werden.

  9. Michael sagt:

    Der Gaunerei nächster Akt. Dauerte ein Weilchen die heutige Entscheidung einzuordnen.

    Was soll diese bewirken? Es überlagern sich 2 Events
    a) Die Altlasten aus der Investoren’rettung‘ 2008 soll nun auf die Bürger umgelegt werden.
    b) Die Nächste Rettung lacht bereits bei der Tür herein – Pensionsfonds sollen Aktien und Immobilien kaufen und die Staaten dafür sorgen, dass Infastruktur für die Unternehmen deren Anteil die Pensionsfonds heute teuer kaufen und im Rahmen der Realisierung der Verluste wieder billig hergeben bereitsteht
    c) Es wird für Rahmenbedingungen gesorgt, die so bleiben, dass keiner auf die Idee käme die Einkommen zu erhöhen.

    Das Spiel soll solange laufen bis die letzten Zweifler an der dadurch erreichten Prosperität aus dem Markt gedrängt bleiben und die Investmentbanken (umsonst war Blackrock ja angeblich am Design der Lösung nicht beteiligt) noch rechtzeitig rauskommen. Die Staatsanleihen werden vermutlich aufgekauft damit GS nicht löhnen muss oder wer auch immer.

    Das wäre meine Vermutung. Heißt für mich Aktien sind bestätigt nicht günstig und Immobilien bereits überteuert.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.