Dr. Yellenstein: Die Eine-Billion-Dollar-Frau

20. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Man benötigt schon ein gehörig Maß an Leidensfähigkeit, um eine komplette Pressekonferenz der FED-Chefin Janet Yellen überstehen zu können. Zudem lief auf den anderen Kanälen gerade Fußball. Beides gehört in die Kategorie der Spektakel. Erst gewinnt der Fußballgott, dann die Notenbank…

Der Mittwoch war schon wieder historisch. Am Ende des Tages war Spanien aus der WM ausgeschieden, die Welt aber wegen Janet Yellen um eine ganz Billion US-Dollar reicher. Was war wichtiger? Der Dow Jones steht auf neuen Hochs und der DAX über 10.000 Punkten. Die monetären Sprengmeister haben ganze Arbeit geleistet. Eine Expertin sagte, es soll noch viel besser werden. Oder anders?

Dabei ist so ein Yellen-Spektakel mindestens so dröge wie das „Wort zum Sonntag“, der Youtube-Kanal unserer Kanzlerin oder das Fußballsiel der Spanier. Doch ich schaue mir das jedesmal an, ohne dass ich eine Diagnose dafür hätte erstellen können, warum dem so ist. So eine FED-Pressekonferenz kann es in sich haben, vor allem, wenn Miss Money-Printing etwas sagt, was sie gar nicht sagen wollte, bzw. sie sich etwas blamiert oder verhaspelt. Ben Bernanke hatte in der Sache den Charme einer Teflon-Pfanne. Damals saß ich auch immer auf dem Sofa und hatte meinen Spaß! Und ohne dass ich es wollte, öffnen sich die Bierflaschen von selbst. Seltsam. 

Ich gestehe, ich mag Janet Yellen. Ich weiß nur nicht warum. Vielleicht weil sie keine der hässlichen Krawatten eines Ben Bernanke trägt. Wahrscheinlich aber hängt das mit meiner Kindheit zusammen.

Sie erinnert mich an meine Oma, wenn sie mir Märchen vorgelesen hat. Auch die obere FED-Chefin kennt sich mit Märchen aus. Als Konkursverwalterin ihrer Vorgänger bleibt ihr nicht viel übrig, als süße Soße über den verbrannten Braten zu gießen. Jedes ihrer Worte wird auf der Goldwaage gewogen. Jedes Wort kann eine Billion mehr oder weniger wert sein. Der liebe Gott muss neidisch sein wegen der Macht der Zentralbanker und der Dummheit der Leute, die auf sie hereinfallen. Nicht nur die Märkte flippen bei so einer Pressekonferenz aus, manchmal sogar ich, wenn aus dem Bildschirm weiße Rauchwolken geldpolitischen Weihrauchs aufsteigen … und der Virenscanner anschlägt.

Jobs! Und was für welche!

Die Kapitel aus dem Märchen von 1001 Jobs sind der eigentliche Quotenbringer. Von einem Notenbankchef vorgetragen, klingen sie so süß, dass die USA trotz einer anderer Realität ein Land sein muss, wo nicht nur Milch und Honig fließen, sondern man sich bei diesen Zahlen sofort eine Insulinspritze setzen muss, um die Übertragung der Pressekonferenz überleben zu können. Oberflächlich betrachtet mag das so sein und auch gewollt. Tiefer hineinsehen sollte man dagegen nicht. Sonst würde man schnell sehen können, dass nur der Schein stimmt. Aber es funktioniert sogar bei Experten. Von daher muss man die ganzen Tricks gepaart mit Propaganda als genial bezeichnen.

Es war dann schon erstaunlich, als Frau Yellen von den anwesenden Journalisten darauf hingewiesen wurde, dass der US-Arbeitsmarkt mit 145 Millionen Jobs sein Niveau von vor der Krise wieder erreicht habe – und das obwohl die US-Bevölkerungszahl seit 2008 um 20 Millionen gestiegen ist. Wo arbeiten die ganzen Leute?

12,6 Millionen Leute wurden binnen sechs Jahren aus dem Arbeitsmarkt in Schubladen abgelegt, wo 92 Millionen Leute nicht stören – und dem Arbeitsmarkt ohnehin nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Partizipationsrate am US-Arbeitsmarkt liegt mit 62,8% auf dem Niveau von 1978. Zudem sind die meisten neuen Jobs miese Jobs, Teilzeit oder schlecht bezahlte Dienstleistungen. Diesem Zinnober folgen dann weitere Lügen, Pardon, Psalme über Stabilität, Inflation und anderes. Aber es funktioniert! (Seite 2)


 

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2 Kommentare auf "Dr. Yellenstein: Die Eine-Billion-Dollar-Frau"

  1. bluestar sagt:

    Genialer Artikel, vielen Dank Herr Meyer !
    Wackeldackel – das ist so etwas von trefflich- sagt alles. Ein Irrenhaus voller abgerichteter
    Ja-Sager. Die ständige Lüge und Manipulation ist mittlerweile die Normalität. Die Menschen haben sich bereits an den geistigen Müll gewöhnt und fressen ihn ohne Widerstand.
    In Deutschland wird danach GROKO und GRÜN gewählt.
    VG

  2. Lickneeson sagt:

    Ach ja, die FED-Sitzungen. Seit Grünspans Präsentation seiner Taschensammlung (dicke Tasche = Zinsänderung/dünne Tasche= zinslose Plauderstunde) geht der Sinn dieser Veranstaltung ähnlich dem Zins gegen Null, bzw. ins Bodenlose. Respekt Herr Meyer, das Sie sich masochistisch diesem
    Alptraum der Langeweile und der Phrasenmäherei aussetzen.

    Ähnliche Sprachlosigkeit erleben wir seit Jahren in der Politik, den öffentlich rechtlichen Bedürfnisanstalten(Man vermisst Georg Schramm!) oder bei Fussballerinterviews. Nichts wird ernsthaft diskutiert, noch weniger wird in puncto Problemlösungen unternommen. Der V-Dax der Öffentlichkeit tendiert im extremen unteren Bereich, wir dösen gemächlich dahin wie eine fette Ente auf einem Wackelpudding.

    Wären nicht die unterhaltsamen/informativen Beiträge auf ihrer Seite könnte man glatt das Lesen verlernen.

    Schönes Wochenende

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