Dr. Seltsam … Oder wie ich lernte, die Börse zu lieben

9. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Ronald Gehrt

Ich habe mir gedacht, wenn ich schon dabei bin, auf einmal doch Prognosen abzugeben, füge ich der Trendwende-Vorhersage vom 29. Juli, sprich der letzten Kolumne (Wenn die Wende dreimal klingelt), gleich noch eine hinzu: Ich behaupte, dass dieser Kurseinbruch der vergangenen Tage nur der Anfang eines großen Abwärtstrends sein wird, der wahrscheinlich die Größenordnung der Baisse 2008/2009 übertreffen wird…

Kurzfristig kann es nach einem solchen kapitalen Kursrutsch selbstverständlich jederzeit zu einer kräftigen Aufwärtsbewegung kommen. Ansätze davon sehen wir am heutigen Dienstag, und sollte am Abend irgendeine ermutigende Aussage seitens der US-Notenbank erfolgen (zumindest etwas, was man ohne genaueres Hinsehen für ermutigend halten kann), könnte es durchaus eine kräftige Rallye geben. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie den bisherigen Jahreshochs am Aktienmarkt auch nur ansatzweise nahe kommt oder Gold und Bundesanleihen wieder auf das vor wenigen Wochen herrschende Kursniveau zurückfallen würden, ist verschwindend gering.

Ich bin auf Basis dessen, was wir im Augenblick wissen, sicher, dass starke Gegenreaktionen, ob sie nun rein durch Eindeckungen der Bären, durch den Lemming-Effekt unter den Privatanlegern oder durch notgedrungene Rückkäufe der institutionellen Investoren erfolgen, für diejenigen zwingende Chancen sind, die bislang zwei Jahre lang von der Realität keine Kenntnis nehmen wollten und nun erschrocken den Ausstieg verpasst haben. Auf die Problematik der weltweiten Gemengelage will ich dabei nicht schon wieder im Detail eingehen, denn das habe ich in den letzten 20 oder 30 Kolumnen immer und immer wieder getan, wie Sie ja problemlos im Archiv nachlesen (www.system22.de/kolumnen.html) können. Ich will mich diesmal nur auf drei konkrete Gründe beschränken, warum beispielsweise das heute Morgen markierte Tief knapp unter 5.500 Punkten im DAX kurzfristig der Tiefpunkt gewesen sein kann, mittel- und langfristig aber höchstwahrscheinlich nicht:

1. Dr. Strange ist überall

In den vergangenen Tagen wurden stapelweise Trading-Legenden vor die Kameras gezerrt um ihre Überzeugung kundzutun, dass diese Abwärtsbewegung völlig übertrieben, ja nahezu verrückt sei. Gleichzeitig wurde von allen Seiten in den USA gegen die Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf die zweithöchste Stufe gekeift, als wäre gerade Washington von den Mongolen besetzt worden. Bei all diesen Interviews und Statements wurde eines deutlich: Ob Barton Biggs, Jack Bogle oder Warren Buffett … diese Legenden früherer Jahrzehnte sind der Komplexität der momentanen Situation ebenso wenig gewachsen wie dem Tempo, mit dem sich Börsen heute bewegen. Sie wirken ebenso wenig glaubhaft wie die Scharen an Bankanalysten, die selbstverständlich unisono das Lied von der idealen Kaufgelegenheit singen. Nicht zuletzt deswegen, weil sie es schon Anfang vergangener Woche getan haben, bevor der echte Kurseinbruch überhaupt erst begonnen hatte.

Das gleiche groteske Bild zeigen die Politiker. Ob sie sich nun um die Anhebung des US-Schuldenlimits zanken wie Kleinkinder um einen Sandkuchen und sich dabei bis auf die Knochen blamieren, weil sie ernsthaft glauben, am Ende mit dem klassischen „die anderen sind schuld“ beim Wähler Punkte sammeln zu können … oder ob es die Politiker der EU sind, die seit anderthalb Jahren permanent irgendwelche weiteren Stufen der Eskalation in der EU-Krise zunächst kategorisch ausschließen, dann zu vertuschen suchen um schließlich mit angeblich hervorragenden Lösungen so tun, als sei man auf jede Entwicklung vorbereitet: Sie alle beweisen den Bürgern, dass sie nicht imstande sind, die kritische Situation in den Griff zu bekommen. Und wenngleich die Mehrheit der Menschen aufgrund der extremen Komplexität der uns gegenüberstehenden Problematik außerstande sind, Ursachen und Folgen wirklich zu erkennen, so erkennen Sie doch, dass ihre gewählten oder ernannten Oberhäupter unfähig sind, daran etwas zu ändern. (Seite 2)

Homepage von Ronald Gehrt

 

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40 Kommentare auf "Dr. Seltsam … Oder wie ich lernte, die Börse zu lieben"

  1. Der Fotograf sagt:

    „Und das, um Kriterien eines EU-Vertrages zu erfüllen, der aufgrund der aktuellen Entwicklungen so sinnlos ist wie eine Rolle Toilettenpapier.“

    Einspruch! Das war eine Beleidigung für Toilettenpapier.

  2. crunchy sagt:

    Da scheibt wohl jemand, der Erfahrung damit hat, über
    den Tellerand herauszublicken.
    Ein älteres Semester, oder einer mit dem Zweiten Blick.

    Der Grund ist alle paar Generationen der gleiche:
    Trends können wegen Vertrauensschwunds und deshalb auch
    abnehmender Liquidität nicht unendlich prolongiert werden.

    Ende Gelände.

    Wie Robert Halver all die Jahre sagte:
    Führe die Pferde nur zum Brunnen und sie werden schon saufen.
    2008 war er da auch noch guten Mutes.
    Zuletzt habe ich das nicht mehr gehört.
    Jetzt sollen es die Politiker richten!?
    -Ich glaube er wollte, dass wir jetzt alle lachen.

    • Oddo Wolf sagt:

      Kasperl und Petzi springen herab vom Puppenhaus, trotzen der französischen Revolution und gründen ihre eigene Partei. Das Stimmvieh, gefangen in den Fäden der Strippenzieher erkennt die Tragödie dieses Schauspiels wie immer zu spät.
      Wo ist unser Gold geblieben? Was sollen wir nur tun? Eine Sammelklage gegen Rotschild und Co.? Da könnten wir auch gleich Gott verklagen der, wie wir gelernt haben ein Psychopath ist.

  3. Avantgarde sagt:

    Merci beaucoup!

    Mit Ronald Gehrt könnte ich mich bei einem Kaminplausch sicherlich gut verstehen.
    🙂

    Gut auch der Hinweis auf die Sache mit dem Flashtrading.
    In der „Zeit“ oder „FTD“ oder beiden – ich weiß es gar nicht mehr gab es mal einen sehr interessanten Artikel über diesen Millisekundenhandel – es ist tatsächlich so, daß der mit dem kürzem Kabel im Vorteil ist.
    Wirklich unvorstellbar welches Volumen in kürzester Zeit von den Computern verarbeitet wird.
    Das alles – sollte man wirklich nicht unterschätzen.

  4. Berliner sagt:

    Eine Frage stellt sich aber auch heute wieder. Ist die jetzige „dunkle Stimmung“ etwas übertrieben oder nicht? Ich kann mich noch gut an 2008/2009 erinnern. Es herrschte absolute Untergangsstimmung (einschließlich bei mir). Es gab lange Schlangen an den Schaltern der Bundesbank da die Leute ihre paar Euro in Silberzehnern umtauschen wollten, Edelmetallhändler waren teilweise ausverkauft – viele legten Notvorräte an.

    Es stellte sich dann aber heraus, dass der Untergang doch (noch) nicht anstand und die Lage beruhigte sich wieder.

    Kann es nicht jetzt auch wieder so sein?

    Japan hat einen Verschuldungsgrad von 200 % und zusätzlich die Atomkatastrophe (die schlimmste Industriekatastrophe in Friedenszeiten) aber dort drüben läuft das Leben auch weiter. Keine Unruhen, keine Aufstände, keine Pleite (noch nicht) usw.

    Wenn wir Japan, mit seinem 200-Prozent Verschuldungsgrad, als Beispiel nehmen, haben die EU-Länder und die USA noch relativ viel Spielraum nach oben.

    Es ist klar, dass sich das Zinssystem dem Ende zuneigt aber ich denke wir haben noch ein paar Jahre Zeit. Noch läuft das Spiel und das System ist sehr stark (sollte man nicht unterschätzen).

    Und wenn QE3 nicht viel bringt – dann versuchen sie es mit QE4, QE5, QE6 usw.

    Es ist daher, meiner Meinung nach, unwahrscheinlich, dass das System schon in den nächsten Wochen/Monaten zusammenbricht. Crack-Up-Boom steht vorher auch noch an.

    Was meint ihr?

    • Avantgarde sagt:

      2008 war das Top am Aktienmarkt – die Erholung daraus ist jetzt abgeschlossen. Es wird in Wellen weiter abwärts gehen – so sehe ich die Sache.

      Japan kann sich diese Verschuldungsrate nur leisten weil es fast ausschließlich bei seinen eigenen Bürgern verschuldet ist.
      Europa – ausser der Schweiz – sicher nicht!!

      Ein Kreditgeldsystem ist verdammt schwer zu inflationieren.
      Eher bricht es durch den Inflationierungsversuch vorher deflationär zusammen.
      QE3,4,5,6…. ist lediglich ein Szenario – welches sein könnte – aber sobald die Kette abbricht…. nun man sieht es ja jetzt….

      • Berliner sagt:

        Hallo Avantgarde,

        Du hast natürlich Recht wenn Du sagst, dass Japan zum großen Teil bei den eigenen Bürgern verschuldet ist. Allerdings ist dies nur von Vorteil wenn der Staat wirklich zahlungsunfähig wird. Die eigenen Bürger werden leichter davon zu überzeugen sein auf die Forderungen zu verzichten als ausländische Gläubiger.

        Allerdings zahlt Japan jetzt noch fleißig und pünktlich alle Zinsen (ob an ausländische Gläubiger oder die eigene Bürger ist zweitrangig). Da der japanische Staat diese Zahlungen noch leistet, kann man faktisch (noch) nicht sagen, dass er pleite ist. Das ist er erst wenn die Zinsen nicht mehr bedient werden können.

        Und vor dem finalen Untergang wird, laut PCM, jeder Staat, jede Zentralbank für jeden Staat/Zentralbank bürgen – denn die wissen ja auch, dass, wenn ein Dominostein fällt, alle anderen Mitfallen und, dass dann wirklich Game Over ist.

        Aber soweit sind wir noch nicht. Erst wenn wir das erleben, sollten wir sehen, dass wir die Köpfe einziehen (denke ich).

        • Avantgarde sagt:

          Es ist wirklich verflixt – das Rad ist vermutlich bereits zu weit gedreht als daß es noch eine gute Lösung geben könnte.

          Und keiner ist bereit irgendwie einen Millimeter nachzugeben.
          Selbst die Superreichen in USA wollen keinen Cent abgeben und beharren auf ihren Steuererleichterungen – man riskiert da lieber den Default.

          So wird die Chose eben durch Zwang beendet werden müssen.
          🙁

  5. quicksilver sagt:

    Tolle Aussichten, die Sie dort ausmalen. Die ich aber auch selbst seit ca. 2 Jahren auf uns zukommen sehe.
    Dabei hätte man, wenn man wollte, Alles mit einem Schlag richten können . Der nötige Schuldenschnitt wäre aber schmerzhaft geworden. Jeder von uns hätte einen gewissen Teil seines Vermögens in den „Pott“ werfen müssen und Alles wäre gut gewesen, zumindest bei uns.
    Aber der Großteil dachte : warum ich? Sollen es doch die richten, die den größten Reibach mit diesem System gemacht haben.
    Jetzt scheint es wirklich zu spät zu sein. Der Euro wird platzen, wir als Exportnation werden richtig bluten in der kommenden Rezession. Ich will mir nicht ausmalen, was passiert, wenn zu den Millionen Arbeitslosen nochmal ein paar Milliönchen dazukommen, die dann irgendwann mal kein Hartz mehr bekommen….wegen Staatspleite.

  6. Takuto sagt:

    Genau das ist ja die Frage, wie lange es noch dauert. Japan ist aber ein extremes Beispiel, das nicht auf andere Länder übertragbar ist. In Japan gibt es nämlich noch einen sehr ausgeprägten Untertanengeist, der sie alles schlucken lässt, was man ihnen zumutet. Das ist in Deutschland zwar auch schlimmer als in Südeuropa, aber doch lange nicht so wie in Japan. Und letztlich ist es reine Psychologie, wann das Kartenhaus einbricht. Das passiert nämlich erst dann, wenn die Leute Panik bekommen und der Bankenrun losgeht.

    Oder wenn keine Panik ausbricht, kommen eben Inflation oder Deflation oder beides nacheinander. Dann geht der schleichende Prozess weiter und beschleunigt sich langsam. Ich finde, das kann man jetzt schon sehen. Also Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Wir hier investieren aber eh alle in Gold und Silber, da kann es uns ja egal sein. Außer, ob zukünftig eher mehr Gold oder mehr Silber zu kaufen ist. Da nimmt man halt von beidem, dann ist diese Frage auch geklärt.

  7. Berliner sagt:

    Ihr werdet jetzt vielleicht auf mich einprügeln aber ich habe heute einen Teil meiner Silbermünzen verkauft (35 Prozent). Mit dem daraus gewonnenen Fiat-Money werde ich etwas traden. Als der Ölpreis 2008 auf 37 Dollar abgestürzt ist, wollte ich einsteigen, habe es dann aber nur “virtuell” gemacht (kein Echtgeld) – und – ich habe mich danach geärgert. Seitdem gab es immer wieder Situationen in denen ich long/short gehen wolte aber ich habe es nie gemacht.

    Das letzte Mal wollte ich vor einigen Tagen, kurz bevor die Indizes weltweit abstürzten, short gehen. Und wieder nicht gemacht und wieder geärgert und in die Tischkante gebissen.

    Nun schaue ich mir die Lage etwas an und entscheide mich dann ob ich short oder long gehe. Wenn es jetzt einen weiteren Absturz gibt, z.B. Dax bis auf 2000 runter – warte ich ab und gehe dann long, nehme alle QEs mit und tausche dann kurz vorm Ende wieder in EM um.

  8. Berliner sagt:

    30 Euro. Gekauft 2010 für knapp 16 Euro!

  9. Reiner Vogels sagt:

    Ein sehr guter und schonungslos ehrlicher Artikel. Vielen Dank! Vielen Dank auch für die meist richtigen Kommentare!

    Ich möchte nur einen Hinweis auf die besondere Situation in Deutschland hinzufügen: In Deutschland ist die Situation realwirtschaftlich sehr viel schlechter, als es die aktuellen Zahlen vermuten lassen. Denn die Regierung hat zusätzlich zu den Lasten, die durch die internationale Finanzkrise zu schultern sind, der deutschen Wirtschaft und der Kaufkraft der Konsumenten durch die gegen die vier Grundrechenarten und die grundlegenden Gesetze der Physik verordnete „Energiewende“ ein gigantisches zusätzliches Kostenpaket aufgeladen. Das Energiewendeprogramm ist in Wahrheit ein Programm zur Zerstörung weiter Bereiche der deutschen Industrie.

    Die massenhaften Streichungen von Arbeitsplätzen bei den Versorgern sind nur der Anfang einer flächendeckenden Vernichtung von Arbeitsplätzen. BAYER hat schon angekündigt, dass man sich angesichts der expotentiell steigenden Energiepreise in Deutschland eine Produktionsverlagerung ins Ausland überlege. SGL-Carbon hat bereits entsprechende Beschlüsse gefasst. Die Raffinerie in Wilhelmshaven wird stillgelegt. Die Edelstahlsparte von Thyssen-Krupp steht zum Verkauf. Viele andere energieintensive Industrien werden folgen. Und nicht zuletzt wird die Kaufkraft in Deutschland durch ständig steigende Strompreise zusammengeprügelt werden. Persönlicher Rat: Hände weg von deutschen Einzelhandelswerten!

    Für die internationale Finankrise ist unsere Regierung nur zum Teil verantwortlich. Den kostentreibenden Wahnsinn der Energiewende hat sie allein verschuldet.

    • braindead sagt:

      na ja wer jede intelligente Alternative ignoriert muß halt zu den Konsequenzen stehen, eigentlich ganz einfach.

      http://www.bio-wasserstoff.de/h2/index.html

      • Frank Meyer sagt:

        Das Thema hat mit der Börse und dem Beitrag von Ronald Gehrt nichts zu tun. Grüße vom Blogwart.

        • braindead sagt:

          Es war eine direkte Antwort auf u.a.
          „Das Energiewendeprogramm ist in Wahrheit ein Programm zur Zerstörung weiter Bereiche der deutschen Industrie. “
          und nebenbei könnte es eine absolut umwälzende Sache sein incl. dann heftigstem Börsenbezug
          dachte zwar Menschen gehen vor, aber gut …

          • Frank Meyer sagt:

            Ich bin ja nicht böse, muss nur für etwas Ordnung sorgen. Ich finde, dass die Qualität der allermeisten Kommentare großartig ist und auch der Blog auch deshalb gewachsen ist. Was manchmal etwas lehrerhaft rüberkommen könnte, ist nur die Sorge, dass es irgednwann Kraut und Rüben wird. Wir haben inzwischen 700 Kommentatoren, die angemeldet sind. Viele auch nur still. Irgendwann verlieren wir den Überblick. Und deshalb achte ich etwas strenger auf die Regeln. Viele Grüße von Frank

    • stonefights sagt:

      Hr. Vogels, auch wenn ihre geschilderten Folgen richtig seien, so muss ich doch für mich feststellen, dass wir nur eine Kugel haben, auf der wir momentan in Massen leben können.
      Aus dieser einfachen Tatsache heraus, bin ich persönlich gerne bereit, für meine noch ungeborenen Enkelkinder diese Lasten zu schultern, im Gegensatz zu anderweitigen…
      LG, stonefights

    • Avantgarde sagt:

      Ach wissen Sie Herr Vogel…

      Solange die die AKW-Betreiber

      -keine Versicherung für ihre Anlagen zahlen müssen weil kein privates Versicherungsunternehmen so geisteskrank ist das Risiko zu übernehmen.

      -die Endlagerkosten auf die Allgemeinheit und Kindeskindes….kinder
      bequem abgewälzt werden können. Plutonium strahlt ja lediglich ein paar tausend Jahre – Halbwertszeit so um die 24000!

      -die bereits fast abgesoffenen Endlager wie das der Asse ebenfalls vom Steuerzahler übernommen werden – vorläufig 4 Mrd – was vermutlich nicht reichen wird falls das überhaupt noch möglich sein sollte.

      -Sie bei einem GAU die Kosten sowieso nicht übernehmen können – und das ebenfalls der Steuerzahler übernimmt.

      Solange ist Atomstorm auf dem Papier und in kranken Hirnen freilich billig.

      In Wirklichkeit ist das die teuerste Energieform die man sich nur vorstellen kann.

      Harrisburg eine beinahe Katastrophe, Tschernobyl, Fukushima…..

      Da wird es auf Frankfurt wenn in Biblis mal was passiert freilich auch nicht ankommen – nicht wahr?

      PS: In Fukushima wurden vor ein paar Tagen 10 Sievert!!! gemessen – der Höchste Wert seit der Katastrophe – nur gut daß das Thema aus den Medien raus ist – gelle?

      Und für alle anderen: Die bereits erhöhten Grenzwerte für die Arbeiter in Fukushima lagen bei 250 Millisievert – damit sie überhaupt dort eine Weile arbeiten „durfen“.
      In Deutschland liegt die natürliche Hintergrundstrahlung bei 2 Millisievert pro Jahr.
      (1000 Millisievert=1Sievert)

      Wenn wir mit dem Atomstrom so weitermachen gehen wir irgendwann mal noch ganz billig in die Katastrophe.

      • Frank Meyer sagt:

        Stop! In der Schule heißt es „Thema verfehlt“…

        • Avantgarde sagt:

          NÖ – ich hab nicht damit begonnen das Threadthema zu verändern.

          Aber ich kann bei den Atomirren nicht zurückhalten.
          Für Schule bin ich schon lange zu alt – ich kenne noch den Krieg um Wackersdorf – da tränen mir jetzt noch die Augen.

          Wenn HIER mal was passiert dann braucht sich um die Börse eh keiner mehr Gedanken machen – dann ist wenn es dumm läuft von jetzt auf gleich Ende.

          Neben-Thema beendet – ich verspreche es!
          🙂

    • auroria sagt:

      Ich schließe mich Avantgarde an.
      Was er in der Liste noch vergessen hat, sind die zig Milliarden mit denen die Forschung und Entwicklung der Atomtechnick vom Staat gefördert wurde.

      Und Unfälle gibts noch weit mehr als die bekannten großen.
      Nur als 1 Beispiel, hier die „Erfolgsgeschichte“ eines deutschen Forschungsreaktors:
      http://de.wikipedia.org/wiki/AVR_%28J%C3%BClich%29

      „Erst im Jahr 1999 wurde entdeckt, dass der AVR-Bodenreflektor, auf dem der Kugelhaufen ruht, im Betrieb zerbrochen war und dass sich einige hundert Brennelemente im gebildeten Riss verklemmt haben.[5]. Die Brennelemente konnten großenteils nicht entfernt werden. Zu eventuellen sicherheitstechnischen Auswirkungen dieses Ereignisses gibt es bisher keine Untersuchungen.“

      „Im Jahr 2000 räumten die Betreiber ein, dass die beta-Kontamination (Strontium-90) des AVR-Reaktors sogar die höchste aller Reaktoren und Nuklearanlagen weltweit ist und zudem noch in der ungünstigsten Form, nämlich staubgebunden vorliegt.“

      „Das genaue Ausmaß der Boden- und Grundwasserkontamination unter dem Reaktor ist noch nicht bekannt, da die vermutlich am stärksten kontaminierten Bereiche noch unzugänglich sind.“

      „Erst nach einer weiteren Abklingzeit von etwa 60 Jahren soll der Behälter schließlich von Robotern zerlegt werden und in ein Endlager überführt werden.“

      Na und wer bezahlt den Rückbau?
      „Dazu wurde die AVR im Jahr 2003 in das bundeseigenene Rückbau-Unternehmen Energiewerke Nord integriert.“

      Oh und es gibt auch einen Lichtblick, die end-zulagernde Masse ist etwas kleiner als gedacht:
      „Im April 2011 wurde durch eine kleine Anfrage der Grünen bekannt, dass 2285 radioaktive Brennelementekugeln abhanden gekommen sein sollen. Die Wirtschaftsministerin Svenja Schulze vermutet, dass diese Brennelementekugeln ebenfalls in das Versuchsendlager Asse gebracht wurden. Dies sei jedoch nicht mehr nachvollziehbar, da die im Versuchsendlager „eingelagerten Mengen nicht bekannt sind“.“

      Und noch zu Japan, dort verschweigt die Regierung auch mal eben einer Stadt, dass sie in akuter radioaktiver Gefahr ist.
      http://www.nytimes.com/2011/08/09/world/asia/09japan.html?_r=2

  10. Andre sagt:

    Puh…..was für ein harter Tobak! Der von mir sehr geschätzte Herr Gehrt, findet wie so oft die richtigen Worte. Leider wird Herr Gehrt mit seinen Prognosen (auch wenn es mir nicht passt) richtig liegen. Wer möchte schon gerne Chaos! Aber genau darauf müssen wir uns wohl oder übel einstellen! Ich werde mein Metall evtl. schneller verkaufen – müssen! Vielleicht ist es cleverer als ich dachte, den Rat von Herrn Popp (Kanada) zu folgen. Ich werde diesen Gedanken einmal mehr ausarbeiten.

  11. […] Ronald Gehrt: Dr. Seltsam … Oder wie ich lernte, die Börse zu lieben […]

  12. Frank Meyer sagt:

    Das war der zweite Volltreffer aus der Gehrtnerei in zwei Wochen. Gratulation!

    • Avantgarde sagt:

      Ich freu mich schon auf das Interview am Donnerstag mit ihm.
      Bitte gebt ihm genug Zeit – wenn er so viel zu sagen hat wie er schreibt dann nehme ich mir gerne den Abend frei.

      Wahrhaft Ronaldinische Wochen.
      🙂

      Hat er eigentlich eine Meinung zu Robert Prechter?
      Den mag ich systematisch übrigens auch sehr.
      🙂

  13. Berliner sagt:

    Auch von mir Gratulation an Ronald Gehrt. Die Vorhersage war top.

    Wenn ich mich umschaue, durch diverse (Online)Medien blättere und viele Meinungen aus Foren aufschnappe, ist Land-auf Land-ab absolute Untergangsstimmung zu spüren.

    Marc Faber sagte vor ein paar Tagen, dass der S&P500 noch auf 1050 – 1100 fallen könnte aber auch, dass der Markt „unglaublich überverkauft“ ist.

    Rothschild meinte doch: „Wenn das Blut durch die Strassen fliesse, gelte es in die Zukunft zu investieren“.

    Wenn man die düstere Stimmung momentan mit dem „Blut“ gleichsetzt, ist die Straße schon ziemlich blutig anzusehen.

    Ich stelle mir daher die Frage: Wird die Straße noch blutiger werden oder gibt es bald eine starke Gegenreaktion weil die Großanleger schon wieder einsteigen – während der „kleine Mann“ noch angstvoll zum Himmel schaut?

    In Frankreich fielen heute die Aktien einiger großer Banken um 20 Prozent. Dabei müsste doch eigentlich klar sein, dass diese Banken, wegen ihrer Größe, in jedem Fall vom Staat gerettet werden, völlig gleichgültig in welche Schieflage sie geraten. Und die EZB ist ja auch noch da. Trotzdem fanden panikartige Verkäufe statt – diese Reaktionen sind, meiner bescheidenen Meinung nach, völlig übertrieben und rufen eigentlich nach einer Gegenbewegung.

    Wie ist eure Meinung?

    Grübelnde Grüße
    Matthias

  14. Reiner Vogels sagt:

    Sorry, aber ich habe meinen Beitrag zur Energiewende nicht als Abweichung vom Thema empfunden. Schließlich ist es m.E. nicht unwesentlich, daran zu erinnern, dass die realwirtschaftliche Fähigkeit Deutschlands, in der Euro-Schuldenkrise den Part des Bürgen zu spielen, durch die Energiewende zerstört werden dürfte. Aber ich nehme die Kritik des Blogwarts als Hausherr an und werde zu diesem Thema in Zukunft schweigen.

  15. samy sagt:

    Und nun?
    Ich wag mal die Vorhersage, dass zumindest Freitag noch einmal abverkauft wird an der Börse. Wer will sich vor dem Wochenende noch Aktien in das Depot legen, dass bei den Verlusten seit Montag und den Gerüchten. HFT-Programme hin oder her. Testen wir am Freitag die 5000?
    Gold und Silber ahoi!
    VG

  16. Avantgarde sagt:

    „Die EU-Wertpapier-Aufsichtsbehörde erwägt einer US-Zeitung zufolge ein temporäres Verbot für Leerverkäufe von Aktien….“
    http://www.dowjones.de/site/2011/08/eu-erw%C3%A4gt-verbot-von-aktien-leerverk%C3%A4ufen-new-york-times.html

    So weit ist es schon – hatten wir doch schon mal mit dem Leerverkaufsverbot auf systemrelevante Banken….

    Dann ist die Lage ernst..

  17. VickyColle sagt:

    Ein grundsätzliches Leerverkaufsverbot, halte ich für alles andere als verkehrt.
    Allerdings können wir wohl damit rechnen das dies natürlich wieder nur an den gewünschten Märkten und nicht überall gesetzt wird. 🙂

    Stellt Euch mal ein Leerverkaufsverbot an der Crimex vor. 😀

  18. auroria sagt:

    Da muss man unterscheiden, ob nur ungedeckte, oder alle Leerverkäufe verboten werden.
    Ungedeckte Leerverkäufe sind legaler Betrug und gehören grundsätzlich, überall und dauerhaft verboten!

    Falls auch normale Leerverkäufe verboten werden, könnten die Banken doch auch keine Puts mehr ausgeben oder?
    Das könnte nach hinten losgehen, wenn die Leute ihre Aktien nicht mehr absichern können und deswegen lieber verkaufen …

  19. cubus53 sagt:

    Bin vor einigen Tagen komplett ausgestiegen mit Aktien, jetzt heute Dax und Dow fast 5-6% im Plus. Kuck ich jetzt wieder den steigenden Werten zu, so wie nach Fukushima ?

  20. JayJay sagt:

    Schöner Kommentar, nur eins dazu jetzt ist der europäischen Politikerkaste, wieder mal der Stein der Weisen eingefallen & zwar Leerverkäufe zu verbieten (heute in Frankreich, Spanien, italien & Belgien). Überall liest man damit wird alles gut, (da die Börsen ja heute steigen) wenn man europaweit die Leerverkäufe verbietet.

    Ist schon schlimm, nur weil die Kurse, diese unsegliche Politik korrigieren rennen alle rum, wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen.

    Gold & Silber Ahoi

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