Meinungsfreiheit: Dr. Säuberlich, übernehmen Sie!

18. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Ja, es stimmt schon: Meinungsfreiheit war, ist und bleibt gefährlich. Das gehört dringend reformiert. Was Schmutz ist und was nicht, bestimmt künftig die Politik und Herr Säuberlich, der Saubermann fürs Internet…

Die einen rufen „Zensur!“. Die anderen nennen es Hygiene. Ja, es gab immer schon Leute, die die Öffentlichkeit und jetzt auch Facebook, Twitter, die Kommentarfunktionen der Online-Medien und Blogs mit einem Urinal verwechselt haben oder sich dort verbal erbrachen. Ein Freund meinte, das Internet wäre ein Markt, der Unsinn automatisch selektiert. Und wenn nicht, hilft die Politik gerne nach.

Wie? Sie haben Spinner und Dumpfbacken an der Backe? Herzliches Beileid! Rechts-Gescheitelte und Rechtshänder? Verdächtig! Da die Leute zu dumm sind, das unterscheiden zu können, eilt uns Justizminister Heiko Maas zu Hilfe. Nicht dass man zu Hause plötzlich einen Nazi sitzen hat, der einem die Champagner-Pulle über die Rübe zieht und den Kühlschrank leerfrisst. Ein Riesen-Problem!

Wozu gibt es eigentlich den Paragraph 130? Wenn jemand Gesetze missachtet, hat man ihn früher angezeigt. Aber die Mühlen der Justiz mahlen so langsam wie die vom lieben Gott. Das geht bald schneller und effektiver! Glücklicherweise kommt in diesen aufgeregten Zeiten Rainer Wendt um die Ecke, der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft mit einer ganz besonders frischen Idee: Fahrverbote bei Verstößen.

Ja, Sanktionen müssen dort treffen, wo sie am meisten wehtun. Zuerst in der Geldbörse. Wenn diese so leer ist wie das Konto, wie bestraft man dann diese vielen bösen Leute? Man nimmt ihnen einfach den Führerschein weg. Das tut richtig weh.

„Wer Hass-Kommentare und Propaganda postet, begeht eine Straftat.“

Dafür war früher mal die Justiz zuständig. Was aber ist ein Hass-Kommentar? Ich habe zwar eine Idee, aber die Leute bei Facebook merken doch selbst, wer ein Idiot ist. Oder nicht (mehr)? Richtig! Man muss die Bevölkerung vor diesen Idioten schützten wie vor Keimen im Supermarkt oder versifftem Spritzbesteck. Das ist ansteckend, so scheint es. Wenn man nicht aufpasst, hat man einen Nazi, Salafisten oder Rocker von den Hells Angels auch noch als Freund.

Wie sich die Zeiten doch geändert haben: Früher hatten all diese bösen Leute eine schlimme Kindheit. Seit sich aber die politisch in-korrekten Kommentare mehren, muss die Politik helfend einschreiten. Dazu kann künftig übrigens alles gehören. Eine Anzeige täte es auch, aber…

Weltverbesserer schlafen nie, um IHRE Welt besser zu machen. Sie nutzen dazu jede Steilvorlage, die sich bietet. Manchmal beschaffen sie sich einfach eine Gelegenheit.

Ich weiß übrigens nicht, wie viele der „Idioten“ über längere Zeit ein Auto problemlos bedienen können – und ob sie auch einen solchen Test bestehen würden. Ein Fahrverbot auszusprechen, wenn die Justiz überfordert ist, hat wirklich was. Was aber, wenn jemand kein Geld hat und auch kein Auto, im Gegenzug aber genügend Menschenverachtung und schlechte Manieren? Kein Problem!

Wie wäre es mit einem Führerschein fürs Internet? Staatlich geprüft und zertifiziert. Mit Fingerabdruck wie auf dem iPhone. Dort trifft man dann auf Gesinnungs-Ampeln. GRÜN für okay, GELB für „Pass bloß auf, was Du gleich schreiben wirst!“ und ROT für „Geht gar nicht!“ Finden Sie sich umgehend zum nächsten Lehrgang für politisch korrektes Verhalten im Netz und der Öffentlichkeit ein.



Was halten Sie von Gesinnungsblitzern in der Öffentlichkeit? Sollte man dort etwas Unanständiges im Verständnis der Politik denken… Blitz…! Mit vorerst 20 Euro kann man sich freikaufen, die man ganz komfortabel in den dafür vorgesehenen Schlitz an der Blitzanlage wirft. Solange es noch Bargeld gibt… Sonst wird die Iris des Auges gescannt und das Geld automatisch vom Konto abgebucht. Und wenn nichts zu holen ist, kommt eben eine Sperre ans Lenkrad. Sollte kein Auto vorhanden sein, wie wäre es mit einem Fernsehverbot? Oder dem guten alten Stubenarrest ohne Internet und Fernsehen? Da wird aus Hass schnell Liebe!

Moment… Wenn Propaganda nach Herrn Wendts Meinung auch strafbar ist, müssten ja auch viele Botschaften der Politiker darunter fallen und mit einem Fahrverbot sanktioniert werden. Ach, die lassen sich fahren? Nein, manchmal sogar gehen. Ein Auftrittsverbot in der Öffentlichkeit täte Politikern am meisten weh. Man könnte ihr Gesagtes ja auch mit Werbung kennzeichnen. Damit gerät so manche Bundestagsdebatte und Wahlkampfveranstaltung zu einer Dauerwerbesendung.

Darf ich das überhaupt schreiben? Au Backe! Wenn wir Blogbetreiber jetzt schon Strafpunkte gesammelt haben, gibt es eine Möglichkeit, diese abzuarbeiten, indem wir die neuen „Leitlinien für politisch korrektes Denken und Handeln“ bewerben? Sollten wir dann zu viele Pluspunkte auf unserem Negativ-Konto aufweisen, können wir uns diese auszahlen lassen? Oder uns damit in einem Online-Shop der Blockparteien etwas kaufen? Und was?

Überlegen Sie sich künftig genau, was Sie sagen und schreiben. Ach, tun Sie ja schon. Brav! Angst ist eben doch ein guter Ratgeber, vor allem, wenn man von den Geldströmen abhängig geworden ist oder sich davon voller Überzeugung davon abhängig gemacht hat. Mit den Wölfen zu heulen schützt langfristig nicht davor, am Ende doch gefressen zu werden.

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