Dr. House on Speed

5. Juni 2009 | Kategorie: Kommentare

Gibt es heute etwa eine Rede von Bernanke? Das waren meine Gedanken am Mittag. Mir war schon wieder nach Unterhaltung zumute. Ich könnte ja auch das Fernsehgerät anschalten, die letzte „TITANIC“ lesen oder auf der Seite des Finanzministeriums surfen. Wissen Sie, man hat sich so an die Art der Unterhaltung aus Politik und Wirtschaft gewöhnt, dass man ohne dies gar nicht mehr auskommen mag. Doch es kam noch schlimmer…

Der heutige Nachmittag war wieder heiterer als die 254. Folge der „Golden Girls“ in der 12. Wiederholung. Nach einer Frühschicht lege ich mich ja gerne mal aufs Ohr. Bloß komme ich in den letzten Wochen gar nicht mehr dazu. Am Montag redete sich US-Finanzminister Geithner in China auf seiner „Dollar Roadshow“ vor Studenten um Kopf und Kragen. „Chinese assets are very safe.“ Er sagte etwas von einem festen Dollar und sicheren Anlagen in dieser Währung. Nicht nur die Studenten mussten lachen, ich kringelte mich am Boden, bis ich auf einmal wieder wach war. So ist das jetzt täglich. Meine Nachbarin hat sich schon beschwert. Ja. Ich hatte wirklich Spaß. Das sagen meine Lachmuskeln auch noch heute, die auf die nächste Strapaze lauerten…

Am frühen Nachmittag brach dann der Goldpreis ein. Redet etwa heute Ben Bernanke oder George W. Bush? Moment, Bush ist doch weg. Oder? Gott sei Dank! Dann muss es wohl Bernanke sein. Bingo! Man kann es oft Charts der Edelmetalle ablesen. An solchen Tagen sieht es immer aus, als ob sich ein Subventionskommando für Goldbugs auf den Weg macht. Auf einmal steigt der Dollar und fallen die Edelmetalle. Nicht dass es verwundert, es ist ein Zeichen von großen Reden von noch größeren Persönlichkeiten inklusive einer charttechnischen Unterstreichung. Das gehört dazu wie Violinen am Feiertag. Sehr nett! Man kann sogar die Uhr danach stellen. Heute hatte Ben Bernanke etwas vor dem US-Haushaltsausschuss zu sagen.

„Wir gehen weiterhin davon aus, dass sich die wirtschaftliche Aktivität zunächst stabilisieren wird, um sich dann gegen Jahresende zu erholen.

Dann klopfte es schon wieder an meiner Wand. War ich zu laut? Und schon sagte Bernanke, dass sich die Inflation mittelfristig auf einem niedrigen Niveau bewegen werde, ohne zu sagen, was mittelfristig bedeutet. Ich meine, mittelfristig sind wir alle tot. Nee, das war ein Keynes-Spruch. Sorry! Doch jetzt klingelte es an der Tür. Vielleicht erhasche ich noch eine Satz…Mooooooment!!!

Bernanke forderte den langfristigen Schuldenabbau und Maßnahmen zur Wiederherstellung der langfristigen finanziellen Stabilität des US-Staatshaushalts.

„Ohne ein deutliches Bekenntnis zu einer langfristig nachhaltigen Etatpolitik werden wir weder einen stabilen Finanzsektor noch ein gesundes Wirtschaftswachstum haben.“

Das mit dem Bekenntnis muss sich doch irgendwie machen lassen oder? Ist Tim schon wieder zurück?

„Um das Vertrauen der Finanzmärkte zu behalten, müssen wir als Nation jetzt mit den Planungen beginnen, die haushaltspolitische Balance wiederherzustellen.“

Wir ahnen nicht, wie das aussehen könnte, doch hätte ich vielleicht in dieser Situation Steven Spielberg anrufen sollen. Vor meinen Augen flimmerten die letzten Meter seines neuen Films „Dr. House on Speed“. Ben Bernanke zieht auf einmal die Punschbowle weg , ruft nach Alan Greenspan und ….den Rest muss Spielberg noch einfügen…

Klappe! Vorhang! Applaus!

War es Trance? Nein, es war jetzt das Dauerklingeln an der Tür. Und dann rechnete Ben Bernanke mit unserer Kanzlerin ab, die sich doch erdreistete, die geldpolitische Lockerung der US-Notenbank zu kritisieren und über den Aufkauf von Staatsanleihen schimpfte. Dazu forderte sie auch noch die Rückkehr zu einer „unabhängigen Notenbankpolitik“ und eine „Politik der Vernunft.“

Holla! Was ist das?

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