Double Dip … oder: Hellas ante portas!

16. Juni 2011 | Kategorie: RottMeyer, Slideshow

von Ronald Gehrt

Die Aussage „uns kann so etwas nicht passieren“ ist das Dümmste, was ein menschlicher Kopf an Überzeugungen produzieren kann. Und je mehr Menschen so denken, desto größer ist das Risiko, dass es eben doch passiert…

…alleine, weil zu viele sich in Ignoranz und Borniertheit suhlen und dadurch niemand reagiert, wenn es an der Zeit wäre, höchst alarmiert zu sein…

Das galt bislang für jede große politische, militärische und/oder wirtschaftliche Krise der Neuzeit. Und das gilt hier und heute für ein erneutes Abgleiten der USA in die Rezession mit womöglich höherer Intensität als 2008/2009 ebenso wie für eine mögliche Rezession in Deutschland! Zu viele denken und verbreiten dieses „das kann uns nicht passieren“ und zeigen mit dem Finger auf Portugal, Griechenland oder Irland. Ich sage: Es kann sehr wohl passieren. Und auch und gerade wegen dieser dümmlichen Ignoranz womöglich sogar sehr bald.

Wenn Bill Gross, Chef von Pimco, dem größten Anleihehändler der Welt, etwas zur Gesamtlage von sich gibt, sollte man tunlichst genau zuhören. Denn er gehört zu denjenigen Leuten, die sich einen klaren Blick für die Realität bewahrt haben. Und somit zu einer aussterbenden Gattung. Am Wochenende erklärte er, in seinen Augen sei die finanzielle Situation der USA schlimmer als die Griechenlands.

Dem kann ich nur zustimmen. Richtig ist zwar, dass die USA aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und aufgrund der Tatsache, dass der US-Dollar eine Weltwährung ist, trotzdem immer noch an Geld herankommt und auch weiterhin herankommen wird. Zumal sie, im Gegensatz zu den Griechen, die nötige Notenpresse im eigenen Keller stehen haben. Aber es wäre höchst naiv und gefährlich, deswegen zu unterstellen, dass wir Bilder, wie wir sie am Mittwoch in den Nachrichten aus Athen gesehen haben, nicht relativ bald auch aus den USA sehen werden. Das muss nicht so kommen … ist aber nichtsdestotrotz nicht unwahrscheinlich.

Bullishe Lieder in bearisher Landschaft

In meiner Kolumne aus der Vorwoche hatte ich ausführlich dargelegt, dass bislang sämtliche Medikamente, die dem „Volkswirtschafts-Patienten“ USA verabreicht wurden, versagt haben. Und hatte auch unterstrichen, dass zumindest ich mir nichts vorstellen kann, das jetzt noch, mit leerem Medizinschrank, imstande wäre, daran etwas zu ändern. Natürlich sieht die Mehrzahl der Marktteilnehmer das völlig anders. Einerseits, weil diese Mehrheit steigende Kurse braucht und will, andererseits, weil sie von der Finanzindustrie keinerlei Warnhinweise erhält. Was aber normal ist und in den vergangenen Jahrzehnten nie anders war. Denn auch dort braucht und wünscht man steigende Kurse und fokussiert sich darüber hinaus rein auf Konjunkturzahlen … und zwar nur auf diejenigen, die einem in den Kram passen. So hat der verblüffend steile Absturz fast aller Konjunkturdaten in den USA und das Abbröckeln der Daten in Europa bislang in den Medien nahezu keinen Widerhall gefunden, weil man hier auf den wenigen Zahlen herumreitet, die noch ein stabiles Wachstum vorgaukeln.

Es wurde in den vergangenen Wochen anhand des Kursverhaltens an den Aktienmärkten zwar deutlich, dass eine zunehmende Zahl an Investoren, ganz offensichtlich auch nicht wenige „Große“, sich durch Verkäufe und Short-Positionen bereits auf eine Trendwende nach unten einstellt. Aber ich habe den Eindruck, dass immer noch eine sehr große Zahl insbesondere privater Anleger völlig sorglos jeden Rücksetzer nutzt, um einzusteigen … was eine ideale Basis für einen Abwärtstrend wäre, siehe 2000-2002 und 2008/2009. Und man tut weiterhin alles, um dieses Verhalten zu fördern:

Unsummen suchen nach Anlage … ach, wirklich?

Gerade in den letzten Wochen, als den Bullen die Argumente ausgingen, kamen immer wieder diese Sprüche: „Ja, die Lage mag sich eintrüben, die Aktien werden aber weiter steigen, weil so viel Geld verzweifelt nach Anlage sucht und die Zinsen so niedrig sind, dass Anleihen keine Alternative sind“. Ich wiederhole mich:

Das ist Mumpitz. Erstens gibt es keinerlei Möglichkeit festzustellen, ob und wo wie viel Kapital kurzfristig wirklich nach Anlage sucht. Zweitens würden Unsummen an freiem Kapital noch lange nicht bedeuten, dass deren Besitzer der obenstehenden, platten Argumentation folgen würden. Denn wer die momentane Situation versteht, muss in den kommenden Monaten und Jahren mit fallenden Gewinnen börsennotierter Unternehmen rechnen. Da dies gemeinhin zu Kursverlusten führt, ist eine niedrige Verzinsung einer Anleihe guter Bonität immer noch eine bessere Anlage als gekürzte Dividenden und Kursverluste bei Aktien. Dass das „freie Kapital“, respektive seine Besitzer, so denkt und handelt, haben wir in den Jahren 2000 und 2008 eindeutig erlebt, als ebenfalls versucht wurde, mit dieser Argumentation gutgläubige Investoren im bereits stockende Aufwärtstrends hinein zu locken. Das Ergebnis kennen wir… (Seite 2)

Homepage von Ronald Gehrt

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9 Kommentare auf "Double Dip … oder: Hellas ante portas!"

  1. Fnord23 sagt:

    Tja Herr Gehrt, es gärt – so konnte man an dieser Stelle vor kurzem lesen.

    Ich kann das eigentlich alles schon nicht mehr hören. Immer und immer wieder.
    Aber „wad mud dad mud“ Hilft ja nix.

    Wie geschrieben so zerrieben:
    „Nachdem das Pandora-Papier kurz nach Beginn des Handels mit 26,00 Dollar seinen Höchststand erreicht hatte, schloss es mit 17,42 Dollar noch 9 Prozent über dem Ausgabekurs. Nachbörslich fiel die Aktie am Mittwoch weiter.“
    Quelle:http://www.handelsblatt.com/finanzen/aktien/neuemissionen/pandora-oeffnet-ihre-buechse/4290168.html

    Ich habe die befürchtete Hoffnung auf griechische Verhältnisse auch in Deutschland.
    Wenn ich mich so in meinem Bekanntenkreis umschaue, dann ist die Stimmung nicht so toll. Das hat nicht mal was mit zu geringem Einkommen zu tun. Die gesamtgesellschaftliche Lage und die Zukunftserwartungen schätzen viele nicht rosig ein.

    Hier merken viele, dass wir nach 20 Jahren wieder in einer Diktatur angekommen sind. Die Allianz aus Lobbypolitikern und Beamtenstaat, begründet auf einem Konstrukt aus Lügen durch verwirrungstiftende Masssenmedien wird zerbrechen.
    Es gibt Gesetzmässigkeiten die man nicht auf Dauer aushebeln kann.

    VG aus Sachsen

    Wenn du den Fnord nicht siehst, dann kann er dich nicht fressen

  2. quest sagt:

    Interessierten Mitbürgern, denen noch Detailkenntnisse bezüglich der Herstellung und Reparatur von Schirmen fehlen, gilt mein Hinweis, dass heute Abend im ZDF Herr Brüderle auftritt. Herr Brüderle ist (erfolgreicher) Teilnehmer des unverdrossen erfolgreichen Stafettenlaufes von Wirtschaftsminister zu Wirtschaftsminister sowie der Staffeln Aufschwung jetzt, Aufschwung hier und Aufschwung immer. Neben souveräner Gestik und Mimik setzt er, so es die Situation erfordert, zur Überzeugung von Andersgläubigen oft auch seinen rechten Zeigefinger ein.

  3. […] Ronald Gehrt: Double Dip … oder: Hellas ante portas! […]

  4. Takuto sagt:

    Ich frag mich nur, ob bei einem Abschwung (sobald ihn die Leute als solchen auch wahrnehmen) nicht auch der Silberpreis vorübergehend deutlich sinken wird, wie das 2008 der Fall war. Aber anders überlegt, was wäre dann eine gute Anlage? Aktien sicher nicht, Anleihen sowieso nicht, und überhaupt sind m.E. alle Papiere, die bei der Bank lagern, höchst gefährdet. Ansonsten würde ich ja sagen, in Schwellenländern investieren. Aber so bleiben doch nur Silber und Gold übrig, abgesehen von Wiese und Wald zur Selbstversorgung.

  5. SpanischerGaul sagt:

    Ein möglicher Ausweg bzw. Ablenkungsmanover wäre ja ein Stellvertreterkrieg in Vietnam um Öl/Gas Vorkommen. USA eilt Vietnam gegen China zur Hilfe. So oder so ähnlich… Ich warte auf den ersten Vietnam-Rambo Film.

    Ich war selber 12 Jahre Offizier beim Bund und frage mich heute nach dem ich nun so einiges an Recherche zum Thema Finanzsystem hinter mir habe, warum eigentlich noch Soldaten in den Krieg führen?

    Es wäre doch viel einfacher den „Warlords“, „Talibans“ und „Gaddafis“ dieser Welt einfach das Konto zu sperren (mal vereinfacht auf den Punkt gebracht). Ohne finanzielles Einkommen und ohne Konto kann man seine Untergebenen nicht mehr bezahlen und dann rennen Sie weg. Da hilft auch der schönste Glaube an den Islam nichts. Ohne Bezahlung rennen die Handlanger den Chefs einfach davon.

    Und damit wäre ohne Blutvergiessen und auch ohne größere Kosten der Feind ausgeschaltet.

    Dieses Vorgehen wurde meines Erachtens noch nie ernsthaft in der Öffentlichkeit diskutiert. Warum eigentlich nicht?

  6. EuroTanic sagt:

    Die letzten Worte die man hört bevor die Welt explodiert ist die eines Politikers der sagt: „Das ist technisch unmöglich“
    Die Menschheit hat es bis heute nicht geschafft aus der Vergangenheit zu lernen. Und obwohl heute soviel Wissen zur Verfügung steht wie noch nie zuvor wissen immer weniger Menschen wie die Welt um sie herum wirklich funktioniert. Sicher, die Menschen jetzt immer wütentender, aber ich glaube nicht aufgrund der Erkenntnis der Problematiken sondern weil sie nicht so gedankenlos weitermachen können wie zuvor.

  7. Fnord23 sagt:

    Die beste Investition ist immer noch die ins eigene Wissen und Können.
    Das kann einem auch kein noch so böser Aktien-und Anleihemarkt nehmen.
    Alle in der Finanzbranche sollten sich schon mal überlegen auch noch ins „Goldene“ zu investieren.
    „Handwerk hat goldenen Boden“
    Wenn das umlaufende inflationäre Luftgeld ein klein wenig implodiert, dann brauch es auch weniger geldvernichtende Finanzexperten. ( z. B. mich und meine Gattin )

    Was dann aus den Börsenkommentatoren wird? 🙂 zwinker
    Sorry Frank, wie wärs mit Zimmermann? Für die guten Leute gibt es immer was zu tun. Also keine Sorge.
    VG aus Sachsen

    Wenn du den Fnord nicht siehst, dann kann er dich nicht fressen.

    • Frank Meyer sagt:

      Was wird dann aus den Börsenreportern? Keine Ahnung. Vielleicht braucht man die nicht mehr? Als Zimmermann gebe ich ein schlechtes Bild ab. Als Gärtner schon eher. Das habe ich ja studiert.
      Frank`s „Rat für jeden Gartentag“ ???

      Wenn Du den Knarf nicht siehst, kann er Dir nicht schreiben 🙂

  8. cubus53 sagt:

    Das Märchen vom Aufschwung oder „Merkels Krämerladen“.

    Stell Dir vor, Du hast einen Krämerladen, aber der läuft nicht so richtig. Nun leihst Du eine Menge Leuten Geld, damit sie bei Dir einkaufen können. Du erzählst jetzt allen, dass Dein Laden super läuft und der Umsatz brummt. Bald stellt sich das Problem ein, dass den Leuten, welchen Du Geld gegeben hast, nun keines mehr haben, denn sie hatten ja nie wirklich Geld. Also muss noch mehr Geld her, denn sonst würde ja Dein Umsatz einbrechen. Wem nicht klar ist, wie die Geschichte endet, kann beruhigt weiterschlafen.

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