„doppelplusgut“

26. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

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Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update…

Es gab Zeiten, da galt Ruhe als erste Bürgerpflicht. Heute darf man vom aufgeklärten Untertanen jedoch mehr als Passivität erwarten. Es geht um Dankbarkeit.

Diesen Eindruck vermitteln jedenfalls die Positivmeldungen des Mainstreams, die sich inmitten der heißen Phase des Wahlkampfes geradezu überschlagen. Wir fühlen einigen davon auf den Zahn:

„Die Staatskassen klingen: Deutschland erzielt mehr als 18 Milliarden Euro Überschuss“ (faz.net, 25.8.2017)

„Bund, Länder und Gemeinden haben das höchste Plus seit der Wiedervereinigung erwirtschaftet“, lesen wir bei der ehedem konservativen FAZ. Unter „erwirtschaften“ verstehen wir eigentlich das erfolgreiche Anbieten von Waren und Dienstleistungen, nicht den staatlichen Griff in die Geldbörsen der Bürgerinnen und Bürger. Der Staat hat zwar tatsächlich mehr Geld, was aber auch bedeutet, dass er damit mehr Unsinn anrichten kann und die Bürger entsprechend weniger haben. Ein Grund zum Jubeln ist das nicht.

„Gute Konjunktur – Zahl der Erwerbstätigen erreicht neuen Höchststand“ (spiegel.de, 17.8.2017)

Die Überschrift klingt nach einem kleinen Jobwunder. Laut Bundesamt für Statistik lagen „öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit mit einem Plus von 224.000 Erwerbstätigen“ beim Stellenzuwachs an der Spitze. Auch in dem etwas kryptisch klingenden Bereich der „Unternehmensdienstleister“ wurden 153.000 Stellen (+2,6%) geschaffen. Wir wissen zwar nicht, was sich hinter der zweiten Position genau verbirgt, aber öffentliche Dienstleistung, Gesundheit und Erziehung sind nicht gerade das, was man klassischerweise als „gute Konjunktur“ bezeichnen würde. Das sieht weniger nach ernsthaften Beschäftigungserfolgen als nach einem weiteren kostspieligen Aufblähen des Nanny-Staates aus – mutmaßlich als Folge der Massenmigration.

„Muslime sind besser integriert, doch es mangelt an Akzeptanz“ (sueddeutsche.de, 24.8.2017)

Apropos Massenmigration. Diesbezügliche Sorgen sind offenbar unbegründet. Denn die Bertelsmann-Stiftung verteilte nun Bestnoten für die Integration muslimischer Einwanderer. Im Vergleich mit der Schweiz, Österreich, Frankreich und Großbritannien schneide Deutschland sehr gut ab. Integration sei übrigens „nicht als Anpassung von Muslimen an die jeweilig vorherrschende Kultur des Landes gemeint“, belehren uns die Experten. Und eine kleine Hausaufgabe gibt es für die, die schon länger hier leben, gleich noch dazu: Den Deutschen fehle es an Akzeptanz für die Einwanderung. Also bessert Euch! Dass sich die Studie gar nicht auf die aktuelle Massenmigration bezieht, sondern ausschließlich auf jene muslimischen Einwanderer, die schon im Jahr 2010 da waren, ist ein kleiner Schönheitsfehler, den wir gerne übersehen wollen. Was zählt, ist die Botschaft.

„Frankfurts große Chance: Zehntausende Stellen durch den Brexit“ (faz.net, 25.8.2017)

Und noch eine Studie, aus der faz.net genüsslich zitiert: Im Zuge des Brexits sollen rund 10.000 Banker dauerhaft ins Frankfurter Exil strömen. Doch damit nicht genug. Pro Banker wird mit 2,1 bis 8,8 (!) weiteren Stellen als Folgeeffekt gerechnet. Tja, da haben sich die Briten wohl mächtig ins eigene Fleisch geschnitten. Die Studie stammt übrigens von der privaten Hochschule für Wirtschaft und Management WHU. Doch Studienleiter Lutz Johanning gießt Wasser in den Wein: Die Zahlen seien „natürlich nicht in Stein gemeißelt, sondern reine Diskussionsbeiträge“. Natürlich. Und wenn wir schon diskutieren, wer sagt uns eigentlich, dass Banken partout in den Bankensozialismus des europäischen Festlandes einwandern wollen? Auch für manchen Kunden wird ein Konto außerhalb der „Bankenunion“ möglicherweise die deutlich attraktivere Variante sein.

Liest man die Schlagzeilen des Mainstreams, dann ist – frei nach George Orwell – vor der Wahl in Deutschland alles „doppelplusgut“. Ob die Wähler von Politik und Medien wieder einmal nur eingeseift werden, wird sich dann ab 25. September zeigen. Welche negative Dynamik in den politischen Großprojekten dieser Regierung steckt, damit befassen wir uns übrigens in der Titelstory des neuen Smart Investor 9/2017: „Plan oder Panne? Leben im Zeichen der Raute“

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