Doppelplusgut: Die Wissenschaft des positiven Schrumpfens

17. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Am Mittwoch wurde jeder Deutsche plötzlich um 1.000 Euro reicher. Das Ministerium für Wahrheit, Pardon, das Statistikamt berechnet Wirtschaftskraft jetzt anders und fand plötzlich 80 Milliarden Euro extra…

Die Milliarden stammen aus Drogengeschäften und Zigarettenschmuggel. Das gehört jetzt auch zur Wirtschaftsleistung. Das künftig zu bekämpfen, wäre wirklich wirtschaftsfeindlich. Zudem sind Investitionen und Forschungsausgaben keine Ausgaben mehr. Was haben wir gefeiert. Morgenstund hat bekanntlich Gold im Mund!

Wenn Sie mich fragen, ich würde ja auch die Schwarzarbeit ins Bruttoinlandsprodukt aufnehmen. Wenn ich also meiner Nachbarin schwarz den Staubsauger borge, womit sie dann ihr geschmuggeltes Kokain von der Klobrille saugt, hilft es gnadenlos dem BIP. Die gute Dame ist übrigens 79.

Das Bruttodingsda würde sogar eskalieren, wenn man endlich auch Hoffnung und Wünsche der Leute dort hinein packen würde. Das kann ja noch kommen. Zudem würden das Verhältnis der Schulden zum BIP sinken und die Schuldentragfähigkeit damit steigen. Überhaupt, Schulden verschwinden bald ohnehin von selbst. Entweder durch einen Schuldenschnitt oder man definiert die Schulden einfach als Guthaben um.

Übrigens sank 2013 die Verschuldung Deutschlands um 30,5 Milliarden Euro, obwohl doch 22 Milliarden Euro neue Schulden gemacht worden sind. Komisch und ein Hoch auf die Statistik! Und was war das? Im letzten Quartal ist die Wirtschaft in Deutschland um 0,2 Prozent geschrumpft. Richtig muss es allerdings heißen, die Wirtschaft ist um 0,2 Prozent negativ gewachsen. Aber auch Negativ-Wachstum ist Wachstum bzw. ein Schrumpf-Plus.

Die Experten sagten ja, wegen des starken ersten Quartals gab es einen sogenannten Rückpralleffekt. Ich vermute, dieser Rückpralleffekt entstand durch das Rückprallen der Expertensessel, als sie von der Realitätschon wieder überholt wurden und sie wieder ganz überrascht das Schrumpf-Plus bestaunten. Wie wir in der „Welt“ lesen konnten, zerstört Putin den Wohlstand in Deutschland – und das schon im zweiten Quartal, als von Sanktionen noch keine Rede war. Schwamm drüber. Man könnte auch meinen, der statistische Mist von heute ist bekanntlich der Dünger von morgen.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

Schlagworte: , , , , , , , ,

Ein Kommentar auf "Doppelplusgut: Die Wissenschaft des positiven Schrumpfens"

  1. Michael sagt:

    Die Frage ist ob Kokain als Konsumgut wird veredelt und verteilt oder Kokain zur Bezahlung wird verwendet. Im ersten Fall ein BIP Klassiker im zweiten ist es mir nicht ganz klar.

    Als Konsumprodukt – es ist BIP – Zahlungsmittel werden benötigt – Es ist bestimmt nicht BIP im Sinne steuerbar. Ein kleiner Wermutstropfen verbleibt.

    Stellt man sich vor. Es werden Paletten Kokain bspw. in Hamburg gelöscht, die als Bezahlung für Exporte von Maschinenbauprodukten bspw. Panzern, U-Botte entgegengenommen wurden. Die Paletten werden verwahrt und zur Bezahlung für importiertes Rüstzeug für die Bundeswehr wiederverwendet … dann wäre das ganze eher eine Geldmengenausweitung im volkwirtschaftlichen Sinne – rechtlich ist Kokain bestimmt noch nicht als offizielles Zahlungsmittel anerkannt, sonst wären ja die Kanäle unterhalb von Frankfurt wahren Goldgruben gleiche Fundstätten.

    Der Wirtschaftswurm hat mal gute Zahlen am Blog bereitgestellt, gemitteltes Realwirtschaftswachstum, eher mit traditionellen Produktion gemessen, das verkettete Realwachstum fällt seit den 60er Jahren.

    Jetzt ist man im Westen bei ca. 0,9%. Die Basis selbst ist nicht bescheiden – die 0,9% sind ja Zuwächse von mächtigen Volumina. Aber mehr – nachdem schaut es nicht aus.

    Wachstum kommt von mehr Bedarf. Arbeit schafft resp. schöpft kein Geld und hilft allein wenn der Bedarf gedeckt werden soll und der Kunde zahlt und im Falle vom Export das entstandene Guthaben im Empfängerland gedeckt bleibt durch ein stabiles Bankensystem.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.