„Doppelblase“ Social Media?

7. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Wenn es um sogenannte „Hypes“ geht, haben fast alle das Gefühl, DAS ist es jetzt. Das wird ewig wachsen, ewig immer so weitergehen. Aber in Wahrheit weiß man nie, wie lange Hypes vorhalten und wohin sie führen. Denn sie basieren auf Begeisterung und Ernüchterung und damit auf menschlichem Emotionen, die höchst wankelmütig sind…

Daran werden nun auch all diejenigen erinnert, die am Aktienmarkt massiv die „Social Media“-Karte spielen. Nach dem Motto „irgendeine Sau wird immer durchs Dorf getrieben“ sah man in dieser Branche den großen Branchen-Blockbuster, den unsere satte Konsumgesellschaft in den letzten Jahren vermissen ließ.

Denn seit es Börsen gibt, gibt es Branchen, die die Zukunft bedeuten, die rasant wachsen und dementsprechend spannende Perspektiven für die Anleger bieten. Nach den Autos kamen Radio und Fernsehen, später die Computer, dann das Internet und die Biotechnologie. Und danach … kam zunächst mal nichts mehr.

Der nächste „Hype“ waren dann die alternativen Energien. Doch all das viele Geld, das nach großen Gewinnen in Zukunftsbranchen suchte, presste sich da binnen kürzester Zeit in einen in Relation zum Gesamtmarkt kleinen Bereich. Die Aktien wurden durch diese völlig von der Realität losgelöste Nachfrage aufgeblasen … und ließen bald darauf all diese Luft wieder ab.

So geht es seit ewigen Zeiten bei allen Hypes zu. Alle wollen dabei sein, alle wollen Riesengewinne und alle wollen sie bittschön umgehend. Da dies in noch jungen Branchen passiert, bei denen noch lange nicht raus ist, ob all die börsennotierten Unternehmen überhaupt ihren Platz am Markt finden, behaupten und somit als Aktie überleben werden, treffen da schnelle, hohe Gewinne immer auch mit langwierigen, bitteren Verlusten zusammen. So auch z.B. bei Internet, Biotechnologie und alternativen Energien. Die Branchen leben, wachsen, haben Perspektive. Viele der Spekulanten im Zuge des ersten, großen Hypes sind dennoch pleite.

Und was lernen wir daraus? Natürlich nichts! Man ist schließlich Anleger. Da kommt es höchst uncool, aus Erfahrungen zu lernen. Aus denen anderer eh nicht, denn man weiß es ja schließlich besser als die anderen Deppen. Und aus eigenen nicht, denn da waren immer nur die Umstände schuld und nicht man selbst, so dass es da keinerlei Bedarf zur Nabelschau geben kann. Und so passiert das immer selbe Spielchen immer wieder: Es locken gigantische Gewinne in entzückend kurzer Zeit … und am Ende bleibt nur das leere Konto nebst blutiger Nase. Stichwort: Social Media.

Es ist nur wenige Jahre her, dass die großen Spieler im Bereich des sogenannten „Social Media“ aus dem Nichts entstanden. Im Kielwasser des Siegeszuges des Internets und der zunehmenden Vernetzung der Haushalte entstanden dadurch Möglichkeiten, ohne Kostenaufwand mit Menschen zu kommunizieren, die man ansonsten weder erreichen noch überhaupt hätte finden bzw. wiederfinden können. Noch im letzten Jahr hatte man den Eindruck, das Wachstum dieser Internetplattformen wäre grenzenlos. Denn immer mehr Menschen igelten sich gemütlich auf dem Sofa ein und kommunizierten mit Freunden, Bekannten, aber auch mit wildfremden Menschen (die man per Knopfdruck zu Freunden machen konnte, was früher, als man sich noch persönlich traf, nicht ganz so einfach war), anstatt sich der Pein zu unterziehen, wirklich aus dem Haus zu gehen und echten Menschen die echte Hand zu schütteln.

Zugleich wuchs die Zahl der Nachrichten gigantisch. Den jetzt konnte man der Welt auch mitteilen, dass man gerade aufs Klo geht, die Pizza in den Ofen schiebt oder irgendeine der weiterbildenden Serien im Vorabendfernsehen studiert. Man konnte – und wollte scheinbar – seine berufliche Karriere über entsprechende Plattformen planen, umgestalten, verbessern. Man wollte wissen, was bekannte oder angeblich wichtige Menschen über KurznachrichtenDienste in nur 140 Zeichen der Welt zu sagen hatten. Man war „Freund“, „Follower“, man beurteilte die schöne neue Welt mit einem „Like“. Man?

Es schien wirklich so, als würde diese Art der Kommunikation die Welt schneller überziehen als eine Pandemie. Und natürlich rechnete man sich die Nutzerzahlen und Werbeeinnahmen hoch, wenn erst einmal die ärmeren Regionen der Welt mit dem Segen unbegrenzten Internets versorgt wären. Was schneller gehen könnte, als diese Regionen ausreichend mit Nahrung und Wasser zu versorgen. Und wer dort würde sich noch Sorgen über sauberes Trinkwasser machen, wenn er erstmal 297 Freunde bei Facebook hätte?

Chart-1-1

Die Aktien stiegen insbesondere im vergangenen Jahr, als gäbe es morgen keine mehr. Aber das mit dem „man“ … das scheint sich langsam zu relativieren. Denn es ist/war ein Hype. Und wie gesagt: Man weiß nie, wie lange ein Hype anhält und wohin er führt. Es ist wie mit einem Spielzeug unter dem Weihnachtsbaum. Die Kinder spielen, spielen und spielen nichts anderes mehr … bis es sich „totgespielt“ hat und achtlos in die Ecke wandert. Und das ist das Problem mit „Social Media“. Das ist das Problem, das hier noch zu dem Problem einer hohen Bewertung durch den ungehemmten Run der Anleger auf diese durchs Dorf getriebene Sau hinzukommt und die Risiken gegenüber früheren Hypes an der Börse schlicht verdoppelt. Doch dem nicht genug… ( —> Seite 2)


 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , , ,

2 Kommentare auf "„Doppelblase“ Social Media?"

  1. DCWorld sagt:

    Ein sehr treffender Artikel. So läuft es an der Börse immer ab und immer will man nichts aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. So ist eben die Börse (der Anleger) muss man da wohl sagen.

    P.S. soll das so sein oder ein Tippfehler? Ungemach „dräuen“ könnte

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.