Donnerwetter im April

3. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Da sage doch einer, Finanzmärkte böten wenig Unterhaltung. Allein schon die 6.000 anhängigen Rechtsstreitigkeiten bei der Deutsche Bank lieferten genügend Stoff für einen ganz neuen Fernsehsender, Crime TV oder so ähnlich…

Top-Quoten gäbe es für: „Der mit dem Libor tanzt“, „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ und für „Leistung, die Leiden schafft“. Zumindest dürfen wir bis September im Fernsehen mitverfolgen, wie das Who is Who der Deutschen Bank in München im Nachgang zum Kirch-Prozess vor Gericht sitzt – und das mitten im großartig angekündigten Kulturwandel, der eher einem Kulturbeutel ähnelt. Wie sieht das denn aus?

Früher ein Konto bei der Deutschen Bank zu haben… das hatte schon was. Und heute? Na gut, Postbank-Kunden bekommt die „Deutsche“ ja auch bald los. Der Verkauf erspart dem einstigen Branchen-Primus eine weitere Kapitalerhöhung. Vorerst…

Und die Commerzbank? Man nennt sie auch Kopfschmerzbank oder Kommerz-Amt, da der Bund mit 16 Prozent beteiligt ist. Dieser hat auf der Hauptversammlung die Erhöhung der Boni für die unterbezahlten Regenmacher verhindert. Zumindest hat sich unter Martin Blessing die Aktienzahl durch zehn Kapitalerhöhungen verzwanzigfacht und sich der Kurs gezehntelt. Eine Investition in eine Parkbank war da wesentlich lukrativer. Da weiß man wenigstens, worauf man sitzt.

Auch beim DAX hat es gekracht. 1.000 Punkte in drei Wochen sind weg. Am 15. März noch durften Kleinanleger am „Tag der Aktie“ DAX-Papiere bei über 12.000 Punkte ohne Gebühren kaufen. Der Kursverlust innerhalb von drei Wochen kann man mathematisch mit den Dividenden wieder reinholen, wenn man vier Jahre Geduld hat, sollte der DAX nicht wieder steigen, wovon ja nicht auszugehen ist. Und die ach so sicheren Staatsanleihen sind auch abgesoffen, obwohl die Zentralbanken täglich im Markt kaufen.

Die Experten zumindest waren völlig überrascht. Neulich hieß es von ihnen, Aktien wären alternativlos, der Euro würde fallen und die US-Wirtschaft wachsen. Man sollte die künftigen Prognosen der Spionageabteilung des BND übergeben. Das wäre treffsicherer, vermute ich.

Wie aber kommt die arme US-Notenbankchefin Janet Yellen aus ihrer (Null)Nummer mit der Zinswende in den USA heraus? Nachdem man nicht mehr „geduldig“ ist, wird man sich künftig an den Wirtschaftsdaten orientieren, bzw. an diesen blutig geschlagenen Statistik-Zahlen orientieren. Von daher dürfte man nicht mehr allzuviel erwarten, so dass die Zinsen unten bleiben dürfen/können/müssen. Schwache Wirtschaftsdaten und steigende Leitzinsen wären der perfekte Mix für einen perfekten Sturm. Dann stehen die Regenmacher selbst im Regen und ihnen fliegt der Schirm weg. Ein weiterer möglicher Höhepunkt bei Crime TV. Das Drehbuch wird gerade geschrieben.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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