Dolchstöße in eine Schuldenblase

18. Juni 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Weil es ja angeblich wirtschaftlich so gut in den USA läuft, hat die Notenbank zum vierten Mal den Leitzins erhöht und damit auch die Schulden von Staat, Unternehmen und Privatleuten um ein Prozent verteuert. Wie lange geht das gut?

Vielleicht schon nicht mehr… Auf die US-Gesamtverschuldung von 65 Billionen US-Dollar schlägt ein lächerliches Prozent mit schlappen 650 Milliarden US-Dollar mehr Zinszahlungen im Jahr zu Buche.

Bei vier weiteren Zinsanhebungen, so der Plan, kostet der Spaß dann 1,3 Billionen US-Dollar jährlich mehr. Allein bei 12,8 Billionen US-Dollar Schulden der Privaten müssen sie jetzt schon 128 Milliarden US-Dollar mehr Zinsen aufbringen. Da kommt Freude auf – oder Zahlungsverzüge.

Mir scheint, als liefe die FED mit einer Nadel Amok, um den von ihr produzierten Blasen einen Stich zu versetzen. Dabei gilt, dass überschuldete Wirtschaften dauerhaft auf niedrige Zinsen angewiesen sind, und das nicht nur in den USA. Ich gehe schon mal in Deckung.

Theoretisch müsste der „normale“ Zinssatz bei 3,75 Prozent liegen, sagen kluge Leute. Ich wage stark zu bezweifeln, ohne Anspruch auf Richtigkeit, dass die Zinsen jemals wieder dorthin gebracht werden können, ohne großes Unheil bzw. eine neue Schuldenkrise anzurichten.

Ein erstes Wetterleuchten gibt es schon in den sich verschlechternden Wirtschaftsdaten und einer nur noch schwächer wachsenden Kreditvergabe. Beispielhaft hier nur die Wachstumsraten der Kreditvergabe bei steigenden Zinsen.

Der 1-Monats-Libor hat inzwischen ein 8-Jahreshoch eingestellt. Rekorde sind eben Rekorde! Sollte die US-Notenbank tatsächlich den Zinssatz höher setzen, fliegt ihr vielleicht schon in Kürze und natürlich für Experten völlig überraschend der Schuldenladen um die Ohren. Und die Börsen gleich mit.

Spätestens dann, wenn die Börsen fallen, wird man die Gelddrucker anflehen, die Schulden mit neuen Schulden zu bekämpfen um dann noch größere Finanzblasen aufzupumpen. Der Job eines Notenbankers ist denkbar einfach und mit dem eines Glasers zu vergleichen, welcher nachts die Fenster mit Steinen einwirft und am nächsten Tag den Leuten neue Scheiben verkauft.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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