Dividenden als zweifelhaftes Geschenk

7. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Die Dividendensaison steht vor der Tür. Also die Zeit, Schwerpunkt Frühjahr, in der Aktionäre von ihren Unternehmen viel Geld ausgezahlt bekommen. Wie in den Jahren zuvor, wahrscheinlich sogar etwas mehr. Aber wo bleibt der Jubel der Aktionäre?

Er ist verhallt und lässt sie jetzt Trübsal blasen. Denn die Aktienkurse sind eingebrochen, an der deutschen Börse noch mehr als an anderen großen Börsenplätzen, sieht man mal von den Kurseskapaden in China ab, wo nach dem chinesischen Kalender gerade das Jahr des Affen beginnt, traditionell ein unruhiges Jahr.

Die Unruhe hat auch den Edelmetallsektor erfasst, allerdings im positiven Sinn: Die Kurse einiger Goldaktien, etwa DRDGold (Kurs seit August letzten Jahres verdreifacht) und Harmony Gold (Kurs seit November vervierfacht) haben aus dem Stand eine flotte Performance gezeigt.

Optimisten unter den Anlegern trösten sich mit hohen Dividendenrenditen. Der Finanzdienst Bloomberg hat neulich, als die Aktienkurse noch einen Tick freundlicher notierten als in der abgelaufenen Woche, die folgenden Top-Renditen der im Deutschen Aktineindex Dax enthaltenen Aktien ausgerechnet: Allianz 5,0 Prozent, Daimler 5,1 Prozent, Eon 5,4 Prozent und K+S sogar 5,6 Prozent. Mittlerweile sind die Prozentsätze noch etwas gestiegen, weil die Kurse gefallen sind. Die von Eon und K+S befinden sich gar seit Jahren im Abwärtstrend.

Was zunächst verwirrend erscheinen mag, entpuppt sich schnell als einfache Arithmetik. Denn Dividendenrendite bedeutet: Dividende dividiert durch den Aktienkurs und das Ergebnis mal 100.

In Anbetracht der jüngsten Kursverluste sind Dividenden also ein zweifelhaftes Geschenk. Dies umso mehr, als sie jeweils einen Tag nach der Hauptversammlung eines Unternehmens auch noch vom Kurs abgeschlagen werden. Immerhin können sich langfristig orientierte Anleger damit trösten, dass die Kurse irgendwann wieder steigen und dass Abschläge auf Dividenden aufgeholt werden, falls es sich um Unternehmen handelt, deren Gewinne die Ausschüttung von Dividenden auf Dauer ermöglichen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass ein günstiger Einstiegskurs, also das richtige Timing, das A und O einer erfolgreichen Aktienanlage ist.

Anleger lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: private und institutionelle. Die Grenzen verschwimmen zwar immer mehr, weil man vor lauter verschiedenen Arten von Vermögensverwaltern, Hedgefonds, Family Offices, Algotraders und sogenannten Heuschrecken (Ausbeuter in Gestalt von „private equity“) nicht mehr genau ermitteln kann, welcher Kategorie sie eher zuzuschreiben sind. Aber eines steht allemal fest: Private Anleger in dem Sinn, dass sie eigenständig Aktien kaufen, um langfristig Vermögen aufzubauen oder fürs Alter vorzusorgen, bilden eine immer kleiner werdende Minderheit.

Falls sie sich überhaupt für Aktien interessieren, werden sie zunehmend von Banken, Sparkassen und Finanzvertrieben zur Anlage in Aktienfonds oder – viel schlimmer – in zu teuren Fondspolicen auf Basis von Aktien überredet. Meistens nach dem Motto: Fonds werden professionell gemanagt und streuen das Risiko, indem sie viele Aktien kaufen. Dabei gehen gerade Fondsmanager spezifische Risiken ein, von denen die meisten privaten Anleger allerdings wenig erfahren.

Das Risiko, beim Timing falsch zu liegen, teilen sich beide Gruppen. Das Liquiditätsrisiko liegt indes vor allem bei den Fonds. Damit ist Folgendes gemeint:

Erstens lassen sich Zu- und Abflüsse vonseiten der Aktienfonds-Anleger nur bedingt steuern, und zweitens investieren private Anleger ihr Geld erfahrungsgemäß eher pro- als antizyklisch. Das heißt, sie machen den Fondsmanagern das Leben schwer, indem sie ihnen auf dem Kursgipfel besonders viel Geld anvertrauen und es ihnen im Kurstal massenweise entziehen.

Das Gipfelgeld fließt üblicherweise zur falschen Zeit in Aktien rein, das Talgeld zur falschen Zeit aus Aktien raus: Die Liquidität ist bei hohen Aktienkursen überreichlich vorhanden; durch ihre Umwandlung in Aktien kommt es erst zu gefährlichen Kursblasen und danach – wie jetzt – zum Kurssturz.

Bei deutschen Aktien kommt erschwerend hinzu, dass sie sich überwiegend in ausländischer Hand befinden. Allein BlackRock, die führende amerikanische Vermögensverwaltung, hält 8,14 Prozent an Vonovia, 6,64 Prozent an der Münchener Rück, 6,63 Prozent an der Deutschen Bank, 6,61 Prozent an Bayer und 6,59 Prozent an Eon (Quelle: comdirect). Verkauft sie auch nur einen Bruchteil davon, bricht der deutsche Aktienmarkt noch viel tiefer ein. Bei Gold- und Silberaktien geschieht zurzeit übrigens das Gegenteil – mit weiterem Kurspotenzial nach oben.
Manfred Gburek – Homepage

 

2 Kommentare auf "Dividenden als zweifelhaftes Geschenk"

  1. N. Ritter sagt:

    Vielleicht sollte man ergänzen, dass Dividenden immer ein „zweifelhaftes Geschenk“ sind. Der Aktionär wird durch eine Dividendenzahlung nun mal genausowenig reicher, wie durch eine Auszahlung vom eigenen Girokonto.
    Der einzige Vorteil ist, dass man nicht Teile des Bestandes verkaufen muss, um laufende Einnahmen zu erzielen.

  2. Lickneeson sagt:

    „Das Gipfelgeld fließt üblicherweise zur falschen Zeit in Aktien rein, das Talgeld zur falschen Zeit aus Aktien raus: Die Liquidität ist bei hohen Aktienkursen überreichlich vorhanden; durch ihre Umwandlung in Aktien kommt es erst zu gefährlichen Kursblasen und danach – wie jetzt – zum Kurssturz.“

    Eine zutiefst menschliche Eigenschaft. Man schliesst sich der Herde an um sich „sicherer“ zu fühlen. Wenn man dann verliert – ist man zumindest nicht der einzige Dummkopf. Aus meiner Erfahrung ist es ( mit etwas Übung + Disziplin) viel einfacher und um Längen ertragreicher sich die Werte auf die Watchlist/ Depot zu legen von denen gerade niemand etwas wissen will. Das braucht Ausdauer, verursacht mitunter Schmerzen, aber es lohnt sich.

    Zur Zeit lachen alle über Öl, Basismetalle einen fallenden Bund Future.

    MfG

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