Dividenden als Trostpflaster

27. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

In der März-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest bin ich über einen recht umfangreichen Beitrag zum Thema Dividenden gestoßen. Im Vorspann heißt es:

„Allein die Dax-Konzerne schütten rund 30 Milliarden Euro aus. Das tröstet über den schlechten Börsenjahresstart hinweg.“

Wirklich? Zumal, wenn es kurz darauf heißt:

„Die Ausschüttungen fließen auch dieses Jahr üppig und gleichen Kursverluste zumindest teilweise aus.“

Am ersten Teil dieses Satzes ist nicht zu rütteln, am zweiten sehr wohl. Gut, zwischen dem Verfassen des Beitrags und seiner Veröffentlichung ist etwas Zeit vergangen, in der die Aktienkurse gepurzelt sind – Künstlerpech. Doch ich will auf etwas anderes hinaus: Wer Aktien kaufen möchte oder schon welche besitzt, muss von mehreren Seiten aus ins Detail gehen, und da spielen nicht immer Dividenden die Hauptrolle, sondern Kursgewinne und -verluste, je nach Börsentrend.

Legen wir damit doch gleich los: Der Dax hat sich vom Jahresbeginn 2009 bis zum Frühjahr 2015 mehr als verdreifacht. In dieser Zeit sind zwar auch üppige Dividenden geflossen. Aber weil der Dax nicht ein Kursindex ist, sondern ein Performanceindex, in dem neben der Kurentwicklung auch die Dividenden enthalten sind, relativiert sich die Üppigkeit ein wenig.

Immerhin, die Dax-Performance kann sich sehen lassen; und auch wenn man weitere Zeitabschnitte heranzieht, ist sie beachtlich: vom Spätsommer 2011 bis zum Frühjahr 2015 plus 150 Prozent und im kurzen Zeitabschnitt vom Spätsommer 2014 bis zum Frühjahr 2015 über 40 Prozent.

Wahrscheinlich ist es weder privaten Anlegern noch den besten Fondsmanagern gelungen, die zwischenzeitlichen Auf- und Abwärtszyklen für noch höhere Kursgewinne als die hier genannten optimal zu nutzen. Doch das ist für die meisten Anleger weniger entscheidend, als den Gesamtertrag aus Dividenden und Kursgewinnen abzüglich Kursverlusten individuell mit klarem Blick auf die eigenen Anlageziele so zu steuern, dass er mehr ausmacht als die Erträge anderer Anlagen, etwa aus Fonds, Anleihen oder Immobilien.

Das ist zwar alles andere als eine leichte Aufgabe, aber man sollte jegliche Versuche unternehmen, dahin zu kommen – allein schon dadurch, dass Sie das Geschehen an der Börse verfolgen und sich Gedanken über die möglichen Ursachen machen. Das ist aktuell besonders reizvoll, denn wir haben es mit einer nachhaltigen, die Kurse deutscher Aktien besonders nach unten ziehenden Baisse zu tun, die nur hin und wieder von technischen Kurserholungen unterbrochen wird. Dividenden entsprechen in diesem Szenario eher einem Trostpflaster, wie ja auch die Zeitschrift Finanztest betont. In so einer Börsenphase empfiehlt es sich, besonders wachsam zu sein. Irgendwann wird die Baisse ausgestanden sein und die nächste Hausse beginnen – später, viel später.

Zum Timing habe ich in verschiedenen Kolumnen empfohlen, den VDax genau unter die Lupe zu nehmen. Sie finden ihn im Internet zum Beispiel bei comdirect.de und finanzen.net. V steht für Volatilität, also Schwankung. Was dahintersteckt, ist nicht mit einem Satz zu erklären; deshalb komme ich gleich auf den Punkt: Schießt der VDax, der zurzeit um den Wert 30 pendelt, kräftig in die Höhe, etwa über den Wert 50 (wie im Spätsommer 2011) oder sogar auf 80 (wie um die Jahreswende 2008/09), dürfte der ideale Kaufzeitpunkt erreicht sein. Und zwar unter der weiteren Voraussetzung, dass der VDax nach Erreichen des Höchstwerts fällt, ohne sich nochmals an diesen heranzupirschen.

Welche Aktien Sie dann kaufen, hängt von Ihren Anlagezielen ab. Als ungebundener junger Mensch werden Sie womöglich eher zu Aktien aus MDax, SDax oder TecDax greifen. Im höheren Alter sollten Sie sich dagegen auf Aktien mit hoher Dividendenrendite konzentrieren. Da ich zu dieser Altersgruppe gehöre, kann ich mir einen Rat nicht verkneifen: Falls Sie bereits das Rentenalter überschritten haben oder kurz davor stehen, sollten Sie sich – bis auf einen bestimmten Bodensatz an Aktien mit starken Kursschwankungen, die Sie in Spekulationsabsicht gekauft haben – auf Aktien mit hohen und stabilen bis steigenden Dividenden konzentrieren, beispielsweise Deutsche Telekom, Fresenius, Roche oder Novartis.

Aber nochmals: Für eine optimale Ausbeute ist das Timing entscheidend. Wobei es neben dem VDax auch noch andere Timinghilfen gibt. Ich denke da – kein Spaß – an Schlagzeilen auf den ersten Seiten der Mainstream-Medien unter Führung der Bild-Zeitung.

Und noch ein Tipp, der eher aus dem Reich der Psychologie stammt, die an der Börse wie auch im Rahmen der persönlichen Finanzen eine entscheidende Rolle spielen kann: Zwingen Sie sich beim Wechsel aus dem Berufs- ins Rentenalter zum Abschied von Aktien mit stark schwankenden, den Blutdruck allzu stark belastenden Kursen – bis auf den erwähnten Bodensatz. Dieser Abschied wird Ihnen wahrscheinlich schwer fallen. Zwingen Sie sich trotzdem.
Manfred Gburek – Homepage

 

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