Diesmal ist alles anders!

4. Juli 2017 | Kategorie: RottMeyer

EZB:

Im Juni musste die EZB die Nicht-Überlebensfähigkeit von gleich zwei der von ihr als systemrelevant eingestuften italienischen Banken (Veneto Banca und Banco Popolare di Vicenza) feststellen.

Doch statt einer Abwicklung gemäß der EU-Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten (BRRD) durfte der italienische Staat die beiden bereits im 2014er-EZB-Stresstest durchgefallenen Banken ohne Gläubigerbeteiligung „retten“ und dem Steuerzahler nun eine saftige 17 Mrd. Euro Rechnung präsentieren!

Deutlich beweist diese Farce wieder einmal, dass EU-Verträge nicht das Blatt Papier wert sind, auf dem sie unterschrieben wurden. Bei faulen Krediten von über 1.000 Mrd. Euro in Europas Banken können sich die Steuerzahler also noch auf einige saftige Rechnungen gefasst machen.

Fed:

Wie erwartet erhöhte die US-Notenbank im Juni das Leitzinsband auf 1-1,25%, doch unter Berücksichtigung der Inflationsrate blieben die kurzfristigen Zinsen damit weiterhin im negativen Terrain. Zwar deutete die Fed noch eine weitere Zinsanhebung zum Jahresende hin an, aber angesichts der aktuell schwachen Konjunkturdaten ist dahinter ein dickes Fragezeichen zu machen. Die FOMC-Sitzung sollte aber auch konkrete Hinweise auf den Start der Verkürzung der 4.463 Mrd. USD schweren Fed-Bilanz bringen, doch einmal mehr betrieb die Fed hier nur nebulöses Erwartungsmanagement.

Konjunktur:

Während der US-Zentralbanker Williams ohne ein Festhalten an weiteren Zinsschritten ein „Überhitzen“ der US-Wirtschaft fürchtet, zeigen die im Citibank Macro Surprise Index zusammengefassten schlechter oder besser als erwartet ausgefallenen wichtigsten volkswirtschaftlichen Kennziffern (BIP, Hauspreis- und Einkaufsmanager-Index, Verbrauchervertrauen, Arbeitslosenquote etc.), dass der US-Wirtschaft derzeit alles, nur keine Überhitzung droht.

Folglich ist auch die am 1. Mai veröffentlichte, extrem hohe erste 4,3%-Q2-Wachstumsprognose der Fed of Atlanta zuletzt auf nur noch 2,7% geschrumpft. Doch selbst diese dürfte sich aufgrund des sich immer stärker verlangsamenden Kreditwachstums oder der gravierenden US-Einzelhandelsprobleme als pures Wunschdenken erweisen.

Finanzmärkte:

Die Hausse an den Aktienmärkten nährt weiter die Hausse und entsprechend fällt die Volatilität auf immer neue historische Tiefs. Wie schon vor dem Platzen der Internetblase oder vor der letzten Finanzkrise ist man sich nach acht Jahren Dauer-Hausse immer sicherer, dass „dieses Mal alles anders sei“. Die sich zuletzt häufenden Warnzeichen werden konsequent ignoriert, auch „dank“ einer von ihrem Wirken völlig euphorisierten US-Fed-Chefin Yellen.

Obwohl die nicht überwundene Finanzkrise den Notenbankern immer noch alles abfordert, verkündete die Fed-Chefin, dass eine „nächste Finanzkrise“ zwar nicht kategorisch auszuschließen sei, trotzdem sei sie sich aber sicher, dass eine solche „zu unseren Lebzeiten nicht mehr passieren“ wird.

Möge die mit ihrer spitzen (Zins-)Nadel gerade die Widerstandskraft der zahlreichen und zugleich größten Finanzblasen der Geschichte testende Frau Yellen recht behalten, doch die US-Zins- und Krisengeschichte verrät, dass auch für die Fed nur eines gelten wird: Dieses Mal ist nichts anders!



Fondsmanager-Kommentar:

Im ersten Halbjahr verzeichneten die Edelmetalle eine volatile Seitwärtsbewegung, wobei die hochvolumigen manipulativen COMEX-Derivate-Attacken auf den Goldpreis, zuletzt wieder am 26. Juni mit einem blitzartigen 54t-Räumungsverkauf, gehäuft zu beobachten waren.

Wenn man aber bedenkt, dass die Notenbanken seit 2009 einerseits wieder Nettokäufer des Edelmetalls sind, und sie andererseits in den ersten fünf Monaten dieses Jahres zur Stützung des offenkundig immer akuter wackelnden Finanzsystems beispiellose 1.500 Mrd. USD (!) an neuem Zentralbankgeld erschaffen mussten, dann offenbart sich für jedermann darin eine völlig aus den Fugen geratene Finanzwelt, in der die Geldmetalle Gold und Silber die ultimative Versicherung repräsentieren. Da die langfristigen Trends einen engen Zusammenhang zwischen Geldvermehrung und Goldpreisentwicklung aufzeigen, sind Kursziele von 3.000 USD (und mehr) für das Edelmetall keinesfalls als utopisch anzusehen.

© Mack & Weise – Homepage

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