Diesmal ist alles anders

16. März 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Oha, nun hat Janet Yellen die Zinsen angehoben. Die FED-Chefin und Schutzheilige der Finanzmärkte hatte die „Märkte“ darauf vorbereitet, dass sie das Geld teurer machen wird. Und wenn es schief geht, wird sie auch gebraucht. Notenbank-Chef müsste man sein!

Der Job der Notenbankers ist dankbar. Erst pumpen sie Blasen auf und dann reparieren sie diese mit frischem Geld. Danach genießen sie ihre Pension oder die Einkommen aus Vorträgen von einer halben Million Euro für eine Stunde Gerede. Dabei leuchtet immer ihr Heiligenschein. Niemand kann ihn ausknipsen, so nah an Gott, wie die Welt vermutet.

Nur der alte Greenspan arbeitet immer noch daran, seinen Ruf zu retten. Neulich sagte er, Gold wäre eine Währung ohne Ausfallrisiko. Als Chef des Geldes der FED war er damals noch anderer Meinung, hatte sich aber diese damals neu zugelegt und sich vom Gold abgewandt, jedenfalls öffentlich, solange er als Magier galt. Greenspan ist der Mann der drei Gesichter, der drei Karrieren und der drei Personen. Um seinen Ruf zu retten, wenn das überhaupt möglich ist, wird er irgendwann im Alter von 110 Jahren noch bei CNBC auftreten. Wo ein Wille ist, ist auch ein Fernsehsender. 

Nun aber hebt die FED die Zinsen an..  0,75 – 1,00 Prozent. Was haben die Experten die ganze Zeit geredet? Höhere Leitzinsen sind schlecht für Gold. Hoppla!

Höhere Leitzinsen sind schlecht für Silber. Hoppla!

Und die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa wird größer. Das wird den US-Dollar stärkten und den Euro drücken. Hoppla!

Und was sagen die Experten in den kommenden Tagen? Wahrscheinlich….  „Wie wir immer schon sagten…“ Und diesmal ist alles anders…

Ich bin wirklich gespannt, wie weit die FED die Zinsen anheben kann, ohne die Börsen und Blasengebilde anzustechen – also die Verschuldung der US-Bürger für Autos, Häuser, Konsum und Studium nebst der Verschuldung der USA von derzeit rund 20 Billionen US-Dollar. Diese Blasen suchen ihre Nadeln, wurden nur daran gehindert, das zu tun, was Blasen so tun, zu platzen. Zuvor können sie viel größere Ausmaße bis hin zum Mars erreichen. 

Frau Yellen fuchtelt gerade mit dieser Nadel herum. Oder einem Besenstiel? Und wenn ihr die Iden des März oder auch der kommenden Monate gnädig sind, (Cave Idus Martias!) findet ihre Nadel diese Blase. Sie muss nur die Zinsen entsprechend erhöhen. Aber vielleicht kann sie zaubern wie Greenspan, dass die Leute noch mehr Schulden aufnehmen, meist variabel, und dafür höhere Zinsen bezahlen. Ich freue mich auf das Spektakel.

Sollte es zu einem Unfall kommen, den im Vorfeld niemand ankündigen wird, wird das Übliche passieren: Erst geht es an den Märkten abwärts und kurz danach in der Öffentlichkeit. Dann wird man rufen, die FED möge wieder helfen. Zuerst werden sich die Geldhüter zieren, wollen sie doch zum Jagen getragen werden. Und dann werden sie die Retter sein. Notenbanker haben immer zu tun, ob in guten oder schlechten Zeiten.

Diesmal ist alles anders…

Ich weiß, das sind Blicke in eine trübe Glaskugel, denn diesmal ist alles anders. Am Mittwoch bekam ich Post. 

Hallo Herr Meyer, Sie versuchen Ihren Gesprächspartnern immer zu entlocken dass Aktien zu teuer sind und die Hausse bald zu Ende sein muss, klappt aber nicht. Ist schon blöd wenn die Aktien laufen und laufen und man nicht dabei ist. Das mekt man Ihnen an. Was ist wenn die Hausse noch gar nicht so alt ist? Erst seit Herbst letzten Jahres läuft. Das haben die wenigsten auf Ihrem schirm, da müssen noch viele Ihre Cashbestände abbauen. Bin seit Jahren voll investiert und es läuft.

1) Es ist schon richtig, dass ich meine Gesprächspartner danach frage, ob die Bewertung für den Aktienmarkt zu hoch sei. Das könnte irgendwie mit meinem Job zu tun haben – zu fragen. Doch jeder sagte bislang, Aktien wären billig und es gäbe keine Alternative. Ich werde den Leuten im Interview nicht ans Schienbein treten, dass sie mir das Gegenteil sagen, also dass Aktien nicht zu teuer wären.

2) Ist schon blöd, wenn es läuft und man nicht dabei ist… Wer ist „man“? Ein Theoretikus? Übrigens hat man es mir 2007 auch angemerkt, dass ich meine Zweifel an der Superhausse hatte. Okay, das danach vergessen wir mal schnell. Ich schaue ja nur auf historischen Charts. Das mag wirklich falsch sein, denn diese Welt ist heute eine andere als früher. Sie riecht mehr nach Sozialismus und weniger nach Markt. 

3) Ja, es kann durchaus sein, dass diese Hausse ziemlich alt ist. Aber die neue Hausse ist ja erst ein paar Monate alt und läuft ganz unbemerkt vor sich hin…

(Danke für den Anhang!)

4) Ja, vielleicht werden noch viele Leute ihre Chashbestände abbauen. Es ist ja auch sinnlos, überschüssiges und unverzinstes Geld auf der hohen Kante liegen zu haben, wo es doch Dividenden gibt. Die Anlageberater und Geldschieber werden nicht müde, dieses Argument zu bemühen und behielten bislang recht. Gibt es nichts Billigeres als Aktien?

5) Klasse, wenn man voll investiert ist und es läuft. Das Dumme ist nur, das ist der Blick in den Rückspiegel. Muss es deshalb auch morgen funktionieren? Warum denke ich da gerade an mein Auto. Mit dem Blick in den Rückspiegel sich auf der Autobahn mit 180 Sachen nach vorn zu orientieren, hey, super Idee. Wir wünschen viel Glück!

Glück wünschen wir auch Frau Yellen. Sie hat es irgendwie in der Hand. Wenn sie eine vermeintliche Blase anstechen sollte, dann wird man sie rufen, diese wieder zu flicken, Der Job eines Notenbankchefs ist dankbar. Ob in guten oder schlechten Zeiten. Und dass es diesmal ganz anders sein wird als damals, ist nicht mehr und nicht weniger auch das, was das ganze Leben ist – eine Spekulation, aber keine Gewissheit.

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Ein Kommentar auf "Diesmal ist alles anders"

  1. cubus53 sagt:

    Wir Deutsche exportieren also weiter PKWs von Audi, Mercedes und Porsche in die USA und bekommen als Gegenwert bunte Zettel, auf den Zahlen stehen. Diesen Tauschhandel nennen die Politiker Exportweltmeister. Ich nenne es Arbeit ohne Gegenwert. Wie wäre es, unsere Autos gegen die Lieferung von Gold auszugleichen ? Allein das macht den Betrug deutlich.

    Nun hat die FED beschlossen, die Zinsen anzuheben. Am Ende bekommen wir also nicht nur 100 bunte Zettel für unsere Arbeit, sondern noch einen extra Zettel oben drauf. Wow !

    Früher haben die ersten fremden Siedler in den USA Tierfelle und andere Rohstoffe von den Indianern gekauft, als Gegenwert gab es billige Glasperlen. Daran hat sich nichts geändert, aber die Indianer von heute (wir) sind auch nicht klüger geworden.

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