Dieser Markt ist wie die Titanic, die einen Eisberg sucht

12. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Was war das für ein Geräusch? Haben Sie einen kleinen Schubser gespürt? Nein… keine Sorge. Gehen Sie zurück in Ihre Kabine und schlafen Sie gut. Gerade dann, wenn es so gut läuft! Mit all dem Wirtschaftswachstum! All den neuen Jobs!

Wir sind davor, zu glauben, dass sich die US-Wirtschaft wirklich vom Schick von 2008 erholt hat. Was weiß der Aktienmarkt, was diese schönen Zahlen uns nicht sagen? Könnte da mehr dahinterstehen? Haben Russland und Argentinien die Investoren erschreckt?

Erinnern Sie sich – wenn man nur die schlimmsten Tage des Jahres vermeiden könnte…dann wären unsere Leben viel, viel besser. Denken Sie einmal, wie viel schöner das Leben von Julius Caesar hätte sein können, wenn er an den Iden des März zu Hause geblieben wäre, wie es ihm seine Frau Calpurnia geraten hatte. Denken Sie einmal, wieviel mehr die Passagiere die Überfahrt genossen hätten, wenn Sie die Nacht vergessen könnten, in welcher die Titanic einen Eisberg traf.

Und was die Investoren betrifft – wenn die nur an den 10 schlimmsten Tagen der letzten 25 Jahre ausschließlich Cash gehalten hätten, dann wäre ihre jährliche Rendite ca. 60% höher. Keine Sorge. Die jüngsten Kursrückgänge waren kaum einer der 10 schlimmsten Tage. Das waren keine guten Tage. Aber auch nicht fürchterlich. Das wiederum lässt mich fragen: Liegen die schlimmsten Tage bereits hinter uns, wie ein Eisberg da hinten? Oder vor uns? Und wenn das so ist – wo? Es gibt zwei mögliche Gründe für den Selloff.

Die Sanktionen gegen Russland…und den Zahlungsausfall Argentiniens. Was den Zahlungsausfall Argentiniens betrifft: Jeder, den das überrascht, muss nicht aufgepasst haben. Argentinien ist seit langer Zeit mit hohen Risiken behaftet. Die Gauchos haben eine ganz andere Einstellung, wenn es um das Bezahlen ihrer Rechnungen geht. Unten auf den Pampas, wenn man da seine Schulden nicht bezahlt, dann versteckt man sich nicht schamvoll und sucht nach einem geladenen Revolver. Nein, man geht ins Fernsehen und erklärt, warum man ein nationaler Held ist. Das tat Axel Kicillof. Das ist der 42jährige Wirtschaftsminister des Landes. Und er möchte der nächste Präsident werden.

Cristina Fernndez de Kirchner, die derzeitige Präsidentin, hilft ihm dabei.

Wer hat die Eisberge nicht gesehen?

Argentinien hat rechtzeitig 539 Mio. Dollar für Zinszahlungen einer 2033 fälligen Anleihe bereitgestellt. Das Problem war, dass der US-Richter Thomas Griesa die Zahlung als illegal bezeichnete, weil die seinem Urteil zu diesem Fall widersprach. Griesa hat es klar gemacht, dass Argentinien auch eine vom Gericht angeordnete Zahlung von 1,33 Mrd. Dollar plus Zinsen an die Kläger (Hedgefonds) zahlen müsse, wenn es nicht als zahlungsunfähig dastehen wolle. Dies lässt mich fragen, warum ein einziger Investor wegen des Zahlungsunfalls überrascht sein kann.

Dasselbe gilt auch für die Sanktionen gegen Russland. Wer hat diesen Eisberg nicht gesehen? Wer denkt, dass US-Aktien – IBM, GE, Amazon, welche auch immer – weniger wert sein sollen, weil Russland sich nun einer weniger freundlichen Welt gegenübersieht? Meine Einschätzung ist, dass diese Nachrichten wenige Auswirkungen auf den wirklichen Wert von US-Aktien haben. Stattdessen machen sich die Investoren wegen anderer Dinge Sorgen. Vielleicht fürchten sie, dass der Ausblick für die Wirtschaft nicht so rosig ist, wie sie dachten. Vielleicht fragen sie sich, warum sie so viel Geld für Unternehmen zahlen, deren Gewinne bereits den Zenit erreicht haben und deren Wachstum zweifelhaft ist.

Selbst mit TARP, TALF, ZIRP, QE, “Operation Twist” – und all den anderen Stimulierungsmaßnahmen, welche der Fed einfallen – lag das reale Wachstum der US-Wirtschaft in den letzten 7 Jahren bei nur 0,9% pro Jahr. Was wird passieren, wenn sich die Umstände „normalisieren“? Und steht nicht eine Normalisierung bevor? „Wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter schneller als erwartet verbessert“, so Janet Yellen, „dann werden Erhöhungen der Leitzinsen schneller als derzeit anvisiert eintreten.“ Im Weißen Meer…oder im Südatlantik?

Ich weiß nicht, wo der Eisberg ist, aber ich habe keinen Zweifel, dass der Markt ihn finden wird. (Seite 2)



 

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Ein Kommentar auf "Dieser Markt ist wie die Titanic, die einen Eisberg sucht"

  1. Michael sagt:

    Die Anleger sollen sich lassen locken. Wer sitzt, wenn schon nicht am Eisberg zumindest im Rhein?
    https://www.youtube.com/watch?v=V-AoaZpWs-A

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