Diesel-Gate: Kippt Volkswagen um?

23. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

So so… Volkswagen hat also betrogen. Wo wird eigentlich nicht manipuliert? Wenn herauskommen würde, wie die wirklichen Testergebnisse der Banken-Stresstests ausgefallen sind, oha, dann hätten wir schon den nächsten Aufreger. Doch wer versteht die Bilanzierung oder Auslegungssache heute noch? Vielleicht die Amerikaner?

Ich hatte mich immer schon gewundert, weil mein Auto ständig viel mehr Diesel benötigt, als in den Unterlagen ausgewiesen ist. Also stößt mein Wagen auch entsprechend mehr Dreck aus. Das aber liegt an mir, denn ich fahre ja auf den Straßen umher und nicht im Testlabor herum.

Die arme Umwelt! Das würde auch erklären, warum der Sommer zu warm war … und der letzte Winter zu mild … und warum hier im Ort die Kastanien durch Säulenkakteen und Palmen ersetzt wurden. Und warum der Rhein wegen der Dürre einen Pegel von -3,40 Meter aufweist und theoretisch nur noch unterirdisch fließt, wenn überhaupt. Endlich wissen wir es: Winterkorn war schuld am Sommer, der nie vergeht. Vielleicht aber auch die anderen Autobauer?

Der arme DAX! Die 8000er Marke gilt als die „Mutter aller Unterstützungen“.

Also wenn ich mir so die Auto-Werbespots anschaue, habe ich den Eindruck, Autofahrer wollen auch betrogen werden. Doch was sich da als Bräune in meinem Gesicht die ganzen Jahre gezeigt hat, war offenbar nur Ruß und Dreck. Das Gefühl des Erstickens am Steuer ist wohl doch durch Stickoxyde verursacht worden und nicht durch die Nachrichten im Radio. Werden die Steuern für meine „Dreckschleuder“ rückwirkend erhöht? Oder muss ich das Auto sofort stilllegen lassen?

Die Politiker zeigen sich entsetzt, dass ihre klimaneutralen CO2-Schleudern Mogelpackungen sind, in denen auch noch die Modepackungen, also die Politiker herumgefahren werden. Und unsere Klimakanzlerin fordert die totale Transparenz. Die Elektroautos dürften sich vor Freude mit Batteriesäure eingenässt haben wie die Anwälte. Je höher die Schadensersatzforderung, desto höher das Honorar.

Wie konnte das nur passieren und auch noch auffallen? Und dann noch der zeitliche Zufall! Die Bundesregierung weiß davon offenbar schon länger. Das zumindest geht aus einer kleinen Anfrage der Grünen vom 28. Juli hervor. Kleine Anfrage, keine Wirkung. Maut-Experte und Verkehrsminister Dobrindt forderte reflexartig eine „vollumfängliche Aufklärung und Transparenz“. Vielleicht muss er nur im Schreibtisch suchen? Wir wissen es nicht.  Ob da gekungelt wurde? Nein, nicht doch! Wenn ja, wo nicht? Ein Abgastest für Politikersprech sollte eigentlich auch eingeführt werden. 

Nein, das ist alles völlig überraschend wie das Treiben in der Fifa, der Ausbruch des Ätna, Mauscheleien beim ADAC oder dem Berliner Flughafen, der bald zu einem Kunst-Objekt umgewidmet wird, wofür er ja immer geplant war.

Zumindest hat es die VW-Aktien zerrissen, die Vorzüge und Stämme und auch noch die Anleihen, dazu auch noch die Porsche-Aktien. Ritschratsch… 60 Prozent Minus seit Jahresanfang haben schon was. Von Null auf 100 beschleunigt so ein Auto in zehn Sekunden. Von 170 auf 105 Euro geht die Aktie in zwei Tagen.

Winterkorn bleibt. Oder auch nicht. Oder doch? Zupfen Sie die Blütenblätter aus dem letzten Gänseblümchen vor Winter(korn)Einbruch. Er arbeitet doch nicht an der Kasse eines Supermarktes und hat einen Pfandbon unterschlagen. Der VW-Chef sagte: „Ich gebe Ihnen mein Wort, bei all dem werden wir mit der größtmöglichen Offenheit und Transparenz vorgehen.“ Was bedeutet größtmöglich? Was ist überhaupt möglich?

Was weiß die Börse was wir nicht wissen? Volkswagen-Papiere haben 27 Milliarden Euro an Börsenwert eingebüßt. Ist das der maximale Schaden? Dazu kommen ja noch die früher im DAX gelisteten Stamm-Aktien. Au, das kann teuer werden.

Hat die Staatsanwaltschaft in Wolfsburg eigentlich schon Unterlagen gesichert? Oder muss man den Verantwortlichen dort etwas mehr Vorsprung auf dem Weg zum Aktenvernichter geben?  Moment mal, ist Niedersachsen nicht an VW mit 20 Prozent beteiligt? Wenn Politik im Aufsichtsrat sitzt, muss es ja nicht heißen, dass man die Dinge verstehen muss.

Da mussten erst die Amerikaner den Betrug aufdecken. Verschwörungstheoretiker behaupten, sie machen „Made in Germany“ kaputt. Jetzt ist der Wurm drin. Zu spät ist es auch. Da CO2 und der andere Dreck mit Verzögerung wirken, können wir die Wintersachen jetzt wohl im Schrank lassen. Also wenn das der größte anzunehmende Schaden für die Menschheit ist, dann möchte ich dem Winterkorn schon jetzt mal für den ewigen Sommer danken. Und aus Berlin wird es heißen „Ja, wir schaffen das!“ Auch wenn der Slogan bei VW künftig heißt: “Freude am Sparen“. Ach, das war BMW...

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