Die Welt in Unordnung

7. April 2009 | Kategorie: Kommentare

Jetzt werden die Krisenfahnen eingeholt, während sich die wirtschaftliche Talfahrt weiter beschleunigt. Das ist aber alles halb so wild, denn darum kümmern sich Notenbanken und Regierungen. Ein paar Billionen hier, ein paar Milliarden dort, wer will sich darüber schon beunruhigen, hat man sich doch an diese Begrifflichkeiten längst gewöhnt. Eine Billiarde wäre eine Zahl für die nächste Runde von Schwierigkeiten. Simbabwe dauert aber noch etwas…

Der IWF schätzt, dass die Summe der giftigen Wertpapiere in den Bilanzen von Banken und Versicherungen auf 4 Billionen USD ansteigen wird. Dabei war im Januar noch von 2,2 Billionen Dollar die Rede. Erschrecken Sie etwa bei der Summe? Ach was! Nach einer Phase der Gewöhnung sollten Sie jetzt endlich mal ganz hurtig zum Alltag übergehen. Um die giftigen 3,2 Billionen Dollar in Amerika würde ich mir auch keine Sorgen machen. Notfalls kümmert sich die Notenbank darum. Daher doch auch ihr Name…

Die UBS wirbt übrigens nicht mehr mit dem Slogan You & Us – UBS. Die Kampagne wurde Mitte März „aufgrund der kommunizierten Kostensparmaxime vollständig gestoppt,“ bestätigt UBS-Sprecherin Rebeca Garcia. Vielleicht war der Slogan auch etwas altmodisch…?

Der überaus erfolgreiche Weltfinanzgipfel hat eine Verdreifachung der Mittel für den IWF auf 750 Mrd. USD beschlossen. Kaum sind die Küsschen verteilt, zofft man sich schon wieder. Nicht dass das jetzt überraschend kommt, denn die Kameras sind ja jetzt weg, doch irgendwie haben immer ein paar Leute zu meckern. EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark übt Kritik und warnt vor Inflationsgefahren. „Das ist reine Geldschöpfung. Das ist Helikopter-Geld für den Globus“ sagte Stark dem Handelsblatt. Damit scheint er wieder mal richtig zu liegen, doch greift seine Kritik etwas zu kurz. Die ganze Welt ist voller Helikopter-Geld. Doch Jürgen Stark weiß das. Was kann er schon tun?

Ottmar Issing, Starks Vorgänger als EZB-Chefökonom und nun in Diensten von Goldman Sachs, verteidigte die expansive Geldpolitik der Notenbanken. „Wenn die Krise da ist, müssen die Notenbanken die Schleusen öffnen“, sagte er der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Wenn man das Feuer löscht, muss man aufpassen, dass der Wasserschaden am Ende nicht größer ist als der Schaden, den der Brand angerichtet hat.“ Schaden ist Schaden. Doch wer hat das Feuer gelegt? Und wer bezahlt den Wasserschaden?

Unser Finanzminister Steinbrück lehnt ein drittes Konjunkturpaket aus Kostengründen ab – wegen der so vielen und so schrecklichen Schulden für unsere armen armen Kinder und Kindeskinder und deren Enkel, auch wegen der Stabilität der Staatsfinanzen und so weiter. Und plötzlich fließt Geld. Zeitungen schreiben, dass der 60 Milliarden-Anteil, den Deutschland am beschlossenen Umschichtungspaket für den IWF zu stemmen hat, aus den Währungsreserven der Bundesbank bewältigt werden soll. Kostenpunkt: 60.000 Millionen Euro. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn man für diese Summe Lehrer einstellen würde. Die Leute würden vielleicht sogar schlauer. Nein, das kann nicht Sinn und Zweck von Ausgaben sein.

In Japan macht man auch sofort Nägel mit Köpfen, indem man das Konjunkturprogramm ruckzuck auf 75 Mrd. Dollar verdoppelt. Das Geld bleibt mit Zinsen von 0,1 Prozent fast kostenlos. Die Bank of Japan will die Wirtschaft ankurbeln. Das will sie schon recht lange und war dabei auch überaus erfolglos. Sie hat nur diese Kurbel noch immer nicht gefunden. Und so pfuscht sie eben weiter. Doch es machen alle so. Früher suchte man den heiligen Gral. In unseren modernen Zeiten sucht man die heilige Kurbel.

Doch zum Schluss etwas Heiteres aus der Welt des Alltags: Um sich nicht mit dem ganzen Finanzkram beschäftigen zu müssen, hat der Verbraucher jetzt ein neues Betätigungsfeld bekommen: Er darf am Wochenende nicht nur Ostereier suchen, sondern auch nach Taschenrechnern und nach Kenntnissen um den berühmten Dreisatz. Damit bewaffnet geht es auf zu einem besonderen Spaß in die Supermärkte. Unsere EU-Oberen haben in ihrer Genialität ein kleines Verpackungschaos angezettelt, indem sie die ach so kompliziert-einfachen Verpackungsvorschriften kassierten. Ab Samstag dürfen Hersteller ihre Dinge in beliebig großer oder kleiner Verpackung anbieten. Wundern Sie sich also nicht, wenn die Packung Papiertaschentücher eines weniger in sich haben wird, oder nach dem dritten Toilettengang das Papier fehlt. Das ist eben europäischer Fortschritt. Na dann… fröhliches Preisvergleichen!

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