Die Tricks werden besser

11. März 2009 | Kategorie: Kommentare

Was ein Brief an Mitarbeiter alles bewirken kann… In der Welt der Banken versteht man heute unter zusätzlicher Transparenz, die Ergebnisse eines Monats bekannt zu machen. Das geschieht aber nicht mehr durch ein Statement, man hat inzwischen ganz andere Wege gefunden…

Die Idee des Citigoup-Chefs Vikram Pandit hat sich als höchst effektiv herausgestellt, den Markt zu bewegen. Er schrieb in einem internen Brief an seine Mitarbeiter, dass die Bank im Januar und Februar Gewinne gemacht habe.

In addition to our strong capital position, I am most encouraged with the strength of our business so far in 2009. In fact, we are profitable through the first two months of 2009 and are having our best quarter-to-date performance since the third quarter of 2007. In January and February alone, our revenues excluding externally disclosed marks were $19 billion. Our client businesses are strong: our deposits are relatively stable, our client-driven Securities and Banking businesses have been performing well, including our recent #1 rank in M&A, and we continue to provide credit to consumer and corporate customers. (Quelle)

Beim Versenden des „Memo! hoffte Pandit sicherlich auf die Verschwiegenheit der Crew. Doch er wurde böse böse enttäuscht. Das hatte aber gleichzeitig den netten Effekt, dass die Aktie um 40% explodierte – auf immerhin 1,40 USD. Holla! Das ist der Gegenwert eines halben Kaffees bei Starbucks. Vor einem Jahr hätte man dafür einen ganzen Kaffee und eine Kirschtorte bekommen, mit Schlagsahne versteht sich. Die Aktie müsste jetzt nur noch 2570 Prozent steigen, um das Niveau des letzten Jahres wieder zu erreichen.

Die europäischen Bankindizes kletterten gestern um 12%, die Versicherer legten 10% hinterher. Nun stehen sie auf einem 3-Meter-Turm und überlegen, ob sie schon wieder springen sollten. Am Morgen überflutete die Pandit-Welle Asien.

Schaut man genauer hin, sind es nackte Zahlen, ohne Abschreibungen und Steuer. Manche meinten, die guten alten Zeiten wären zurück. Und schon war der Bullenzug unterwegs, bevor man genauer schauen konnte.

Die Citi geht wie alle Banken zur FED und borgt sich Geld inzwischen für Umme. Durch die Lizenz zum Gelddrucken kann sie jetzt ein Mehrfaches dieser Summe weiterverleihen, zu weit höheren Zinsen. Doch an wen? Dass dabei Gewinne herauskommen, ist nichts Ungewöhnliches. Wenn da nicht das Thema Abschreibungen wäre… Und wenn es diese dann völlig unerwartet und natürlich überraschend geben sollte, wozu hat man den Staat mit im Boot?

Wie vermutet, hat der DAX bei 3.600 Punkten vorläufig seinen Boden gefunden. Eine Email war der Funke für eine gewaltige Eindeckungswelle. Mehr nicht. Händler berichten, dass die meisten offenen Positionen zum großen Verfall am 20.März bei 4.200 Punkten liegen. Und was kommt dann?

Meldungen über „gute Monate“ und „gute Geschäfte“ gibt es jetzt täglich. Das Thema Gewinne ex Abschreibungen aber neu. Vielleicht lassen Bankchefs bald ihre Terminkalender liegen und werfen wichtige Zettel in besondere Mülleimer, die zufällig gefunden werden? Vielleicht dreht man hier und dort noch etwas an den Bilanzierungsstandards? Man könnte ja auch Umsätze an besonders guten Tagen melden oder sich andere Tricks einfallen lassen, die uns zum Staunen bringen und die Aktienmärkte zum Steigen. There`s no business like show business…

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.