Die Luft wird dünner.. oder dicker?

21. April 2009 | Kategorie: Kommentare

Wenn es am schönsten ist… soll man gehen. Doch wohin nur? Der DAX hat sich seit seinem Tief von 3.600 Punkten gut 1.000 Punkte zugelegt. Dabei ist die Stimmung in dieser Woche noch schlechter geworden, trotz des schönen Wetters. Das ergab eine Umfrage von cognitrend. Ach! Bitte nicht! Ist doch alles so schön bunt gerade! Nun könnte aber Folgendes passieren…

Dem Anstieg traut sowieso keiner. Sie doch auch nicht. Oder? Jeder Bär ist short im Markt und täglich flammt sein Fell lichterloh, weil er auf der falschen Seite liegt. Und dann kommt nach Goldman Sachs, Wells Fargo nun auch noch J.P. Morgan mit superdoopertollen Zahlen. Börsianerherz was willst Du mehr? Noch mehr! Und wenn man dem ganzen Anstieg schon nicht traut, wer ist dann überhaupt im Markt drin oder wer kauft jetzt (noch)? Aktien? Oh, die letzten Wochen waren teuer für die Bären. Viele haben sich verzockt. Und morgen brennt das Bärenfell. Dann berichtet die Citigroup. Happy Banking und Aufregung pur.

Aufregung herrscht gerade in Mitteldeutschland. Dort steht der MDR in der Kritik. Er soll einen Teil seiner Rücklagen aus den Teilnehmergebühren, auch als GEZ genannt, auf internationalen Finanzmärkten „verzockt“ haben. Das jedenfalls schreibt die Bild-Zeitung. Ende 2005 hatte die Dreiländeranstalt rund 537 Mio. Euro an Rücklagen in Spezialfonds. Diese Summe macht bei 8,9 Mio. Einwohner im Sendegebiet rund 60 Euro pro mitteldeutsche Nase aus – oder fast die GEZ-Gebühren des Jahres 2007 für den MDR.

(Quelle: Geschäftsbericht 2007)

Der Sender weist den Bericht zurück. Es seinen keine Gebührengelder verzockt worden. Man war sogar erfolgreich an den Finanzmärkten unterwegs zwischen 2001 und 2005 .

Wie z. B. Lebensversicherer diversifiziert der MDR seine Finanzanlagen. Maximal 35 % der Anlagen entfallen auf Aktien, deren Kurse naturgemäß steigen und fallen. In der Zeit ab 2003 sind diese kontinuierlich gestiegen, wie der Landesrechnungshof berichtet.

Richtig ist, dass sich angesichts der jüngsten Kursrückgänge an den Aktienmärkten die stillen Reserven wieder relativiert haben. Ausfälle hat es keine gegeben. Die Durchschnittsverzinsung aller Fonds des MDR seit Auflegung beläuft sich immer noch auf 3,7 % pro Jahr. Das heißt im Klartext, dass nicht ein Euro der Rundfunkgebühren verloren gegangen ist.(Quelle)

Wieviel aber aus den 537 Mio. Euro im Jahr 2005 jetzt in der Finanzkrise geworden sind, lässt der MDR offen. Am 1.1.2009 ist die Rundfunkgebühr auf 17,98 EUR angehoben worden. Ein Fall für Escher?

Der Internationale Währungsfonds warnte heute vor einer schweren weltweiten Rezession.

„Die Tatsache, dass der aktuelle Abschwung weltweit synchron auftritt und mit einer tiefen Finanzkrise einhergeht, legt nahe, dass er lange andauert, und die anschließende Erholung schwach ausfällt…“

…heißt es da. Nein, lieber IWF. Ich lasse mir die Stimmung durch Dich doch nicht vermiesen. Selbst wenn der IWF Analogien zur Großen Depression in den 30er Jahren nicht ausschließt, dann ziehe ich eben meine nicht vorhandene Gardine zu und vernagele meine Fenster. Dann halte es doch lieber mit Klaus Zimmermann vom DIW. Er sagte nämlich, dass Prognosen die Lage noch verschlimmern würden. Zudem bestehe die Gefahr, dass sich die Prognosen selbst bewahrheiteten. Also braucht man sich weiter keine Sorgen machen. Schließlich hatten die früheren Prognosen auch keinen Einfluss auf die Wirtschaft und bewahrheitet haben sie sich auch nicht.

Oh, das hätte ich fast vergessen: Hubertus Pellengahr, der Chef des Einzelhandelsverbandes HDE hatte heute vor 5.000 Pleiten im Einzelhandel gewarnt. „Die Mieten sind das Problem, das vielen Einzelhändlern jetzt das Genick bricht.“ Sie wären zu hoch. Oder die Umsätze zu niedrig? Wer kann das schon unterscheiden. Ich jedenfalls nicht. Dafür gibt es Experten.

Ich bekomme schon wieder emails, warum denn der Goldpreis heute unter die Räder gekommen ist. Woher soll ich das denn wissen? Deshalb habe ich einen Edelmetallhändler angerufen und gefragt, was da gerade los sei. Er meinte nur, es wären mehr Verkäufer als Käufer unterwegs. Nicht bei ihm im Geschäft, er meinte die Spekulanten an der COMEX. Man kann die Uhr danach stellen, sagte er. Die Verkäufer kommen immer um 14.20 Uhr vorbei, manchmal auch später. Heute war es 15.35 Uhr. Vielleicht waren sie noch ein Bier trinken? „Wieso jammern die Goldbugs immer, wenn es mit dem gelben Metall runter geht? Sie sollten es einfach als Subvention verstehen…“ Dann legte er auf.

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