Die goldene Trompete

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

In dieser Woche wurden Trompeten und Posaunen ausgepackt und gleichzeitig kräftig Luft geholt, um sie zu bespielen. Mir wurde ganz flau in der Magengegend. Manch anderem wurden Augen und das Trommelfell beschädigt. Selbst die Götter verlangten nach Wachspfropfen, um sich dann doch neugierig über die Wolken zu strecken und amüsiert auf die Schenkel zu klopfen…

Sie lieben das Spiel mit Prophezeiungen, vor allem wenn sie nicht eintreten und sich die Menschen versuchen, sich ihnen gleichzustellen. Das ist nicht nur für Götter großes Kino!

Gefallen fanden sie am Wettbewerb um die „goldene Trompete“, den zwar niemand aufgerufen hat, er aber dennoch stattgefunden haben muss. Dabei ging offenbar es um eine Art Hitparade um nicht erfüllbaren Hoffnungen, Wünsche und Prognosen. Beiträge wurden unter anderem eingereicht vom Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise, unserem Wirtschaftsminister Michael Glos, dem Chefvolkswirt des VDMA und natürlich von Hans Werner Sinn, dem Chef des Ifo-Instituts.

Alles bleibt gut – war ihr gemeinsames Motto. Etwas Vorsprung hat Michael Glos. Er ließ nämlich verlauten, dass Konjunkturprogramme nichts bringen. Seine Lernkurve muss recht steil gewesen sein, denn vor drei Wochen noch ist er mit einem solchen Konjunkturprogramm bei der Kanzlerin abgeblitzt.

Etwas abgeschlagen liegt der Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen im Wettbewerb. Er erwartet für das kommende Jahr weniger Arbeitslose als in diesem. Wie das funktionieren soll, blieb im Dunklen, vor allem, wer alles durch das Raster der Arbeitsmarktstatistik fallen muss, um auf eine freundlichere Zahl zu kommen.

Der Chefvolkswirt des Verbandes deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) Ralph Wiechers, rechnet mit einem deutlichen Exportwachstum. Schließlich hat man von Januar bis Mai 9% mehr exportieren können. Im Mai gab es die erste Delle von -12%, gefolgt vom Juni mit -5%. Vor allem die Aufträge aus dem Ausland sackten ab. Oh Schreck! Alles wird gut!

Besonders gute Chancen auf die „Goldene Trompete“ hat aber der Chef des ifo-Instituts Hans Werner Sinn, der auch in den letzten Wettbewerben immer weit vorn lag.

„Auf dem Arbeitsmarkt sei eine «echte Trendwende, eine Abkehr von einer Entwicklung, die seit 35 Jahren immer mehr Arbeitslosigkeit brachte erkennbar“ Bei all den düsteren Aussichten ist der Arbeitsmarkt immer noch ein Lichtblick“.

Das dürfte auch diesmal preisverdächtig sein. Zufälligerweise sitzen Bundesagentur und ifo-Institut im gleichen Bundesland, wo ja die Uhren noch etwas anders gehen, und in wenigen Wochen auch gewählt wird. Und Michael Glos ist ja auch Bayer, sozusagen der Greenspan der Bayern.

Big Al Greenspan hätte bestimmt wieder eine neue Ära ausgerufen. Doch er hetzt gerade als Kassandra von einem Interview zum nächsten. Nicht um „Mea maxima culpa“ zu sagen oder um Vergebung zu bitten, er bekommt einfach Geld dafür und kann nebenbei über das Ergebnis seines Tuns nachdenken.

Und so war in dieser Woche ab und zu von oben ein vernehmbares Lachen zu hören. Irdische Kritiker meinen aber, es waren Töne aus dem untergegangenen Reich der „Aktuellen Kamera“. Wer kann das heute schon noch unterscheiden?

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