Die Dinosaurier

30. März 2009 | Kategorie: Kommentare

General Motors ist ins Schleudern geraten. Nun tritt der Konzern aufs Gas und will wieder auf die Überholspur… Ist das die Überschrift aus einer Nachricht aus dem Jahr 2000, als Rick Wagoner den Lenker von GM übernahm? Könnte sein. Damals stand die Aktie bei 70 USD. Heute fand man sie bei 3,62 USD.

Die von US-Präsident Obama eingesetzte Auto-Taskforce hat die bisherigen Sanierungspläne von General Motors und Chrysler als unzureichend abgelehnt und enge Fristen für eine Nachbesserung auferlegt. Sterben GM und Chrysler im Wonnemonat Mai?

Ja, liebe Leser, irgendwann musste es mal soweit kommen. Die US-Autobauer sind am Ende. 17,4 Mrd. USD hat der US-Steuerzahler bislang spendiert. Das Geld brannte schnell. Der Ruf nach weiterer Hilfe war nur eine Frage von wenigen Wochen. Yes we can! heißt es aus der Regierung. Doch bitteschön ohne Rick Wagoner und bittschön nur mit einem Konzept, das GM und Chrysler das Überleben auch über den Sommer 2009 hinaus sichert. Dazu hat GM jetzt 60 Tage Zeit, Chrysler nur 30 Tage.

Es klingt wie der Versuch, einem Dinosaurier das Joggen beizubringen. Ich wette, es gelingt. Vielleicht geht man in eine schnelle Insolvenz, sagt den Schuldnern, dass es einem leid tut und schüttelt sie ab.

„Sie bauten Autos mit Luftwiderständen von Scheunentoren, die sich verkaufen ließen wie Kühltruhen am Nordpol“, sagte der IG-Metall-Chef Huber auf einer Demonstration von Opel-Mitarbeitern. Doch man war der Meinung, es wäre richtig so.

Heute Nacht ist Wagoner zurückgetreten. In den letzten vier Jahren seiner Amtszeit sammelte der US-Autobauer 80 Milliarden USD Verluste an. Angesichts eines Börsenwertes von gerade mal noch 2 Milliarden USD, fragte der Laie, warum noch keine Särge bestellt worden sind.

Es war und ist eben ein Politikum, trotz aufgetürmter Schulden in dreistelliger Milliardenhöhe und Absatzseinbrüchen von bis zu 60 Prozent im Vergleich zu 2008.

Was werden die 600.000 GM-Pensionäre wohl machen, wenn der monatliche Scheck ausbleiben sollte? Bauen sie dann voller Optimismus Rüben in ihrem Kleingarten in Detroit an?

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