Die Zwei-Prozent-Rendite-Falle

24. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Robert Rethfeld) Im November 1997 unterschritt die Rendite 10jähriger japanischer Anleihen die 2-Prozent-Marke. Danach ging es zu wie in einer Venusfliegenfalle: Die Rendite konnte die 2-Prozent-Marke nicht mehr überwinden. Ausbruchsversuche in den Jahren 1999 und 2006 scheitern…

(siehe rote Linie folgender Chart).

Die Rendite 10jähriger Schweizer Anleihen tauchte im Frühjahr 2010 unter die 2-Prozent-Marke. Sie notiert aktuell bei 0,63 Prozent. Die Rendite 10jähriger US-Anleihen notiert bei 1,80 Prozent. Für die entsprechende deutsche Rendite werden 1,47 Prozent gemessen. Auch dies ist ein historischer Tiefstwert.

Die Rendite 10jähriger US-Anleihen verlief in den vergangenen rund 200 Jahren in einem Korridor zwischen 2 und 8 Prozent. Die Ausnahme bildeten die 1970er und 1980er Jahre mit Renditen bis zu 15 Prozent.

Nach unten bildete die 2-Prozent-Marke stets eine zuverlässige Barriere. Am 6.9.2011 fiel die Rendite 10jähriger US-Anleihen erstmals seit Jahrzehnten unter die 2-Prozent-Marke. Eine solche Unterschreitung wurde kurzfristig in den 1940er Jahren registriert. Damals gelang wenige Monate später „die Flucht“: Die Rendite dreht wieder nach oben.

Offenbar öffnet sich unterhalb der 2-Prozent-Marke eine Deflationsfalle: Einmal unter dieser Marke, gibt es kaum ein Zurück. Die japanische Inflationsrate kreiselt seit 1997 um die Null-Linie. Die Inflationsrate der Schweiz taucht seit Oktober 2011 ab. Sie befindet sich momentan bei 1%. Zugegeben: Der Sondereffekt der Stützung des EUR/CHF-Kurses durch die Schweizer Nationalbank unterstützt eine deflationäre Entwicklung.

In der Rede vom 21. November 2002 („Make sure it doesn’t happen here“) http://tinyurl.com/4fq2fu begründet Ben Bernanke, warum er sicher ist, dass Deflation für die USA kein Thema sein wird.

Aktuell befindet sich die offizielle US-Inflationsrate bei 2,3%. Ein Fall unter die 2-Prozent-Marke würde einem Zentralbanker die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Eine Zentralbank benötigt eine Pufferzone einer Inflationsrate von üblicherweise zwei Prozent, um sich in einer Phase der wirtschaftlichen Nachfrageschwäche einen Handlungsspielraum zu erhalten. Nicht nur Ben Bernanke, sondern auch der ehemalige Chefvolkswirt der EZB, Otmar Issing, haben die Bedeutung einer solchen Pufferzone häufig genug betont… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , ,

Ein Kommentar auf "Die Zwei-Prozent-Rendite-Falle"

  1. FDominicus sagt:

    Ich stimme überhaupt nicht mit Ihnen überein. Inflaton ist staatlich sanktionierte Diebstahl und kein „Spielraum“ Und eine Deflation ist eine Kontrohierung der Geldmenge, davon kann man ja wohl kaum reden wenn die EZB „mal eben“ 1 Billion aus dem Nichts erzeugt.

    Egal wie oft mich einer überzeugen wird wollen Inflation sei gut, ich weise es jedesmal auf das Schärfste zurück. Inflation ist Diebstahl an den Sparern und nur mit sparen kann das Fundament für eine gesunden Markt sein. Somit weise ich auch diesen Eintrag als Papiervoodoo zurück.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.