Die Zinsen steigen schon

27. September 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Können wir uns steigende Zinsen leisten? So lautet eine derzeit oft gestellte Frage. Sich nach der Möglichkeit eines Zinsanstieg zu erkundigen ist nachvollziehbar. Ob man ihn sich leisten kann ist aber irrelevant. Die Zinsen steigen bereits…

Die zurückliegenden Jahre am Zinsmarkt darf man ohne Übertreibung als außergewöhnlich bezeichnen. Die Experimente der Zentralbanken, die angeblich zur Rettung der Banken und zur „Ankurbelung der Wirtschaft“ angestoßen wurden, haben außer zu hoher Risikoneigung bei Investoren nichts bewirkt. Es wirkt geradezu befremdlich, wenn ausgerechnet aus der Finanzbranche Vorwürfe gegen Dinge laut werden, die „aus dem nichts kommen“. Sind Dinge die aus dem Nichts kommen nicht

Wirft man einen Blick auf die Entwicklung des Marktwertes aller bitcoins, so packt manchen die Höhenangst. Der Preisanstieg ist in der Tat historisch. Schaut man auf die absolute und nicht allein auf die prozentuale Veränderung der Marktkapitalisierung kann man das Spektakel besser einordnen. Der unten stehende Grafik lässst sich diese Veränderung in US-Dollar entnehmen.

bitcoin Marktkapitalisierung. Marktwert bitcoin.

Der folgende Chart zeigt die Veränderung der Bilanzen der Europäischen Zentralbank EZB im gleichen Zeitraum. 

Bilanz der Europäischen Zentralbank EZB in Millarden Euro..

In US-Dollar liegt die Steigerung bei rund 2.250 Milliarden. Im Vergleich dazu wirken die 63,5 bitcoin Milliarden geradezu zwergenhaft. Die EZB Bilanz ist im gleichen Zeitraum also um das 35-fache der Veränderung des bitcoin-Marktwertes gewachsen. Und die EZB ist nur ein Zentralbank.

Wenn Jamie Dimon bitcoin einen „Betrug“ nennt und sich viele darüber wundern, wie etwas, das aus dem nichts geschaffen wurde, so einen Wert zugebilligt bekommt, dann muss man sich am Kopf kratzen. Selbst wenn bitcoin auf Null fallen sollte und aus der Historie verschwände, sollte man an dieser Stelle einmal an den Prozess der Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken denken.

Jamie Dimon sagt bitcoin ist ein Betrug. Bitcoin is a fraud says Jamie Dimon.

Quelle: Faz.net

Ob er das schon der Post in Österreich mitgeteilt hat? Man darf daher die Frage ergänzen, wie man ein System bezeichnet, im dem diese Geschäftsbanken Geld aus dem nichts schöpfen und dafür von den Kunden Zinsen verlangen. Ist das nicht auch ein Betrug, Mr. Dimon? Oder greift hier das Gewohnheitsrecht? A hat B immer geschlagen, also wird es schon in Ordnung sein. Das wäre aber eine aufschlussreiche Rechtsauffassung.  Die Frage ist allein rhetorischer Natur, sind in der Vergangenheit auch nicht wenige so genannter „echter“ Währungen auf Null gefallen. Auch an diesen Teil der Geschichte darf doch ab und zu erinnert werden. Natürlich passiert das mit der aktuellen Währung nie. Es baut auch niemals jemand einen Verkehrsunfall, denn das machen immer nur die anderen.

Die aktuelle Zinsentwicklung der letzten Jahre zeigt deutlich Anzeichen für ein Ende der Null- und Negativzinsphase. Gerade die Bewegungen am kurzen Ende in den USA sind deutlich. Die Zinsen für Monatsgelder haben unlängst die Marke von 1% wieder überschritten.

US-Zinsen. 1 Monats T-Bills Rendite. Treasury.

Auf Sicht von zwei Jahren ist das ein Anstieg um einen vollen Prozentpunkt. Auch die Zinsen auf deutsche Staatspapiere beginnen wieder zu leben. Zwar rentieren sehr kurze Laufzeiten immer noch unter der Nulllinie, jedoch kommt diese ganz langsam wieder in Sichtweite. Diese Tendenz sollte sich fortsetzten, denn die Einsicht, dass man unter der Marke von 0% große Schäden anrichtet aber abgesehen von einer überbordenden Risikoneigung keinen Nutzen bringt, scheint sich endlich durchzusetzen.

Vor einer solchen Entwicklung müssen sich nur diejenigen fürchten, die zu große Risiken auf Grund temporärer Niedrigzinsen eingegangen sind. Das gilt für Immobilienkäufer wie für andere gehebelte Investoren gleichermaßen.

Der Finanzmarkt ist kein Kaffeevollautomat, der für jeden das ausspuckt, was er benötigt. Der Finanzmarkt ist kein Renten-Generator. Er ist lediglich dazu da, Wertpapiere möglichst günstig und sicher von einem Teilnehmer zum anderen zu transferieren. Es gibt keine „6% pro Jahr nach Kosten“-Taste. Wie sollte das auch funktionieren und vor allem warum sollte das generell für alle positiv sein? Je nach Alter und Lebenssituation ist es für den einen Anleger gut, wenn der Markt deutlich nachgibt und Investitionen auf erträglicherem Niveau getätigt werden können. Für den anderen, der meint, ein Jahr vor dem Rentenbeginn zu 100% im Aktienmarkt engagiert sein zu müssen, sieht das vermutlich anders.

Die zurückliegenden Jahre waren von außergewöhnlichen Experimenten der Zentralbanken und Politik gekennzeichnet. Die kurzfristigen Folgen waren eine temporäre Entspannung. Die langfristigen Folgen werden ebenfalls außergewöhnlich sein.

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