Die Zentralbankräte werden immer mehr Geld drucken

11. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Geldfragen an Thorsten Polleit: Zu Beginn eine elementare Frage, die Ihnen sicherlich schon unzählige Male gestellt wurde und die Sie bestimmt auch “im Schlaf” beantworten könnten. Die meisten Menschen wüssten hierauf aber wahrscheinlich keine Antwort. Was ist Geld?

Geld ist das allgemeine, universell akzeptierte Tauschmittel. Es ist das Gut, das sich am besten und einfachsten gegen andere Güter eintauschen lässt.

Sie unterscheiden in Ihren Veröffentlichungen immer wieder zwischen “Gutem Geld” und “Schlechtem Geld”. Was ist darunter zu verstehen?

Gutes Geld ist Geld, dass sich im freien Wettbewerb, also durch das freie Angebot von und die freie Nachfrage nach Geld herausbildet. Es steht so im Einklang mit den ökonomischen und ethischen Prinzipien der Marktwirtschaft: also im Kern die Wahrung der Eigentumsrechte aller Marktteilnehmer. Schlechtes Geld ist Geld, das unter Verletzung der ökonomisch-ethischen Prinzipien der Marktwirtschaft in Umlauf gebracht wird. Das staatliche Papier- oder Fiat-Geld ist daher schlechtes Geld: Es ist Monopolgeld, wird mit Privilegien ausgestattet (wie dem Status “gesetzliches Zahlungsmittel”) und per Kreditvergabe “aus dem Nichts” geschaffen, was ökonomisch gesehen einer “legalisierten Geldfälschung” gleichkommt.

In Ihrem Buch “Geldreform”, das Sie gemeinsam mit Michael von Prollius verfasst haben, schreiben Sie, dass bei einem Übergang zu “Gutem Geld” ein erheblicher Tauschverlust des Staatsgeldes zum Vorschein käme und bezeichnen diesen Tauschverlust als unwiderruflich aufgelaufen. Mit “unwiderruflich” treffen Sie eine klare Aussage – was könnte Auslöser dafür sein, dass dieser Tauschverlust zu Tage tritt?

Vor allem zwei Auslöser sind denkbar. Zum einen, dass die Regierungen sich entscheiden, zur währungshistorischen Normalität zurückzukehren und die Papierwährungen wieder im Gold verankern. Zum anderen, dass die Geldnachfrage zurückgeht, weil die Geldhalter das Vertrauen in die Werthaltigkeit des Papiergeldes verlieren.

Wie hoch könnte dieser “Tauschverlust” sein?

Das lässt sich vorab natürlich nicht exakt beantworten, aber ein Beispiel mag helfen, den Sachverhalt zu durchdenken. Würde zum Beispiel der US-Dollar zu 100% mit den offiziellen Goldbeständen der Fed bzw. des US-Schatzamtes gedeckt, so ergäbe sich ein Deckungsverhältnis in Höhe von derzeit mehr als 8.000 US-Dollar pro Feinunze, bei 40 Prozent Deckung in Höhe von 3.500 US-Dollar. Die Tauschkraft einer Feinunze Gold wäre folglich enorm hoch relativ zu anderen Gütern. Sie würde aber wohl nicht dauerhaft so hoch bleiben, weil sich vermutlich nachfolgend die “relativen Preise” wieder anpassen würden. Und das bedeutet, andere Güterpreise werden dann relativ zum US-Dollar-Goldpreis ansteigen. In unserem Beispiel gedacht, wäre bei einer 100 Prozent Deckung mit einem Preisanstieg aller Güter in Höhe von 400 Prozent zu rechnen, bei 40 Prozent mit 150 Prozent. Das wäre beträchtlich: Allein eine Erhöhung der Preise um 150 Prozent beraubt die Kaufkraft einer Geldeinheit bereits um 60 Prozent!

Ludwig von Mises schreibt in seinem Werk „Nationalökonomie“: „Wenn ein Gut Geld bleiben soll, darf die öffentliche Meinung nicht glauben, dass mit einer schnellen und unaufhaltsamen Vermehrung seiner Menge zu rechnen ist.“ Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass die Öffentlichkeit genau das glaubt?

Die breite Öffentlichkeit scheint nach wie vor großes Vertrauen in die Werthaltigkeit des Papiergeldes zu haben. Der Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise, die ja im Kern für eine Krise des Papiergeldes steht, hat daran nichts geändert. Ich fürchte, für viele wird es ein böses Erwachen geben.

Angenommen, die breite Öffentlichkeit würde die Schwere der Krise doch erkennen und das Vertrauen in das Papiergeld ginge schneller als erwartet verloren. Wie hätte man sich ein solches Szenario vorzustellen?

Die Geldnachfrage – also die Bereitschaft, Geld zu halten – nimmt zunächst ab. Im Markt steigt das Angebot von Geld, spiegelbildlich steigt die Nachfrage nach anderen Gütern wie zum Beispiel Aktien, Häuser, Gold- und Silbermünzen, Kunstwerken. Die Folge: Die Preise steigen, die Kaufkraft des Geldes schwindet. Wie weit die Preise steigen, hängt von der Erwartung der Marktakteure ab, wie stark die Zentralbank die Geldmenge ausweiten wird. Wird zum Beispiel eine hohe, aber letztlich begrenzte Geldmengenausweitung erwartet (zum Beispiel eine Verdoppelung), so ist damit zu rechnen, dass die Geldentwertung auch stark ausfällt (die Kaufkraft des Geldes sich also halbiert), und die Geldnachfrage sich danach wieder normalisiert. Wenn jedoch erwartet wird, dass die Zentralbank die Geldmenge immer stärker und stärker ausweitet, käme es zu einer – wie Ludwig von Mises es nannte – “Katastrophen-Hausse”: einer Flucht aus dem Geld, bei der es sogar geschehen kann, dass Geld aufhört Geld zu sein. Letzteres geschah zum Beispiel im Deutschen Reich im Zuge der Hyperinflation 1923, durch die die Kaufkraft der Papier-Reichsmark nicht nur drastisch entwertet, sondern gänzlich zerstört wurde.

„Wert heute die Lüge und Unwissenheit bekämpfen und die Wahrheit schreiben will, hat zumindest fünf Schwierigkeiten zu überwinden. Er muß den Mut haben, die Wahrheit zu schreiben, obwohl sie allenthalben unterdrückt wird; die Klugheit, sie zu erkennen, obwohl sie verhüllt wird; die Kunst, sie handhabbar zu machen als eine Waffe; das Urteil, jene auszuwählen, in deren Händen sie wirksam wird; die List, sie unter diesen zu verbreiten.“ ―Bertolt Brecht, 1934

Wie würden die Notenbanken reagieren?

Die Zentralbankräte haben die Wahl, Staaten und Banken sowie Unternehmen und Konsumenten Pleite gehen zu lassen, oder immer neues Geld zu drucken, um Pleiten abzuwenden. Beides wird jedoch letztlich in eine Rezession-Depression münden. Wenn allerdings zunächst immer mehr Geld gedruckt wird, um der Depression zu entkommen, werden die Krisenkosten immer weiter in die Höhe getrieben, und auch der Geldwert wird immer stärker zerstört. Die Zentralbankräte werden immer mehr Geld drucken, befürchte ich… (Seite 2)


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