Die Zeichen der Zeit…

28. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Vor ein paar Tagen, draußen waren es vielleicht zehn Grad unter Null und in der Nacht zuvor hatte es im bayerischen Oberland gut 30 Zentimeter Neuschnee gegeben, da erklärte ich einem guten Freund, dass in Kürze der Frühling einziehen werde. „Höchstens noch zwei Wochen“, war meine Prognose.

Mitten im tiefsten Winter war das für meinen Kumpel, der sich gerade mit einer Tasse Tee aufwärmte, eine überraschende Aussage. Wie ich darauf komme, die hartnäckige Frostperiode inmitten des schönsten Schneegestöbers zu beerdigen? „Es ist genau wie im Herbst“, sagte ich: „Du musst Dir ansehen, was die Tiere in der Natur machen. Wenn die Stare sich auf den Telefonleitungen versammeln, meist Ende September, dann folgt ein paar Tage später der erste Nachtfrost. Und wenn die Wildgänse in breiter Formation Richtung Süden fliegen, dann kommt innerhalb von zwei bis drei Tagen der erste Schnee“.

Ganz ähnliche Zeichen zeigt uns die Natur auch im Winter: Wenn die ersten Singvögel beginnen, ganz aufgeregt nach Nistplätzen Ausschau zu halten, dann kann man selbst bei zehn Grad unter Null davon ausgehen, dass der Winter zu Ende ist. Und im Moment haben geeignete Nistplätze Hochkonjunktur, sozusagen…

Auch an einem sommerlichen Nachmittag an einem Badesee kann man interessante Studien darüber anstellen, wie wir Menschen unübersehbare Signale einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Da kann im Westen eine drohend schwarze Gewitterfront heraufziehen – die meisten Menschen werden erst unruhig, wenn ganz in der Nähe krachend die ersten Blitze einschlagen.

Das Frappierende ist aber: Nicht nur in der Natur gibt es Zeichen, die zweifelsfrei auf kommende Entwicklung hindeuten. In der Wirtschaft und an der Börse ist es ganz genauso.

Wenn wir heute etwa sehen, dass nach sieben Jahren Dauerkrise und unzähliger „Rettungspakete“ die Schuldenberge weltweit immer schneller immer größer werden, gleichgültig, was Politiker und so genannte „Währungshüter“ auch unternehmen, um diesen Schulden Herr zu werden, dann ist das ein sehr deutliches Zeichen. Wir können das natürlich ignorieren, den Kopf in den Sand stecken und weiterhin dem nächsten Börsengewinn oder dem neuesten iPhone nachjagen.

Wir könnten uns aber auch fragen, ob die Probleme unseres Geldsystems womöglich doch „etwas“ größer sind, als uns das die so genannten Experten erklären. Die meisten dieser Fachleute zeichnen sich fatalerweise nämlich dadurch aus, dass sie Krisen immer erst dann erkennen, wenn sie auch ein Blinder sieht. So wie ein Kollege, dem scheinbar erst in dieser Woche aufgefallen ist, dass Griechenland wohl doch ein größeres Problem ist…

Natürlich sind die Probleme unseres Finanzsystems sehr viel gravierender, als das die meisten Experten für möglich halten. Das war noch in jeder Krise so, zuletzt 2007, und mag am hartnäckigen Daueroptimismus liegen, den viele Menschen mit der Muttermilch zu sich zu nehmen scheinen. Oder daran, dass schlechte Nachrichten einfach ausgeblendet werden weil unser Gehirn solche Nachrichten nicht mag.

Die Probleme werden dadurch natürlich nicht kleiner, ganz im Gegenteil. Und wer sich die Mühe macht, den Dingen auf den Grund zu gehen, anstatt scheinbar bedeutende Expertenmeinungen nachzubeten, der wird erkennen, dass sie sogar so groß sind, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit unseres aktuellen Wirtschafts- und Finanzsystems bei null Prozent liegt. Null Prozent, Sie haben richtig gelesen.

Wobei wir hier nicht über mehrere Jahrzehnte oder Jahrhunderte sprechen. Denn weil sich die Entwicklungen systembedingt gerade stark beschleunigen, sollte eine Entscheidung, eine Art Systemschnitt, in den kommenden zehn bis 15 Jahren anstehen.

Das ist nicht deshalb so, weil ich mir diesen Zusammenbruch wünsche, wie manch einfältiger Leser das glaubt kommentieren zu müssen, sondern weil systemimmanente Prozesse dafür sorgen werden.



Wer der Frage nachgehen möchte, wie man zu dieser Erkenntnis kommt, dem bleibt eine harte „Ochsentour“ nicht erspart. Die Entstehungsgeschichte und Funktionsweise der US-Notenbank im Einklang mit dem dollarzentrierten Papiergeldsystem aktueller Prägung spielt dabei ebenso eine zentrale Rolle, wie etwa Aussagen des früheren US-Präsidentenberaters Zbigniew Brzeziński, gerade auch mit Blick auf die aktuelle Situation in der Ukraine.

Worte des früheren US-Außenministers Henry Kissinger müssen abgewogen und eingeordnet werden, ebenso wie Einlassungen von David Rockefeller, John Pierpont Morgan, oder die unmissverständlichen Warnungen früherer US-Präsidenten wie Woodrow Wilson, Franklin Delano Roosevelt, John F. Kennedy, Dwight D. Eisenhower, Thomas Jefferson oder George Washington.

„Wir haben es mit einer monolithischen und ruchlosen weltweiten Verschwörung zu tun!“ (US-Präsident John F. Kennedy am 27. April 1961)

Wer all diesen Spuren akribisch folgt, bei mir hat es rund zehn Jahre gedauert, bis ich mit dem Thema „durch“ war, dem fällt es eines Tages wie Schuppen von den Augen und er kann gar nicht anders, als zu erkennen, in welch aussichtsloser Lage wir uns mit unserem aktuellen Wirtschafts- und Finanzsystem befinden.

Das Problem dabei ist folgendes: Die Entwicklung von Konjunktur und Wirtschaft, die sozialen Fragen, aber auch der Umweltschutz, der Kampf gegen den Hunger – alles hängt letztlich am Geldsystem.

Für unsere Zukunft gibt es daher nur zwei Alternativen:

Entweder, wir steuern sehenden Auges auf eine Katastrophe von biblischen Ausmaßen zu. In diesem Fall dürfte schon bald auch ein großer Krieg eine Rolle spielen. Wir müssen nicht weit blicken, um den Brandherd ausfindig zu machen. Er liegt vor unserer Haustür. Leider sind historisch betrachtet kriegerische Auseinandersetzungen DAS probate Mittel aller Regierungen um von selbst verschuldeten Miseren abzulenken.

Oder aber, andere Alternative, wir alle (!) erkennen die Zeichen der Zeit noch rechtzeitig, weichen dem Eisberg aus, auf den wir gerade zusteuern und entwickeln tragfähige Geldsystemalternativen, geprägt von nachhaltigen Formen des Wirtschaftens.

Es liegt nur an uns…

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief



 

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4 Kommentare auf "Die Zeichen der Zeit…"

  1. Salim Spohr sagt:

    Die Statements von Eisenhover unf Kennedy sind sehr eindrucksvoll. Den Artikel insgesamt finde ein einen Tick zu selbstverliebt und im entscheidenden letzten Punkt leider nur in grob allgemeiner Weise andeutend. Aber vielleicht ist das Angedeutete schon zu oft ohne Resonnanz ausgeführt worden. Eine Kleinigkeit: Wenn es „zwei Alternativen“ gibt, gibt es dann also vier Möglichkeiten? 🙂

  2. Bettina sagt:

    Auch die Informationen die Karen Hudes. eine Anwältin die bei der Weltbank arbeitete bis sie zur Whistleblowerin wurde ist sehr informativ und aufschlussreich. Sie postet bei Facebook und Twitter was im Hintergrund momentan abgeht- denn die Medien werden kontrolliert vom Netzwerk globaler Konzernkontrolle“

  3. Habnix sagt:

    Dieser Krieg bringt nichts.Kriege der Vergangenheit und Gegenwart sind wie eine Endlosschleife in der Programmierung, bis einer die Escapetaste drückt oder den Affengriff anwendet.

    Wirtschaft ist Krieg im Frieden.Erst wird der Konkurrent und der mögliche Konkurrent(Arbeitnehmer) bekämpft und falls das Ziel erreicht und es nichts mehr zu gewinnen gibt,folgt der Satz: “Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln”

    “Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.”, lautet ein berühmtes Zitat des preußischen Generals Carl von Clausewitz,der Anfang des 19. Jahrhunderts in den napoleonischen Kriegen eine entscheidende Rolle spielte.

  4. meinereiner sagt:

    Steigende Schulden = steigende Guthaben. Den reichsten 800 Familien gehören wie viele % aller Guthaben? Waren es 80% oder 90%?
    Da müsste man ansetzen.

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