Die wundersame finanzielle Auferstehung Griechenlands

13. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Vor der Europawahl braucht Europa Erfolge. Plötzlich ist Griechenland „erfolgreich am Markt“ zurück und borgt sich frisches Geld. Ich lachte, bis meine Freudentränen für eine Überschwemmung sorgten…

Tatsache ist, dass Banken und Hedgefonds geben den Griechen erfolgreich Kredite – für gigantische 4,75 Prozent und ohne Risiko. Dabei kann das Land nicht mal die Zinsen erwirtschaften. Wie gut, dass die Schulden in Euroland nun vergemeinschaftet sind und Steuerzahler als Geisel genommen wurden.

Drei frische Milliarden Euro hat Griechenland bekommen. In Kürze gibt es zehn weitere Milliarden aus dem Rettungstopf. Auch diese Milliarden landen bei denen, die jetzt weitere Kredite gaben. Dabei bräuchte das Land dringend einen weiteren Schuldenschnitt, während die Statistiker „Primärüberschüsse“ feiern. Diese Milchmädchenrechnung kommt zustande, wenn man sämtliche Zinsen und Kosten unterschlägt. Zudem ist ja noch Geld im EU-Rettungstopf, die eigentlich „Zahlstelle für Banken und Hedgefonds“ heißen sollte.

Ich wüsste gerne, von welchem Ölbaum der griechische Ministerpräsident raucht, wenn er sagt, der „objektivste aller Richter, die Märkte, haben positiv über Griechenland gerichtet“. Niemand würde dem Land ohne Garantie einen Cent borgen, wenn Märkte frei wären.

Es heißt auch, ein drittes Hilfspaket wäre nicht nötig, wie ja auch schon kein erstes und zweites Hilfspaket nötig war. Vermutlich steht das Dritte schon jetzt fest wie das Amen in der Kirche – nach der Wahl. Halleluja, liebe Politiker! Griechenland ist zurück am „Markt“. Die Drogenkammer bleibt offen. Herzlichen Glückwunsch!

Griechenland hat inzwischen wieder Schulden in Höhe von 320 Milliarden Euro, trotz eines Schuldenschnitts. Und das bei einer Wirtschaftskraft von 180 Milliarden Euro. Wie sollen diese Schulden jemals zurück gezahlt werden? Indem die Zinsen künstlich gedrückt werden und die Rückzahlung nach hinten gestreckt wird. Eine Variante, der sich die anderen überschuldeten Länder ebenfalls bedienen, unter Nichtbeachtung der Öffentlichkeit und dem Tamtam der Erfolgsmeldungen.

„Griechenland hat es geschafft“, sagte der Ministerpräsident. Und dann kam auch noch die Kanzlerin zum Gratulieren vorbei. „Wenn es ernst wird, muss man lügen“, so das Credo des einstigen Eurogruppen-Chefs Jean Claude Junker. Die Lage ist ernst, was man anhand der Zahl der Lügen ablesen kann.

© Frank Meyer – Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


 

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2 Kommentare auf "Die wundersame finanzielle Auferstehung Griechenlands"

  1. sdk sagt:

    Ich vermute, die Griechen spekulieren auf Eurobonds nach der EU-Wahl. Da überzeugen mich auch nicht die Aussagen von Schulz, der vorgibt gegen Eurobonds zu sein, und Juncker, der mal dagegen, und ein anderes mal, unter gewissen Voraussetzungen, dafür plädiert.

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