Die wichtigste Investment-Lektion, die ich jemals gelernt habe

19. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Ich bin am Flughafen Washington Dulles, auf dem Weg nach Indien. Es ist noch zu früh, um zu wissen, ob der Bullenmarkt der letzten 5 Jahre nun vorüber ist. Der Markt mag erschöpft sein, weil er immer nur nach oben gelaufen ist. Oder er spielt mit uns. Wir werden warten, um dies zu sehen…

Was nach oben geht, geht auch nach unten. Und zuletzt waren die Emerging Markets und Gold unbeliebt. Weil das meine Lieblings-Investments sind, bin ich dazu gezwungen, nachzudenken, was da vor sich geht.

Wenn die Preise in die gewünschte Richtung laufen, dann fragt man nach Problemen. Denn man braucht nicht nachdenken; man weiß schon alles. Man muss sich auch keine Sorgen machen – man lehnt sich zurück und lässt das Geld zu einem kommen. Bis das nicht mehr der Fall ist.

Man ist besser dran, wenn die Finanznachrichten gegen einen sind. Dann muss man seine Annahmen in Frage stellen, seine Emotionen – und seine Vernunft.

Gesegnet durch Missgeschick

Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht unserem Glück danken. Ich bin gesegnet durch Missgeschick.

Als Kind hatte ich kein Geld. Ich konnte das Vermögen der Familie nicht verlieren – denn wir hatten keins! Das erwies sich als gut. Denn wenn ich Geld gehabt hätte, dann hätte ich es im großen Gold-Bärenmarkt der Jahre 1980 bis 1998 verloren.

Präsident Nixon löste die Gold-Verbindung des Dollars am 15. August 1971. Ich hatte genug Geschichtsbücher gelesen um zu wissen, was das bedeutete. Bald würden wir Wagen voll mit 100 Dollar-Scheinen herumfahren müssen, nur um ein Sixpack zu kaufen.

Wie sollte man sich vor der unweigerlichen Hyperinflation schützen?

Einfach: Gold kaufen. So wurde ich zum Gold-Anhänger.

Dann passierte das Schlimmstmögliche: Der Goldpreis stieg. Von 41 Dollar je Unze im Jahr 1971 bis auf 800 Dollar je Unze im Jahr 1980.

Ich hatte Recht! Ich war klug! Ich setzte alles auf Gold…und wartete, reich zu werden.

Glücklicherweise änderte sich mein Glück, bevor ich soweit kam. Das Missgeschick lächelte mich an…denn es begann ein 18 Jahre dauernder Bärenmarkt bei Gold.

Wissen Sie, wie das ist, liebe Leser?

Jeden Tag…jeden Monat…jedes Jahr…Geld zu verlieren…wenn die Götter der Märkte mit einem spielen…und wenn man von Familie und Nachbarn ausgelacht wird.

Jeder Tag bewies mehr als der Tag zuvor dass ich nicht wusste, was ich tat. Jeden Tag, wenn die Märkte schlossen, betonte der Markt sein Urteil: Ich bin ein Idiot.

Es ist leicht, falsch zu liegen.

18 Jahre lang dauerte diese Bestrafung. Und ich bin Gott dankbar dafür. Denn jetzt weiß ich, wie einfach es ist, falsch zu liegen.

Man versucht herauszufinden, was vor sich geht. Aber man sieht nur Schatten und hört nur ein Echo.

Wie ein Geist, der in einem alten Haus umhergeht, wird man einen kühlen Windhauch auf dem Gesicht spüren…man wird Dinge an merkwürdigen Dingen auftauchen sehen und sich fragen, wie sie dahin gekommen sind. Aber man wird niemals wissen, wie diese Welt funktioniert, nicht solange man in seiner sterblichen Hülle ist…

Während ich an meinen Verlustpositionen in Gold festhielt, kaufte das smarte Geld Aktien. Vielleicht verstanden sie, dass die große Erhöhung der Geldmenge die Kurse der Aktien gegenüber dem Stand von 1971 um den Faktor 20 steigen lassen würde.

Der Dow Jones stieg von 874 Punkten im Jahr 1971 auf 15.400 Punkte. Wow!

Aber Moment. Was wäre, wenn man am Gold festgehalten hätte?

Der Goldpreis stieg von 41 auf 1.250 Dollar je Unze. Heiliger Rauch. Das ist eine Verdreißigfachung! Vielleicht waren meine Einsichten doch nicht so falsch. Und vielleicht werden sich Gold und die Emerging Markets letztlich doch als besseres Investment erweisen… (Seite 2)


 

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5 Kommentare auf "Die wichtigste Investment-Lektion, die ich jemals gelernt habe"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    S&P500: +6.460%, 10,4% pro Jahr
    Gold: +2.813%, 8,3% pro Jahr
    Vorausgesetzt das die Zahlen stimmen, hätten die Gewinne von Aktien versteuert werden müssen, die Gewinne von Gold nicht.
    Aktien für einen Privatmann bringen dann auch noch weitere Kosten mit sich.
    Ich fühle mich bei meinem kleinen Goldschatz, für meine Altersversorgung wohler, als wenn ich in Aktien investiert hätte.
    Gold ist mir lieber als jede andere Art der Alterssicherung.

    Alle Menschen die in eine Rentenkasse oder Lebensversicherung einzahlen, machen einen Fehler: Sie vertrauen dem Staat.
    Es ist schon schlimm genug, dass es diese Zwangsabgaben in die Rentenkassen gibt, mit der man sich eine Rente erarbeitet, die später nicht zum Leben ausreicht.
    Aber wer dann noch zusätzlich in Rentenkassen einzahlt, bei denen der Staat eingreifen kann, der kann den Knall nicht gehört haben.
    In Deutschland hat der Gesetzgeber den Lebensversicherungen erlaubt Leistungen zu stoppen, wenn sie in finanzielle Schieflage geraten; natürlich bei voller Beitragszahlung des Versicherten.
    In 4 europäischen Staaten sind die kapitalgedeckten Renten schon vom Staat beschlagnahmt worden; zuletzt auch in Polen
    Jetzt geht es an die Betriebsrenten.
    Ich kann nur jedem raten für seine private Altersversorgung eine Variante zu finden, bei der:
    1. Keine Provisionen abgezogen werden, wie bei Allianz,
    Riester u. Co.
    2. Die Gewinne legal nicht versteuert werden müssen.
    3. Der Staat keine Kenntnisse von hat.
    4. Nicht besteuert wird, wenn die Vorsorge im Alter
    verbraucht wird.
    5. Keine Krankenkassenbeiträge von bezahlt werden
    müssen; daher auch keine Zuzahlungen für
    Medikamente usw. usw.
    6. Alles sofort und augenblicklich in einen anderen
    Staat gebracht werden kann.
    7. Auf der ganzen Welt als Zahlungsmittel anerkannt
    wird.
    8. Seit Jahrtausenden seinen Wert erhalten hat.
    9. Nicht durch Inflation oder Währungsreform wertlos
    werden kann.
    10. Beim Ableben des Inhabers der Altersversorgung,
    den Hinterbliebenen die Werte bleiben.
    11. Nicht bei der Berechnung von Wohngeld (bis 60.000
    Euro Vermögen)angerechnet wird.
    Natürlich kann man Gold nicht essen, aber wertlos gewordene Papiere auch nicht.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

    • Michael sagt:

      Aktien sind an sich lehrreicher. Spannender, wenn man sich mit den Aktien beschäftigt. Welche Unternehmen gibt es, wie verdienen die ihr Geld.

      Die gesamten relativen Bewertungen die Bill Bonner zurecht anspricht sind mit Vorsicht zu genießen.

      Budget einer Verkaufsabteilung in gemessen in % am Vorjahresumsatz.

      Oder meine Freund die Keynesianer – Schulden sind kein Thema, denn wir haben ja ein Regelwerk damit der Staat eine Griokonto kann betreiben. Deswegen ist alles relativ. Da relativ so exakt ist über längere Distanzen verliert Geld im Übermaß an Kaufkraft.

      Aus aktuellem Anlass hat der Christoph Leichtweiß einen aktuellen Beitrag zum Wunderchart der rumschwirrt. Interessant an sich.

      Man muss auch aufpassen mit der Inflation. Für Zahlungsmittel die auf lange Zeit aufbewahrt werden sollen kann man nicht mit ‚Inflationsraten‘ rechnen die aus dem Umfeld CPI kommen. Wer veranlagt Zahlungsmittel die er braucht – hoffentlich keiner. Für solche Zahlungsmittel gilt die echte Ausweitung auf lange Distanzen und auf mittlere Distanz zumal keine lebensnotwendigen Dinge kauft ist die Kaufkraft erhalten. Nach dem Auto kommen die Asset Klassen bezogen auf die Größe der Anschaffung. Möglw. gibt es bald Derivate auf Autos…

      Aktien sind schon eine große Assetklasse. Damit holt man selten Booms in kleineren ein. Zumeist sind die veranlagten Beträge so klein, dass man Inflationierte größere Güter (Haus vs. Aktien) auch nicht wirklich erreichen kann. Bei 100k EUR ist es egal, ob man relativ 30% besser gelegen ist.

      Auf lange Distanz, mit etwas Vertrauen. Grundstücke in Regionen mit Aufholbedarf und stabiler Politischer Lage. Grundstücke trägt keiner weg – die sind durchaus nützlich definiert. Man sollte sein Metall dort nicht vergraben. Auf lange Distanzen sind entweder billiges Metall oder Grundstücke besser – soferne günstig.

      Man kann sich vermutlich eher ein Kosovo befriedet in der E.U. vorstellen als den Aktienpreis in 50 Jahren.

      Sobald in den U.S. die Aktie geächtet würde oder Alternativen für die Pensionsvorsoge aufkommen. Politisches Risiko. Diese Hingabe an Aktie ist eher ein U.S. Phänomen das in die Welt getragen wurde.

  2. Michael sagt:

    Sie spielen auf die Gold DOW (Industrial an) Ration an. Schauen wir mal.

    Mag sein. Sollten wir nicht außer acht lassen, dass
    a) es einen durchaus spannenden Zusammenhang zwischen Höhe der Entlohnung und Unternehmensgewinnen gibt
    b) Sich in den letzten 30 jahren die Welt mit Kredit vollgesaugt hat
    c) die Unternehmensgewinne respektive deren Wachstum dem gesamten Wachstumstrend nur kurzfristig können entfliehen

    Die Dynamik der Aktien der letzten Jahre (Brutto ohne Steuer) ist unbestritten.

    Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass der DJNI endet wie der Utility. Stimmt. Keiner kann die Zukunft sehen, zumindest nachher sollte man gscheiter sein.

    Aber allein die aktuelle Situation zu beurteilen ohne der Historie Gewicht zu verleihen ist gewagt. In 2008/09 habe ich genauso auf die Historie gepfiffen und gedacht. Jo mei, die Angsthasen werden die Kurse schon wieder steigen lassen, wovon sollten sie sonst leben… Für eine beherzte Korrektur und reinigendem Gewitter fehlt doch heute jedem der Mumm.

    In der Finanzindustrie tanzen mittlerweile wieder die Happy Mummys, die Folkloretruppe längst vergangener Tage, am Parkett der Börsen zur Belustigung der ‚Anleger‘ (das sind jene mit denen man sich anlegt und jene die die Kreise stören – das ist dann die Krise) während an der Wallstreet sich die Investmentbanken direkt eingekauft haben und der Broker grad noch mit dem Kaffeeautomaten um 1 cent pro Becher rauf und runter kann dealen … Der Paradigmenwechsel in am Weg.

    Wenn Stuttgart hergeht und sagt, ‚Wir notieren seriöse Papiere mit Fokus auf Dividende und nachhaltig wirtschaftende Unternehmen‘ gut, das wäre eine Risikofinanzierung über die Öffentlichkeit mit Herz und Hirn. Für so etwas bekommt man heut nur Mittel von ehrlichen Menschen, aber nicht von einer Investmentbank.

    Mal off-topic: Es ist nicht der High Frequency Trade – es sind Investmentbanken die sich direkt eingekauft haben… den Wandel haben wenige mitbekommen. Und wie lange hat es gefruchtet. Solange wie in den 20ern. Ein paar Jahre … And the Game Continues.

    • Michael sagt:

      Was macht eine Investment Bank. Sie sucht nach Ineffizienzen Märkten. Im Finanzsektor heißt das. Ich habe eine Kundschaft die will mehr Geld, es gibt Ineffizienzen die heißen Sparguthaben oder Einkünfte die es noch werden wollen. Legen wir mal Hand an.

      Nichts gegen Investmentbanken es ist deren Job. Deswegen ist just dort Vorsicht geboten, wo die Jungs ihre Fingern im Spiel haben. Die spielen ein anderes Spiel zum wohle ‚ihrer‘ Kunden. Deren gutes Recht, die Frage ist will jemand das willige Opfer geben.

  3. cubus53 sagt:

    Der Staat hat das Gewaltmonopol und er wird im Ernstfall auch das Gold der Bürger an sich reissen. Und ist es nicht der eigene Staat, dann halt ein anderer. Es muss nicht so sein, aber es könnte so sein. Ein Blick in die Geschichtsbücher hilft immer.
    Ein weiterer Blick durch die rosarote Brille ist folgender. Angenommen das Geld hat keinen Wert mehr, und der Staat steckt deswegen in einer tiefen Krise. Wer glaubt, er könne dann im Supermarkt mit Gold bezahlen, und dann auch noch unbeschadet den Supermarkt wieder verlassen ?
    Fazit : Während einer Krise ist Gold wertlos, es wird erst nach der Krise wieder einen Wert haben. Die entscheidende Frage ist also, wie man die nächste Krise überlebt. Wohl eher mit Käse, Schinken, Kartoffeln und Zigaretten.

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