Die Wahrheit über die Hinterlassenschaft von Bernanke

11. Februar 2014 | Kategorie: Gäste

von Bill Bonner

Die Historiker werden auf diese Periode mit Ehrfurcht und Verwunderung blicken. Irgendwie haben drei Generationen von Volkswirten und Politikern sich selber davon überzeugt, dass die Dinge nicht wahr sein können…

„Nicht genug Nachfrage“, sagen sie, in einer Analyse der heutigen wirtschaftlichen Wachstumsraten.

„Wir müssen Nachfrage schaffen“, sagen sie, als ob Nachfrage wie Orangen wäre. Man packt die in Florida in einen LKW und liefert die dann nach New York. Einfach.

Aber es sieht fast so aus, als ob die Welt erschaffen wurde, nur damit der Schöpfer über die einfach gestrickten Volkswirte herzlich lachen kann.

„Seht Euch die an“, dachte ich, eine Stimme aus dem Himmel zu hören.

„Sie fügen Nachfrage hinzu, welche gar nicht existiert, nach Produkten, für die die Leute nicht zahlen können. Haha!“

Ben, der Held

Ich bringe dieses Thema auf, weil es in den Zeitungen um die Hinterlassenschaft von Ben Bernanke geht.

Kurz gesagt – die vergessen, dass Ben Bernanke in der Krise des Jahres 2008 keine Ahnung hatte, was vor sich ging.

Viele übersehen auch, dass er nicht nur die vorige Hypothekenblase förderte, sondern dass er auch dachte, der Krach im Bereich „subprime“ sei unter Kontrolle…

…und dass die Wirtschaft sich nett weiter entwickeln könne, selbst als die Immobilienpreise kollabierten.

Die Zeitungen ignorieren auch gerne, dass während der Amtszeit ihres Helden die schwächste Wirtschaftserholung in den USA der Nachkriegszeit stattfand. Stattdessen sehen sie Silberstreifen am Horizont und sehen die Wolken überhaupt nicht.

Die populärste Zusammenfassung der Zeit von Ben Bernanke an der Spitze der Fed ist: Er ersparte uns eine weitere Weltwirtschaftskrise.

Niemanden scheint es zu kümmern – zumindest derzeit -, dass er das tat, indem er ein noch schlimmeres Problem erschuf. Oder dass seine Experimente Hand in Hand gingen mit einer Arbeitslosenquote von 13% (basierend auf den sogenannten U-6 Messungen des Bureau of Labour Statistics)…negativem realen Wirtschaftswachstum (basierend auf der Inflationsberechnung von John Williams), negativen Realzinsen (dito), und einer Fed-Bilanz, die nun die Marke von 4 Billionen Dollar erreicht hat…und mit diesen Dingen wird man früher oder später klarkommen müssen.

Diese Zahlen sind für Sie wahrscheinlich überraschend. Offiziell liegt die Arbeitslosenquote in den USA bei rund 7%, nicht bei 13%. Aber Sie würden falsch liegen, wenn Sie denken, dass nur 7% der potenziellen Arbeitskräfte Jobs fehlen.

Nein, das ist nicht die Art, wie es in Washington gehandhabt wird. Stattdessen: Wenn man seinen Job verliert und keinen neuen Job finden kann, dann kann man als „Arbeitssuche aufgegeben“ bezeichnet werden und zählt dann nicht mehr zum Pool der Arbeitskräfte.

Wenn man die Leute, die die Arbeitssuche aufgegeben haben, wieder hinzuzählen würde, dann würde die Arbeitslosenquote sechs Prozentpunkte höher stehen.

Bernankes wirkliche Hinterlassenschaft

Ich habe gerade einen Bericht verfasst. Da liste ich auf, wie viel Wirtschaftswachstum in den letzten 30 Jahren wir für gegeben genommen haben – was aber gar nicht eingetreten ist.

Das war „Phantom-Wachstum“ – verursacht durch Verzerrungen in Bezug auf Inflation und wirtschaftlichen Output.

Es ist unmöglich, genau zu wissen, wieviel reales Wachstum es gab. (Das hängt von den Annahmen ab.) Aber wenn man alle Tricks und Verzerrungen herausnimmt, dann ist das reale BIP pro Kopf in den USA in den letzten 10 Jahren gesunken…und wahrscheinlich ist dieses Wachstum negativ, seit Präsident Reagan ins Weiße Haus eingezogen ist.

Wenn das so ist, dann sind Vermögensanlagen, welche größtenteils vom wirtschaftlichen Output abhängen – US-Aktien, zum Beispiel – zu einem großen Teil überteuert.

Die aktuellen Aktienkurse und ein großer Teil der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen seit 1980 wurden nur durch stark steigende Schulden ermöglicht – etwas, das nicht für immer weitergehen kann.

Der nächste Bärenmarkt wird das regeln. Die US-Aktien werden fallen – stark. Der Lebensstandard, welcher durch 30 Jahre steigender Schulden gefördert wurde, wird sinken.

Das wird dann die wirkliche Hinterlassenschaft von Ben Bernanke sein.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Die Wahrheit über die Hinterlassenschaft von Bernanke (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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Ein Kommentar auf "Die Wahrheit über die Hinterlassenschaft von Bernanke"

  1. Michael sagt:

    Is America working?
    http://www.pieria.co.uk/articles/is_america_working

    Ein fachkundiger Kommentar von anderer Seite.

    Interessant an sich. Die Jugendarbeitslosigkeit auch in den U.S. ist doppelt so hoch wie die gesamte. Das zieht sich durch viele Volkswirtschaften im Westen durch.

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