Die Wahrheit ist da draußen!

11. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Ronald Gehrt ) Man bekommt langsam das komische Gefühl, dass das Stadium unseres stetigen geistigen und wirtschaftlichen Niedergangs in zugleich schuldenfinanziertem, wachsenden Wohlstand ganz leicht daran auszumachen ist, wie lange die Bezeichnungen für neue Gesetze sind und wie viele Wörter selbst die einfachsten Regelungen umfassen…

Warum muss eigentlich der „Beschluss des Rates vom 12. Dezember 2011 über den Abschluss des Abkommens über die Förderung, Bereitstellung und Nutzung von GALILEO- und GPS-Satellitennavigations-systemen und verbundenen Anwendungen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten einerseits und den Vereinigten Staaten von Amerika andererseits“ alleine in der Überschrift fast die Länge erreichen, mit der man ein paar Jährchen früher die zehn Gebote auf zwei Steinplatten bekam?

Im angeblichen Bemühen, alles einfacher und übersichtlicher zu machen und gleichzeitig präzise zu regeln, versinkt die ehemals zivilisierte, westliche Welt in einem Chaos aus verklausulierten Regelungen. Immer mehr Bürger machen sich irgendwie strafbar, ohne es zu bemerken – was aber nicht weiter schlimm ist, der kaum jemand die Regeln kennt, gegen die andere gerade verstoßen. So ist es unfassbar, welche Ausmaße die deutsche Steuergesetzgebung mittlerweile erreicht hat. Gut, ein Grund für die angebliche niedrige Arbeitslosenrate ist damit gefunden: Steuerberater vermehren sich schon fast zwangsläufig wie die Kaninchen.

Aber andererseits ist mir überhaupt nicht wohl bei dem Gedanken, dass diese Flut von Regeln und die damit verbundene Masse an Statistiken, Zahlen oder Bilanzen, mit der wir langsam, aber sicher mental ersäuft werden (ob das absichtlich passiert, sei dahingestellt) es demjenigen, der sich in diesen einzelnen Bereichen tatsächlich auskennt, ermöglicht, Schindluder auf Kosten anderer zu treiben. Was sollen wir von diesem Bericht halten, dass das Finanzministerium angeblich bereits jetzt überlegt, welche Schlupflöcher sich für die unlängst verkündete, ab 2016 geltende Schuldenbremse, die strikte Obergrenze für die bundesdeutsche Neuverschuldung, finden lassen? Es soll Entwürfe zur Änderung des neuen Finanzmarktstabilisierungsfondsgesetzes geben (man achte auf die verdächtige Länge dieses Wortes … siehe oben), die es ermöglichen, sich doch höher als vorgesehen zu verschulden, dann aber sofort einen Tilgungsplan zu erstellen, der dann durch den Bundestag abgesegnet wird und somit eine höhere Verschuldung doch wieder legitimieren würde. Kann mir das behagen? Oder wäre es besser, das Wort „Wutbürger“ für 2012 gleich noch mal ins Rennen um das Wort des Jahres zu schicken und selbst mit gutem Beispiel voran zu gehen?

Wem können wir eigentlich noch trauen? Wo soll die Wahrheit zu finden sein, wenn die Verantwortlichen alles tun, um sie hinter endlosen Worten und baumstammdicken Gesetzeswerken zu verbergen, um dem Zahl- und Wahlvolk die nach eigenen Intentionen uns Notwendigkeiten gefilterte Realität in geschmeidigen Statistiken mit bunten Kurven und Säulen zu präsentieren? Immer mit dem Ziel, sich ein unverdientes Wohlwollen zu erhalten und gleichzeitig zu erreichen, dass der Durchschnittsbürger weiterhin glaubt, dass es womöglich jeden, sicher aber nicht ihn trifft, wenn die Zeiten finster werden. Und, natürlich und vor allem, ihn dazu zu animieren, weiter … und bitte sehr gerne auf Pump … zu konsumieren, um das marode Kartenhaus der westlichen Finanzwirtschaft, das vergleichbar mit einem Schneeballsystem nur dann funktioniert, wenn die Schulden immer weiter steigen, vor dem Zusammenbruch zu retten… (—> Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Die Wahrheit ist da draußen!"

  1. DonSarkasmo sagt:

    Tja, der bananenrepublikanische Neusprech:

    Heute: Maximalpigmentierte Schaumzuckerware mit Migrationshintergrund.

    Früher : Negerkuss !!

    Immer schön politisch korrekt – das sind die Nebelkerzen, die den Blick auf die Realität verschleiern.

    Also, wie Gehrt schon sagt: Augen auf beim Schlußverkauf !! 🙂

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