Die Voodoo-Tänze der Janet Y.

19. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Tagträume und Traumdeutung können mitunter gefährlich sein. Das beweist die (Noch) FED-Chefin Janet Yellen und deutet an, bis 2019 werden die Leitzinsen auf drei Prozent steigen. Wir sind erfreut und wünschen Viel Spaß!

Wir wären enttäuscht, wenn es nicht dazu käme. Wenn Amerikas Oberste Geldproduzentin (Hüterin) so verlässlich bleibt wie sie in den letzten Jahren war, muss man sich große Sorgen machen, dass es anders kommt und ganz anders, als die denkt und lenkt. Wir würden bedauern, wenn sie 2019 nicht mehr FED-Chefin wäre, sorgte sie doch in den letzten Jahren für viel Heiterkeit und Unterhaltung. Wahrscheinlich sind ihre Worte vom Mittwoch schon nächste Woche Schall, Rauch oder einfach nur vergessen.

Wir staunen dennoch wieder ein Bauklötzchen über ihre Tagträume, sieht sie doch die USA mit einer Arbeitslosenquote von offiziell 4,7 Prozent kurz vor der „Vollbeschäftigung“. Überhaupt ist diese Frau sehr lustig, denn neulich erklärte die ausgewiesene Expertin in Sachen Arbeitsmarkt noch recht umständlich, dass diese fantastische Zahl durch die niedrige Partizipationsrate am Arbeitsmarkt zustande kommt. Da war sie noch als „Falkin“ bekannt, also eine Expertin einer Notenbank, die mit Geld vorsichtiger um sich wirft als das eine Taube tun würde – oder anders – sie wollte die Zinsen nur vorsichtig anheben. Auf ihre alten Tage als FED-Chefin hat sie es plötzlich eilig. Warum nur? Jetzt soll das viel schneller passieren. Zwischen diesen unterschiedlichen Ansichten lagen nur ein paar Tage und 17 Stunden. An welchen neuen Daten sie geschnüffelt hat, bliebt um Dunkeln. Vielleicht war es Sekundenkleber. Oder Trump?

Der US-Arbeitsmarkt scheint leer geräumt zu sein, bis auf die rekordhohe Zahl von 96 Millionen Leuten, die ihm erst gar nicht zur Verfügung stehen. Man findet diese Zahl irgendwo ab Seite 700, doch Trump hat darauf neulich in einer Rede hingewiesen. Hoppla, dachten wir, was hatte er da nur auf seinem Teleprompter stehen? War es ein Fehler darauf hinzuweisen? Oder nur die Wahrheit?

Vor einigen Wochen und Stunden, genauer am 23.11.2016, hieß es in den FED-Minutes, man müsse die Zinsen im Dezember anheben, um glaubwürdig zu sein. Bravo! Davon gingen wir hier ohnehin auch aus, hat sich doch die Crew der blinden Glaskugel-Deuter auf der Basis Harry Potterscher Statistik zu tief in den Zinswende-Sumpf hineingeredet. Das war vermutlich die einzige Wahrheit, die man aus dem hohen Haus der potentiellen Gelddrucker hat hören und lesen können.

Ein Leitzins von drei Prozent wäre mit jährlichen Zinskosten von 600 Milliarden US-Dollar verbunden. Yellen kann für Trump teuer werden und nicht nur für ihm. Deshalb könnten ihre Tage gezählt sein…

Heute beginnt eine neue Ära unter dem neuen Präsidenten, heißt es. Er will Amerika wieder groß machen. Nur wie? Er will die Arbeitsplätze aus dem Ausland zurückholen. Wir stellen uns gerade vor, Apple lässt künftig seine iPhones in den USA produzieren – für den 15-fachen Preis. Man wird dann wohl zehn Roboter anstellen und einen, der sie ein – und ausschaltet. (Die zehn Roboter tauchen dann in der Arbeitsmarktstatistik auf) Und auch die Autos sollen nicht mehr in Mexiko produziert werden, sondern in den USA. Wir sind gespannt, was die Preise dazu sagen werden und die Realität in einigen Monaten. Erstaunlich ist aber, wie schnell die Industrie vor jedem Tweet von Trump kuscht und schnell mal ein paar Milliarden an Investitionen zusagt.

Neulich noch hat Trump den US-Dollar als zu hoch eingeschätzt. Das macht man als US-Präsident nicht! Okay, da war er noch keiner und auf der politischen Bühne wird er noch lernen können. Doch keine Sorge! Schließlich wurde er von Gouvernment Sachs beraten.

Es stellt sich die Frage, wer sein billionenschweres Investitionsprogramm bezahlt. Frau Yellen? Er benötigt jemanden, der ihm das Geld druckt, dass er ausgeben will. Das mag der Grund sein, dass ihn Frau Yellen gerade versucht zu ärgern.

Natürlich ist der US-Dollar zu stark und genau betrachtet auch eine Schrottwährung wie jede andere Papiergeldwährung der Welt. Bei einer weniger schön gerechneten Verschuldung der US-Wirtschaftssubjekte + Regierung von 345 Prozent des BIP sind diese grünen Zettel einfach zu teuer. Aber solange die Zins-Differenz zwischen den USA und den anderen Staaten so groß ist, fließt das Geld dorthin und heizt dem US-Dollar ein, der mit seiner Stärke jetzt schon den US-Unternehmen wiederum einheizt.

Sechs Quartale in Folge verfolgen wir eine Gewinnrezession der börsennotierten Firmen. Und dennoch steht der Dow Jones bei knapp 20.000 Punkten und ist mit dem 28-fachen der Gewinne bewertet, also ein Schnäppchen, was auch mal zuschnappen kann. Experten weisen darauf hin, dass die US-Aktien immer billiger werden, je teurer sie notieren – und nicht nur in den USA. Ist verrückt, sind aber einige dieser Experten wahrscheinlich auch.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Verbalakrobatik in Abwesenheit von realen Möglichkeiten funktioniert. Der „Markt“ rennt wie ein Hündchen hinter jedem ihm zugeworfenen Knochen her. Aber vielleicht haben wir es auch nicht mehr mit einem Markt sondern mit Markt-Sozialismus oder so etwas Ähnlichem.

Armer Euro

Solange es einen einzigen Basispunkt mehr in der US-Rendite gibt, wird das Geld in den US-Dollar fließen und der Euro mehr und mehr zur Einheiz-Währung. Wird erwartet.

Und plötzlich bekommen wir Inflation, schreibt „Bild“. Sollten wir uns nicht freuen? Wir wissen es nicht. Noch wurde dieser Befehl zur Freude nicht gegeben. Bei Null-Zinsen und steigender Teuerung wird das sicherlich lustig, vernichtet sich doch die Kaufkraft von selbst und man kommt um dieses lästige Investieren in was auch immer… Schuhe sind ja noch einfach!

Was wurde denn teurer? Oh Himmel! Die Tomaten! Plus 12,4 Prozent! Als Begründung dient derzeit das schlechte Wetter in Spanien. Wenn es sich wieder beruhigt, dann werden die Preise sicher wieder fallen. Wir stellen entsprechend unsere Tomaten-Käufe auf den Sommer zurück, bauen diese dann selbst an und gefährden damit aus Spaß oder Überzeugung das zarte Pflänzchen der gewollten Teuerung, das die EZB so fleißig gießt und düngt.

Und wie viele Gurken essen Sie am Tag? Zehn? Vielleicht ein paar mehr? Das tut uns leid, denn die Gurkenpreise sind binnen eines Jahres um 105,5 Prozent gestiegen, schreibt „BILD“. Kohl wurde um 26 Prozent teurer, was wir mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, denn zu viel davon soll nicht so gut sein. Zeit für die EZB, die Zinsen anzuheben. Meinen Sie nicht auch?

Nein, es ist der Ölpreis, der gesprungen wäre, sagte ein Experte. Haben Sie schon mal ein springendes Fass Öl gesehen? Wir nicht, sondern nur 1,7 Prozent Teuerung in Deutschland und 1,1 Prozent in der Eurozone. Wir wissen nicht, was uns diese offizielle Zahl sagen soll. Wir glauben das nicht, aufgrund der alltäglicher Erfahrung und Beobachtungen. Teuerung – EZB – Gelddrucken – nein, auf diesen Zusammenhang kommt niemand. Zum Glück!

Oh, Frau Yellen hat sich gerade noch einmal gemeldet…

Sie hat die Unabhängigkeit der FED betont und deren Fokussierung auf eine langfristig gesunde Entwicklung der Wirtschaft. Die Notenbank sei frei von kurzzeitigem politischem Druck. Die US-Notenbank sei im Jahr 1913 gegründet worden „in einer Zeit staatlicher Reformen um die öffentlichen Interessen zu wahren“. Zudem verwies Yellen auf die Geldpolitik der Notenbank ohne Einmischung von Kongress oder Weißem Haus.

Kleine Frage an Sie: Wie viele Fehler finden Sie in diesem letzten Satz? Keine Sorge, die meisten Leute können ohnehin nicht bis dahin zählen…

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.