Die Vereinigten Staaten von Frankreich

20. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Es ist ein weiterer kühler, bewölkter Tag in Poitou. Der gesamte Sommer war wie das – wie ein Winter im US-Bundesstaat Georgia, mit kaum einem einzigen warmen Tag. Die Urlauber gehen nach Paris zurück mit derselben weißen Haut, mit der sie kamen. Die Strände sind leer…

Aber die Dachdecker mochten das. Keine heiße Sonne brannte auf sie. Auf einer meiner Scheunen meines Anwesens in Frankreich muss das Dach erneuert werden. Es ist ein Schieferdach, welches ein Vermögen kostet. Aber man muss das mindestens einmal pro Generation ersetzen. Diese Dächer halten 60-70 Jahre.

Jeden Tag um 7:30 Uhr erscheinen die Dachdecker.und arbeiten bis zum Mittag, dann gehen sie essenund machen um 13:30 Uhr weiter.bis 18 Uhr. Nur zwei wütende junge Männer. Warum sind sie wütend?

„Wir arbeiten hart. Aber andere Leute bekommen so viel wie wir, ohne dass sie arbeiten. Die erhalten Sozialleistungen. Viele von denen leben besser als wir.“

„Natürlich ist das nicht deren Fehler. Das Bildungssystem leitet junge Menschen dazu an, in Büros zu arbeiten. Aber es gibt nicht genug von solchen Arbeitsplätzen. Und sie wollen nicht unsere harte Arbeit verrichten.“

„Ich weiß nicht, wie das enden wirdaber ich denke nicht, dass es gut enden wird.“

Gebrochene Versprechen

William Pfaff von der International Herald Tribune hat dazu Zahlen. Er schreibt sinngemäß: „Die (französische) Einkommensteuer lag 10 Mrd. Euro unter dem Wert des Vorjahres, trotz schmerzlicher und unpopulärer Steuererhöhungen. Das Wachstum lag im letzten Trimester bei 0%. Und Frankreichs Versprechen an die EU, sein jährliches Defizit auf 4% zu senken, wurde offiziell gebrochen.“

Je länger ich in Frankreich bin, desto mehr Ähnlichkeiten zwischen den französischen wirtschaftlichen Problemen und denen in den USA sehe ich. Dieselbe Bürokratie. Dieselben Defizite. Dieselben Zombies. Mehr oder weniger dieselbe Wirtschaftspolitik. Die Volkswirtschaften der Welt wurden in den 1990ern und 2000ern „globalisiert“. Jetzt werden auch die Wirtschaftsprobleme globalisiert. Anstelle von individuellen Volkswirtschaften – jede mit ihrer eigenen Politik die eigene Sprache sprechend – sprechen jetzt Shinzo, Janet und Mario alle zusammen in der internationalen Finanzsprache: Englisch!

„Was auch immer dafür notwendig ist“

Das macht technischen Tradern und Theoretikern wenig Sorgen. Denn die eben genannten Notenbanker/Politiker haben versprochen, dass sie das tun werden, was auch immer notwendig sein wird, damit die Kreditblase weiter expandiert. Aber die Fortschritte sind eher bescheiden als beeindruckend – abgesehen von den Bewegungen am Anleihenmarkt, wo die Kurse von italienischen, französischen, spanischen und portugiesischen Anleihen so hoch wie nie zuvor in der Geschichte sind. Dies bestellt Schwäche und Überdruss.

Ich spreche das an, um die Leser daran zu erinnern, dass steigende Märkte immer in fallenden Märkten enden. Normalerweise fallen die Vermögensanlagen, welche besonders überteuert sind, plötzlich – oft ohne offensichtlichen Grund. Dann kommen die „bei Rückschlägen kaufen“ Anleger, was – kurz – den Eindruck vermittelt, dass die Party noch weitergeht. In die Irre geführt halten die Investoren ihre überteuerten Positionen erheblich zu langund erleiden große Verluste.

Psychologisch gesehen ist es sehr schwer, eine Position selbst mit kleinem Verlust zu verkaufenbesonders wenn man viele Jahre dazu gebraucht worden ist, zu glauben, dass „die Kurse immer steigen“oder dass „die Fed die Kurse nicht lange unten lassen wird.“ Deshalb ist es am besten, früh auszusteigen, bevor der „selloff“ beginnt. Besser zu früh als zu spät.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Sünden und Drogen: Wie man die Wirtschaft wieder durchstarten lässt(von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

Schlagworte: , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.