Die US-Notenbank wird die Blase nicht anstechen

11. März 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Vergangenes Wochenende verbrachten wir am Strand, wir saßen auf unserer Terrasse und spielten sogar Gitarre. Wir haben auch viel Zeit damit verbracht, das neue Buch „Reichtum, Armut und Politik“ von Tom Sowell zu lesen. Und wir fragten uns immer wieder, was wirklich los ist.

Und dabei kommen wir immer wieder zum Ergebnis, dass die anstehende Reaktion der Feds auf einen Crash an der Wall Street oder eine Rezession der Main Street zumindest für uns wenig überraschend ausfallen wird. Hier stellen wir in Kürze und Schlagworten kurz vor, wie es wohl laufen wird:

a) Crash und /oder Rezession = QE4;

b) direkter Asset-Kauf der Fed und Hubschraubergeld = mehr Reichtum für die Cronies.

Schwache Erholung

Die wirtschaftliche Expansion der USA, die im historischen Vergleich sehr schwach ausfällt, läuft jetzt schon seit 93 Monaten. Dabei handelt es sich um die drittlängste in der Geschichte. Wenn sie noch 27 Monate anhält, würde sie ins Buch der Rekorde eingehen: das wäre dann die längste Expansion – ununterbrochen von einer Rezession – in der Geschichte. Obwohl das nach außen als eine tolle Leistung erscheint, ist es am Ende doch so ähnlich wie bei einem neuen Rekord des Verzehrs von Jalapeno-Paprika: sie wissen, dass Sie danach bald krank werden.

Volkswirtschaften machen Fehler; Korrekturen reinigen sie. In der Regel dient der Zinssatz als „Hürde“. Wenn Ihr Projekt nicht genug Geld abwirft, um die Kapitalkosten zu verdienen, wird es über kurz oder lang vom Markt verschwinden. Und selbst wenn die Kapitalkosten durch ultra-niedrige Zinsen bei fast NULL sind, müssen Sie immer mit Ihren Fehlern rechnen. Die Zinshürde ist heutzutage ja so extrem niedrig, dass sie kaum gerißen werden kann.

Die „normalen“ Fehler bleiben aber weiter bestehen, verschwenden kostbare Ersparnisse und vergeuden noch mehr realen Reichtum.

Mittlerweile notiert die Börse auf Rekordniveau. Auf Basis des Shiller-KGVs- das die Aktienkurse bezogen auf den Durchschnitt der Gewinne derletzten 10 Jahre des betrachtet – war der S&P 500 seit 1929 nur dreimal so teuer. Und das Ganze war in den letzten 18 Jahren der Fall. Erstmals in 1999, dann 2007 und nun wieder. Und ähnlich wie bei der Expansion eines Unternehmens „enthält“ dieser Bullenmarkt etliche Billionen Dollar an noch nicht korrigierten Fehlern.

Und zwar aus dem gleichen Grund. Wenn das Kapital fast umsonst zur Verfügung steht, ist es schwer für die Unternehmen zu stolpern. Sie gehen nicht bankrott… sie refinanzieren sich … fusionieren …kaufen einen Konkurrenten … und kaufen mehr von ihren eigenen Aktienzurück.

Aber warten Sie … CBC News berichtete:

„Federal Reserve Chefin Janet Yellen gab den Anlegern ein klares Zeichen, dass die US-Zentralbank ihren Benchmark-Zinssatz schon im März erhöhen wird. Weitere Zinsschritte könnten im weiteren Jahresverlauf folgen. In einer Rede im Executives`Club of Chicago sagte die Fed-Chefin dem versammelten Publikum, dass eine leichte Erhöhung des Zinssatzes „angemessen“ wäre.“

Es wird also keine große Überraschung geben. Die Fed wird die Zinsen nur in einem homöopathischen, irrelevanten Ausmass erhöhen. In ihrer nächsten Sitzung werden die Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed darüber abstimmen, ob sie den Zinssatz um 25 Basispunkte erhöhen werden. Wir wissen nicht, wie die Abstimmung ausgehen wird. Aber wir wissen, dass es keine Rolle spielt. Denn wenn es wichtig wäre, würden sie es nicht tun.

Das ist in Wahrheit das, was Frau Yellen mit „angemessen“ meint. Es wird nur „angemessen“ sein, wenn es keine Korrektur verursacht oder verschärft. Anders formuliert, sie werden die Zinsen nur in dem Maß erhöhen, dass es der Schuldenblase nicht an den Kragen geht.

Wird Trump Wunder vollbringen können?
von Bill Bonner

Wir haben unsere lange Rundtour begonnen. Erster Halt: Nicaragua. Von dort aus fahren wir nach São Paulo, Buenos Aires, Salta, London, Irland, Frankreich, Portugal, Italien und in die Schweiz. Die Reise wird uns den Großteil des Jahres in Anspruch nehmen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Heute kehren wir im Tagebuch einmal mehr zu den Grundlagen zurück und versuchen zu verstehen, was los ist.

Die Macht einer Regierung beruht auf drei exklusiven Rechten. Sie kann Menschen töten. Sie kann Ihnen Ihr Geld abnehmen. Und sie kann Sie dazu zwingen, Dinge zu tun, die Sie sonst völlig anders machen würden (klassische Win-Lose-Deals).

Menschen zu töten ist oft beliebt. Menschen verstehen wenig von Ökonomie oder Finanzen. Aber sie verstehen, wenn die Regierung auf Feinde eindrischt. Aber Geld ist unser Herzschlag hier im Tagebuch. Und das Töten von Menschen bringt nicht mehr Geld in die Taschen der Amerikaner.

Kommen wir also zum exklusiven Recht der Regierung, den Menschen Geld abzunehmen. Das ist ein klassischer Win-Lose-Deal. Das haben wir hier im Tagebuch ja schon oft thematisiert. Einige Leute werden dabei auf Kosten der anderen reicher.

Win-Lose-Deals können aber auch eine Gruppe von Menschen „erfreuen“, je nachdem, wem Sie das Geld abnehmen. Die Steuerpläne von Trump sehen eine Absenkung der Steuerlast für wenige Reiche vor. Die Körperschaftssteuer soll ja reduziert werden, was unter dem Strich gut für Aktien sein könnte.

Aber warten Sie …

Profitiert der Durchschnittsverbraucher?

Jemand muss dafür bezahlen.

Wer?

Trump kämpfte ja als Kandidat des „kleinen Mannes“. Aber es werden die kleinen Leute sein, die in Form höherer Einfuhrzölle, höherer Inflation bzw. Fake-Geld-Transfers die Chose bezahlen müssen. Natürlich sind diese weniger betuchten Steuerzahler auch Hauptverbraucher. Und Verbraucher sind die Leute, die die Produkte der Firmen kaufen. Wenn sie weniger Geld zur Verfügung haben, sollten Unternehmensumsätze und Gewinne eigentlich sinken.

Trump’s Steuerplan soll ja „aufkommens-neutral“ sein. Das bedeutet, dass das Defizit nicht weiter erhöht wird. Aber die Verlagerung der Steuerbelastung von einer Gruppe zur anderen braucht Zeit und führt zu Ungewißheit. Und am Ende steht die Wirtschaft mit der gleichen Netto-Kaufkraft da. Obwohl die Steuerpläne aufkommensneutral sein sollen, ist dies bei den Ausgabenplänen nicht so.

Die Feds brauchen Geld für eine Erhöhung der Militärausgaben um zehn Prozent. Und sie brauchen eine Billion Dollar für ihre Infrastruktur-Vorhaben. Diese Investitionskosten repräsentieren echte Ressourcen, die aus der Realwirtschaft stammen, um für Projekte verwendet zu werden, die nach Ansicht der Feds wichtig sind. Der Bau von Schiffen und Parkplätzen – finanziert mit gefälschtem Geld – kann aber nicht zu einem echten Boom führen. Wohin führt uns das Ganze?

Nun, es gibt noch die Möglichkeit, dass das Team Trump die Belastung durch Win-Lose-Deals in anderen Bereichen reduzieren wird.

Die Umweltschutzbehörde könnte zum Beispiel weniger Schaden anrichten, wenn sie mit weniger Mitteln ausgestattet werden würde. Das ist auch beim Außenministerium so. Und dann kann man ja auch noch beim Bureau of Land Management kürzen… und ein paar anderen Agenturen.

Das Problem dabei ist, dass es bei diesen Maßnahmen eher um kleine Kartoffeln, Kleingeld geht. Die großen Kartoffeln, in Bezug auf das Defizit, sind (1) soziale Anwartschaften und (2) das Militär. Und der Nettoeffekt der Trump-Vorschläge wird sein, dass diese Posten erhöht werden. Unter dem Strich führt das dazu, dass uns allen weniger übrig bleibt.

Wenn also „The Donald“ keine Wunder vollbringen und „Brote und Fische“ nicht vervielfachen kann, wird es keine echte Entlastung für den durchschnittlichen Wähler geben; auch keinen echten Boom, nicht mehr Arbeitsplätze und auch keine höheren Einkommen.

Aber Politik ist eine magische Wundertour durch menschliche Emotionen. Es geht da um mehr als nur um Geld. Und zum Glück für Donald Trump gibt es mehr als nur die Wirtschaft einer Nation.

Der Peronismus ruinierte die argentinische Wirtschaft, aber die „Peronistas“ sind immer noch beliebt. Robert Mugabe ist nach wie vor an der Macht in Simbabwe, nachdem er die Wirtschaft in den letzten drei Jahrzehnten zerstört hat. Nicolás Maduro regiert immer noch in Venezuela. Und bei den Russen ging es 70 Jahre mit den Einkommen bergab, ehe sie endlich ihre Herrscher (und auch nur teilweise) rauswarfen. Und selbst jetzt haben immer noch viele Russen alte Fotos vom Kameraden Stalin an den Küchenschränken…
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Eine andere Welt...(von Bill Bonner)
Die Partei des Krieges(von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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