Die Strompreise werden kräftig steigen

20. Oktober 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Mein Beitrag über Elektroautos vor zwei Wochen hat die Gemüter mancher Leser mehr als erwartet erhitzt, sodass ich heute auf das eine oder andere Detail zurückkomme…

Denn bei aller mehrheitlichen Zustimmung aus Anlegersicht – als Kritik bleibt hängen: Selbst wenn nur die konservativste aller Hochrechnungen zur E-Mobilität während der kommenden Jahre Wirklichkeit werden sollte, könnten in Deutschland die Stromnetze zusammenbrechen. Außerdem ist nicht zu unterschätzen, dass es zu Batteriebränden kommen kann.

Da ich kein Techniker bin, sondern privater Investor, hole ich Informationen und Meinungen von kundigen Technikern ein (darüber hinaus auch von Anlagestrategen wie dem vor zwei Wochen zitierten Acatis-Chef Hendrik Leber), die ebenfalls das Know-how der Techniker verwerten. So kommt es zu verschiedenen Gedankenspielen.

Die berücksichtigen darüber hinaus noch politische Entscheidungen. Diesbezüglich steht so viel bereits fest: Die nächste Bundesregierung wird Elektroautos massiv fördern, mögen die Stromnetze noch so labil sein und Batterien gleich reihenweise in Brand geraten. Das ist sicher zu bedauern, doch die Politiker werden sich – zumindest bis auf Weiteres – durchsetzen. Primat der Politik nennt man so etwas.

Das alles soll nicht bedeuten, dass es sinnvoll sei, sich jetzt ganz auf Aktien möglicher Profiteure der kommenden E-Mobilität zu stürzen; dafür sind die meisten von ihnen nach gängigen Bewertungskriterien zu teuer. In ihnen steckt sehr viel Börsenphantasie, wie Anleger zu sagen pflegen. Aber die Kurse von Aktien wie Tesla, BYD, Continental, Aumann u.a. laufend zu verfolgen, erscheint schon sinnvoll. So bekommt man auf Dauer ein Gefühl dafür, wann das Timing für einen Kauf spricht. Hilfreich sind auch Charts, die von großen Direktbanken üblicherweise gratis veröffentlicht werden.

China wird, international gesehen, bei der E-Mobilität die Führungsrolle übernehmen. Doch um gleich einem weit verbreiteten Missverständnis vorzubeugen: Es sind weniger die Benzin- und Dieselfahrzeuge, die uns von den Mainstream-Medien gern als größte Verursacher von Smog in Peking oder Shanghai serviert werden, sondern die in China dominierenden Steinkohle-Kraftwerke. Und die werden weiter gebaut, in China ebenso wie in Indien, in den USA und anderswo. Das mag man aus guten Gründen für bedenklich halten, dennoch ist an der Tatsache als solcher nicht zu rütteln. Schließlich hat die chinesische Regierung ja erst unlängst entschieden, die E-Mobilität um so gut wie jeden Preis zu fördern – und dazu braucht man nun mal viel Strom, nicht zuletzt aus Steinkohle-Kraftwerken.

Derweil rechnen uns ökologisch orientierte Statistiker vor, wie die Chinesen ganz nebenbei zu vermeintlich nachahmenswerten Pionieren der Windenergie geworden sind. Dazu nur dieses Beispiel: Seit 2005 hat China die Kapazität installierter Anlagen zur Erzeugung von Windenergie auf mehr als das Hundertfache gesteigert. Bei der Solarenergie sieht es annähernd ähnlich beeindruckend aus. Auf diese Weise ist das Land mit zirka 35 Prozent Anteil an den weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien statistisch zur Nummer eins der Saubermänner geworden – und das bei nach wie vor starker Dominanz der Steinkohle. Indes, herausgekommen ist nur ein Anteil von 2,7 Prozent an der chinesischen Stromproduktion. So irreführend können Statistiken sein, wenn man – wie in diesem Fall – einseitig Zahlen heranzieht, ohne sie in den Zusammenhang mit anderen Zahlen zu stellen.

Die Kernenergie, seit dem Ausstieg Deutschlands nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima 2011 hierzulande weitgehend geächtet, gewinnt in China trotz zwischenzeitlicher Zurückhaltung wieder an Schwung. Ihre Kapazität soll dort verdoppelt werden, und das bei bereits 36 vorhandenen und 40 im Bau befindlichen Kernkraftwerken. Ob deutsche Politiker sich dessen bewusst sind, dass chinesische Autokonzerne davon profitieren und mit ihren Gefährten die Welt überrollen werden?

Eher nicht, sonst würden sie eine Energiepolitik betreiben, die diesen Namen verdient. Stattdessen streiten sie sich um Elektroauto-Quoten von 2025 bis 2050. Was dabei herauskommt, dürften wir schon im kommenden Jahr erleben: Die Strompreise werden kräftig zulegen. Die jüngsten Kursanstiege von Eon-, RWE- und EnBW-Aktien sind die Vorboten.

© Manfred Gburek – Homepage

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Ein Kommentar auf "Die Strompreise werden kräftig steigen"

  1. Aristide sagt:

    Ach ja, die Elektroautos. Der Politiker Liebling. Funktioniert zwar seit über 100 Jahren nicht, aber egal, Politiker müssen ja nicht für ihre Fehlentscheidungen gerade stehen. Das badet ja der Steuerzahler aus. Dabei wäre es schon eine schöne Mobilitätslösung. Schließlich sind Elektromotoren ziemlich simpel zu bauen im Gegensatz zu den komplizierten Verbrennungsmaschinen. Davon kann sich jeder leicht überzeugen, indem er im Internet für eine handvoll Euro einen kleine E-Motor bestellt. Einen kleinen Verbrennungsmotor bekommt man erst für ein Vielfaches an Geld. Schade nur, dass das Batterieproblem noch immer nicht gelöst ist. Obwohl es seit dem Flocken Elektrowagen schon einige Fortschritte gab. 😉

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