Die sparen, die Barbaren!

4. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der Irrsinn, der sich morgens aus dem Radio über die Republik ergießt, wird immer schräger. Nachdem sich der germanische Finanzbarbar langsam in sein alternativloses Euroschicksal ergeben hat, türmt sich auf seinem Rücken immer mehr Schuld auf. Wer dachte, Herr Münchau von der gescheiterten FTD mit seinem „deutschen Wirtschaftsterrorismus“ sei nicht zu toppen, der wird tagtäglich überrascht.

Unlängst fragte eine Sprecherin eines staatlichen Rundfunksenders allen Ernstes, ob „der deutsche Sparkurs“ – von welchem Sparkurs sie auch immer redete –  daran schuld sei, dass die südeuropäischen Banken so schlecht dastünden. Auf was man alles kommen kann, wenn man den ganzen Tag im Staatsschoße Journalist spielen darf!

Besonders putzig ist derzeit auch das Getrommel gegen den deutschen Export. Dafür müsse Deutschland zahlen, denn man mache Gewinne auf dem Rücken der ach so armen Nachbarländer. Natürlich exportierten die deutschen Firmen nur deshalb so viel, weil sie den Arbeitnehmern so wenig bezahlten, und das müsse sich ändern. Es ist nicht einfach, derartige Konzepte unter einen Hut zu bringen. Das wird der Grund dafür sein, dass beide Theorien selten gleichzeitig durchleuchtet werden.

Einmal angenommen Deutschland exportiere „zu viel“, was auch immer das heißen mag. Warum sollte Deutschland anderen Ländern dafür etwas zahlen? Nehmen wir an, die deutschen Firmen seien wirklich nur deshalb so erfolgreich, weil sie so niedrige Löhne zahlen. Das hieße doch im Umkehrschluss, die Konsumenten in den anderen Ländern würden die deutschen Waren zu billig bekommen – sich quasi auf dem Rücken der deutschen Arbeiterklasse finanziell gesundstoßen, wenn man es im gleichen Sprech formulieren würde. Nun, in diesem Falle müssten natürlich eher die Konsumenten aus dem Ausland eine Ausgleichszahlung leisten, wenn man so etwas generell für sinnvoll hielte. Aber die Firmen verdienen doch das Geld, schallt es uns entgegen! Ok, nehmen wir an, dies sei korrekt. Dann müsste die Ausgleichszahlung von den Firmen an die Mitarbeiter fließen. Einen Grund für eine Strafzahlung des sinisteren deutschen Export-Fieslings lässt sich auch in diesem Falle nicht herleiten.

Interessant ist zudem, was man so alles unter „Sparen“ versteht. Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Staatseinnahmen und –ausgaben europäischer Länder seit 1999. Die wundervoll heilsame Wirkung von Mehrausgaben lässt sich aus dieser Tabelle nicht herauslesen.

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Besonders viel gebracht haben den Ländern, die über keinerlei Ausgabenkontrolle zu verfügen scheinen, die Mehrausgaben offensichtlich nicht. Vor allem der wie ein Mantra widerholte Verweis auf das angebliche Korsett durch den Maastricht-Vertrag ist lächerlich. An diese Blattsammlung hält sich in Europa ohnehin niemand mehr. Vertragsbruch ist im Haus Europa zum Kavaliersdelikt geworden, wer die Einheit erzwingen will, muss wohl die Willkür in Kauf nehmen. Trübe Aussichten.

Auch aus der Sofaecke einiger Gazetten kommen derzeit viele warme Worte, denen es nicht an Aufrufen, wohl aber an Konsistenz fehlt. Das Fazit für den deutschen Bürger lautet meist, man solle doch allen mehr geben, freilich ohne anderen etwas wegzunehmen, eine durch und durch politische Weltsicht. Die gerne herangezogene „Lösung“ für dieses real natürlich nicht lösbare Problem liegt stets in der Aufnahme neuer Schulden oder, gerade wieder en vogue, im Gelddrucken. Man gibt in dem Falle heute etwas aus, dass man erst einmal niemanden wegnimmt. Das übernimmt dann später jemand anderes. Über das Thema Geld drucken ist genug gesagt worden, natürlich halten die großzügigen Geldverteiler dies mangels ausreichender Geschichtskenntnisse für folgenlos. Warum man auf diesem doch so unglaublich einfachen Wege nicht alle wirtschaftlichen Weltprobleme umgehend löst, bleibt ein Rätsel.

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Beim Thema Aufnahme neuer Schulden kommt die nächste Inkonsistenz ins Spiel. Die Sparer kann man bekanntlich nicht leiden. Dies sollten ihr Geld nicht horten sondern investieren. Wenn nun der gute Staat sich Geld leiht, fragt man sich sogleich, wer es denn verleihen mag. Möglicherweise kann man seitens der EZB denjenigen, die kein Geld haben welches geben, damit sie es dem Staat leihen können, der es dann ausgibt um neue Stellen zu schaffen, durch die dann noch mehr Dinge erledigt werden, die niemand braucht. Der Lohn für das Ausheben und wieder Zuschaufeln zahlreicher Erdlöcher kann dann natürlich besteuert werden, damit der Staat die Zinsen für die Schulden bedienen kann, die er zur Finanzierung des Aushebens der Löcher aufgenommen hat. Ein bemerkenswertes Gesamtkonzept. Der vorher Geldlose wird natürlich über die Geldleihe selbst zum bösen Sparer, denn er hätte sein Geld ja eigentlich „investieren“ müssen, ein finanzieller Akt zu dem für einige die Bereitstellung von Fremdkapital offenbar nicht zählt. Es ist schon ein heimtückisches Virus, diese Geldhorterei… (Seite 2)



 

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2 Kommentare auf "Die sparen, die Barbaren!"

  1. Michael sagt:

    Nicht ganz aber doch. Der Heiner Flassbeck kritisiert bspw. nicht den Export an sich und nicht unbedingt die Preise resp. eher die Lohnstückkosten.

    Er stellt allein die Frage, wohin die Strategie führt wenn man bedenkt, dass die anderen Länder innerhalb der Währungsunion mal nicht verschwinden. Beim Merkantilismus, Deutschland betreibt selbigen auch wenn der im zivilen Gewand kuscheliger ausschaut, ohne die Möglichkeit andere Regionen niederzuringen stellt sich die Frage warum so viel Gold im Keller (Auslandhandsguthaben in der heutigen Zeit) wird gehortet.

    Eine Währungsunion ist wie ein Familienausflug mit dem Radl, der Opa fährt vor, damit kommt man bestenfalls zum Mostwirt im Tal aber nicht mehr zurück auf den Berg.

    Das Problem ist ja angeblich eher, dass Deutschland sich die Export selbst ‚bezahlt‘ hat. Aber jemanden etwas zu zahlen – kein Hindenken. Ihr könnt froh sein, wenn ihr nicht die ganzen Exportüberschüsse müsst abschreiben. In dem Sinne wurden dann die Güter geschenkt. Na ok, bevor man sie wegschmeißt. Das geborgte Geld wurde nicht investiert sondern bereits verschenkt setzt man die Uneinbringlichkeit der Forderung voraus.

    Mir egal … wollte nur die kleine Ergänzung anbringen. So ist es EURO Raum …
    https://www.youtube.com/watch?v=bblD4xoNszk

  2. bluestar sagt:

    Wie immer ein sehr schöner Artikel vom Bankhaus.
    Der germanische Finanzbarbar ist so scharf und wild wie ein Stofftier.
    Also schläfrig, unnatürlich, verweichlicht und von jedem jederzeit zu irgendwelchen Zwecken
    gebräuchlich. Germanen, das waren einmal stolze, tapfere, freiheitsliebende Stämme, die es wagten gegen das Imperium Rom zu kämpfen und diese so sehr das Fürchten lehrte das der Limes auf 500 Km gebaut wurde. Die Eliten sind damals selbst in die Schlachten gezogen und haben ihr Leben riskiert. Meist waren die tapfersten Männer auch die Anführer. Und heute ? Von den Tugenden der alten Germanen ist genau soviel geblieben wie die heutigen Ägypter in der Lage sind Pyramiden zu bauen.
    Ja, der allseits in Funk und Fernsehen sowie der gleichgeschalteten Presse verbreitete Irrsinn wird immer absurder. Manche Dinge sind grotesk wie Vorgänge in einem Irrenhaus. Neulich hat sich das ZDF dafür entschuldigt, dass der junge Moderator ein olivgrünes Hemd trug, dass vor der Glotze braun schimmerte !!! Gleichzeitig werden aber faschistische Kräfte gehuldigt, die einen gewählten Präsidenten stürzen und die in Folge an die Macht gekommen Kräfte unterstützt, die ihre eigene Bevölkerung deswegen vertreibt und ausrottet, weil diese mit dem Putsch nicht einverstanden war und ist.
    Die schizophrenen und kriminellen (leider nicht die tapferen und klugen ) „Germanen“ haben das Ruder in die Hand genommen und das korrumpierte Volk träumt weiter und wohl ganz gut in dieser Maßregelvollzugsanstalt. Solange das Essen kommt ist alles okay…

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