Die Söldner der EZB. Oder: Banken im Samariter-Dienst?

1. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Ronald Gehrt) Knapp 500 Milliarden Euro haben sie am 22. Dezember bekommen, die europäischen Banken. Für drei Jahre und zu einem Prozent Zinsen. Aber Sie kennen das sicher auch, egal, wie viel Geld reinkommt, schwuppdiwupp ist es wieder weg. Gut, dass im Februar wieder neues Taschengeld verteilt wird…

Und die Gerüchte verdichten sich, dass die Banken diesmal „nicht so schüchtern“ wie beim letzten Mal sein wollen und ein bisschen mehr nehmen werden. Die einen sprechen von einer runden Billion, die anderen von anderthalb.

Es wäre ja auch nicht gerade nett, wenn man etwas angeboten bekommt und dann nicht reichlich zugreift. Wie am Sonntagnachmittag bei Tante Hertha am Kaffeetisch … wer nicht das dritte Stück Torte verdrückt, erntet ein Stirnrunzeln. Und es ist ja auch für einen guten Zweck. Einmal für den, selbst wieder die Gewinne zu erwirtschaften, die sich die Bürger so sehr von ihren geliebten Banken wünschen. Und andererseits retten sie doch damit Europa, indem sie Anleihen schwacher EU-Länder kaufen. Ein gutes Werk, und jetzt, wo es Portugal auf einmal angeblich ein wenig unwohl ist, erst recht eines Samariters würdig.

Ein hehres Ziel, das durch die angeblichen Liquiditätsengpässe wohl nicht nennenswert beeinträchtigt wird. Denn so knapp kann es mit dem Geld ja nicht sein, wenn die Banken fast genau die Summe an Geld bei der EZB herumliegen lassen, die sie Ende Dezember ausgeliehen haben. Und wenn es wirklich nur am gegenseitigen Misstrauen liegt, dass dieses Geld dort deponiert wurde, dann würde eine weitere Billion (das sind übrigens eine Million Millionen) daran auch nichts entscheidend verändern.

Aber wie lange hält dieses Geld? Wie stabil kann man damit die Anleihemärkte schwacher EU-Staaten halten, wenn doch permanent und immer mehr an neuen Anleihen emittiert werden muss? Ist man dann nicht trotzdem auf Gedeih und Verderb von den Käufen außerhalb Europas abhängig? Und was kann man damit am Aktienmarkt erreichen? Einen DAX von 8.000 Punkten oder höher … oder vielleicht in Wirklichkeit gar nichts?

Eine Billion ist mehr als die Marktkapitalisierung des DAX. Und es ist ja ohnehin immer nur ein kleiner Teil der umlaufenden Aktien, der gehandelt wird. Grundsätzlich würde dieses Geld, würde man es nur am Aktienmarkt einsetzen, sehr, sehr weit reichen. Aber noch weiter natürlich am Terminmarkt. Und dort spielte seit dem 22 Dezember die Musik, wenn es zu diesen in letzter Zeit überaus auffälligen, regelmäßigen „Vormittags-Käufen“ an den europäischen Aktienmärkten kam. Seit dem 22. Dezember, an dem die europäischen Banken, die bei der EZB reichlich zugegriffen haben, damit letzten Endes in den Sold der Zentralbank getreten sind und deren Fahne an den Anleihemärkten Europas mittragen.

Die „Initial Margin“, die Basis-Sicherheitsleistung für einen DAX Future-Kontrakt, liegt momentan bei 12.300 Euro. Rechnen wir doch einfach mal, wie lange diese Billion ausreichen würde, wenn die Banken nur 10 % dieses Kapitals nicht für Kredite (igitt) oder für Ausleihungen untereinander (haha) oder für den Kauf europäischer „Hochzinslinge“ mit unausgesprochener EZB-Absturzversicherung verwenden. 100 Milliarden, das wären circa 8,13 Millionen Long-Kontrakte im DAX Future. Allerdings kommen dann noch die Gutschriften der „Additional Margin“ als frisches Kapital hinzu, wenn es gelingt, die Kurse effektiv höher zu zocken.

Bei einem Umsatz von im Schnitt 160.000 Kontrakten täglich in den letzten sechs Monaten würde man den DAX locker über 8.000 Punkte ziehen können. Denn es würde ja schon eine leichte Verschiebung des Gleichgewichts zwischen Bullen und Bären reichen. Bei diesen Umsätzen würde ein Übergewicht von 20-30.000 Kontrakten auf der Long-Seite ausreichen, damit der DAX abgeht wie Schmidts Katz. Davon abgesehen, dass sich die Gegenseite natürlich sofort in das nächste Mauseloch verkriechen würde, wenn ruchbar wird, dass die Banken den Gratisgeld-Hammer herausgeholt haben.

Klar, da braucht es auch noch massive Käufe in den Futures für den EuroStoxx, den CAC 40, den MIB, den FTSE 100 und die anderen europäischen Börsen. Aber das würde schon funktionieren. Der DAX selbst würde selbstverständlich mitziehen, weil die Arbitrage umso leichter wird (und damit billiger), weil die Verkäufer natürlich auch dort sofort wegbleiben würden wie einst bei VW oder Rohöl, als die Kurse anfingen, senkrecht nach oben zu sausen. Die Frage ist: Wagen sie das? (—>Seite 2<—)

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3 Kommentare auf "Die Söldner der EZB. Oder: Banken im Samariter-Dienst?"

  1. khaproperty sagt:

    Wär ja schön, wenn es so einfach und schlicht wäre.
    Ist es leider nicht.

    Im Dezember 2011 einst trug es sich zu:

    daß über das EZB-Target-System, welches (Verrechnungs-)Plattform für die nationalen Notenbanken ist, derart viel (automatischer) Kredit zu Lasten der deutschen Notenbank von den PIIGS in Anspruch genommen war (über 500 Mrd.), daß diese das deutsche Geschäftsbankensystem nicht mehr mit Geld versorgen konnte, denn man wollte (und sollte) weder Gold noch Devisenreserven veräußern. Hätte der Markt das gewußt, wäre der Euro binnen einen Tages auseinandergeflogen. Wie lange es wohl halten mag?

    Weil Draghi ein alter GS-ler ist und auch nicht möchte, daß Gold- und Devisengeschäfte seiner Kollegen empfindlich gestört werden, beschloß er mit seinen Abnickern im EZB-Rat, kräftig zu schütten, damit die Geschäftbanken (nicht nur) in Deutschland ordentlich versorgt würden.

    Diese Wohltat (mit Billigzins, Endloslaufzeit und Zeitungspapier als Sicherheit) ließ sich der olle Italiener vergelten mit der (inoffiziellen?) Zusage, all den zur Refinanzierung aufzulegenden Anleihemüll der PIIGS zinsdrückend nachzufragen.

    Das ist schlimm genug, wenngleich nicht auszuschließen wäre, daß auch sonstige Assetmärkte (Aktien, etc.) nach US-Beispiel hochgepumpt werden (sollen).

    Daß dies Gehabe nicht endlos funktionieren kann, weiß jeder Grundschüler.
    Mal sehen, wann es unsere Politiker merken.

  2. […] Ronald Gehrt: Die Söldner der EZB. Oder: Banken im Samariter-Dienst? […]

  3. Dagobert sagt:

    LTRO-UNO 500 Milliarden, LTRO-DUE 1000 Milliarden,…LTRO-TR(E)illiarden…

    Wer könnte das besser sagen als Mario Adorf mit seinem legendären Spruch:

    http://www.youtube.com/watch?v=QR3hUhcL02g

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