Die seltsame Rolle der Notenbanken

17. Februar 2014 | Kategorie: Gäste

von Ronald Gehrt

Wenn in den Medien immer und immer wieder Gründe für steigende oder fallende Kurse genannt werden, die schlicht Unsinn sind … kann man sich da mit „alternativen Wahrheiten“ herausreden? Wenn Anleger, die weniger Jahre Erfahrung auf dem Tacho haben, ernsthaft glauben, was dort verzapft wird …

…dass beispielsweise die Anleger zuletzt über die Aussagen von Janet Yellen begeistert gewesen wären oder dass man bei den hundsmiserablen Einzelhandelsumsätzen hüben wie drüben das Positive in Form weiter niedriger Zinsen gesehen habe … dann reagieren sie falsch, wenn sie glauben, dass sich diese Reaktionen natürlich wiederholen werden. Sie können Geld dabei verlieren. Wie sie es schon oft getan haben. Wer registriert, bewertet und vor allem ahndet Unwahrheiten in den Medien, bei denen man sich auf „Interpretationen des Sachverhalts“ herausreden kann? Niemand. Und so werden immer wieder Halb- oder Unwahrheiten verbreitet, eine „Börse für Deppen“ inszeniert. Und das nicht nur auf einer Ebene. Der Schleier des „Übersehens“ bewegt sich auch noch auf gleich zwei Ebenen. Aber vorher … Verzeihung … muss ich ausholen:

Die idiotische Angst der Medien, die womöglich vor allem auf einer noch idiotischeren Furcht der Finanzindustrie beruht, dass die normalen Anleger verstehen könnten, wie die Börse wirklich funktioniert, ist uralt. Der Spuk geht schon seit ewigen Zeiten so. „Die Anleger haben …“, „die Anleger sind …“, so beginnen fast alle Erklärungen, warum der DAX heute nach oben und morgen nach unten läuft. Doch Fakt ist nun einmal: Die Anleger „sind“ unbedeutend und „haben“ bei den entscheidenden, großen Kursbewegungen nichts zu melden. Bisweilen aber dürfen sie als Kanonenfutter dienen, wenn große Adressen am Ende starker und/oder langer Trends jemanden brauchen, denen sie ihre Aktienbestände oder Shortpositionen andrehen können, bevor die Richtung dreht. Was immer wieder trefflich funktioniert. Da kann man in der Regel als Fonds noch so einen Mist bauen – damit reißt man es am Ende meist wieder raus.

Ist das womöglich der Grund, weshalb man immer so tut, als würden Sie, ich und Erwin von nebenan imstande sein, den DAX zu bewegen? Obwohl sich der rational denkende Privatanleger eigentlich denken kann, dass wir paar Private nicht imstande sind, irgendwas zu reißen, wenn die großen Fonds, Hedge Funds, Banken im Eigenhandel etc. mal eben das eine oder andere „Körbchen“ beim DAX oder im Future kaufen oder verkaufen? Da müssten schon alle Privatanleger im Lande zugleich mit vierstelligen Beträgen antreten, um Kaufwellen, wie wir sie zuletzt beim DAX gesehen haben, auch nur zu bremsen. Wobei … wie viele rational denkende Privatanleger kann es geben, wenn man ihnen immer wieder mit diesem Mummenschanz daherkommt, der einem vorgaukeln soll, die Kursbewegungen seien immer nur das Ergebnis irgendwelcher Konjunkturdaten … wobei man deren Interpretation nötigenfalls so verbiegt, dass alte Hasen die Ohren anlegen, nur, um die Nachrichten den Kursbewegungen anzupassen?

Sind es also nicht nur Unwahrheiten aus Unwissenheit oder Angst vor einer Ernüchterung der Anleger ob ihrer eigenen Irrelevanz, die Tag um Tag verbreitet werden? Soll nicht nur die Dominanz der Finanzindustrie verschleiert werden, nicht nur so getan werden, als würden Monats- und Quartalsultimo oder Verfalltermine der Terminbörsen keine entscheidenden Rollen spielen, immer wieder taktisch und auf den kurzfristigen Erfolg getradet werden, um den Eindruck zu erwecken, dass der Privatanleger imstande wäre, die Lage mit zu kontrollieren … sondern auch, um den Privatanleger quasi als praktischen Abnehmer zu konservieren, der kauft, wenn die „Großen“ Nachfrage brauchen, um ihre eigenen Positionen loszuwerden, bevor sie mit der Brechstange den Trend brechen und auf die Gegenseite gehen? Sprich, um sich das Kanonenfutter doof und willig zu halten? Unangenehmerweise ist der Gedanke nicht wirklich abwegig.

Denn mit der Wahrheit ließe es sich eigentlich ja leben. Auch, wenn sie manchen verblüffen oder gar erschrecken mag. Sicher, sie liegt auf der Hand. Eigentlich. Aber es wird dennoch dafür gesorgt, dass der brave Steuerzahler tief genug im Nebel herumtappt, um im rechten Moment nicht aufzuschreien. Nicht zuletzt, indem man ihm die bequeme, wenngleich eben unwahre „Variante“ der Realität so stupide auftischt, bis er nicht mehr auf die Idee kommt, eine andere Möglichkeit auch nur zu erwägen.

Die Wahrheit ist ja eigentlich logisch: Die „Großen“ können mit den Kursen machen, was sie wollen, wenn sie sich nicht gerade gegenseitig auf die Füße latschen. Was bei Verfallterminen und Window Dressing aber eher selten passiert. Meine Güte, die können mit Milliarden antreten, agieren in allen Segmenten und können den Derivatemarkt voll nutzen, nutzen computergesteuerte Handelsprogramme, die schneller eine Kaufwelle durchziehen als Sie „oops“ sagen können und haben auch noch Kapitalnachschub durch die Notenbanken in der Hinterhand. Und da kann man dann halt zum eigenen Vorteil einen Index über den Future mit einer derartigen Brachialgewalt dorthin ziehen, wohin man ihn haben will, dass Otto Normalanleger die Spucke wegbleibt. Logisch, nachvollziehbar und in jeder Hinsicht okay.

Okay? Ja. Da muss man jetzt nicht die Backen aufblasen und über die Allmacht der Banken fluchen. Das alles war doch noch nie anders. Die „Großen“ konnten auch schon vor hundert Jahren zielgerichtet beeinflussen, wo es langgeht, denn wenn die ihre Kapitalübermacht gezielt einsetzen, kann da keiner dagegen halten. Und wer bitte würde da nicht versuchen, kurzfristige, taktische Ziele zu verfolgen, um einen Gewinn herbeizuführen? Würden Sie es anders machen … wenn Sie es könnten? Und wer bitte versorgt die großen Adressen denn mit der Möglichkeit dazu? Wer karrt ihnen denn dauernd Geld in Schubkarren vor die Tür und sagt „macht mal“?

Dass die Vehemenz dieser Bewegungen heutzutage immer größer wird, liegt neben den technischen Möglichkeiten der „Großen“ zudem daran, dass die Daytrader immer zahlreicher werden und solche Kursschübe intensivieren. Aber diese Daytrader sind nicht die Banken sondern die, die versuchen, sich an diese Gegebenheiten anzupassen, weil sie nicht an der Börse irgendwann Recht bekommen, sondern umgehend Geld verdienen wollen. Auch dagegen kann man nichts sagen. Sogar ich habe mit meinem Börsendienst diesen Weg eingeschlagen. Denn der funktioniert. Der „klassische Weg“, sich an der Realität vor den Börsentoren zu orientieren und strategisch zu positionieren, hingegen nicht mehr. Allerdings … es gibt, wie oben erwähnt, noch eine zweite Ebene der Wahrheit. Und gegen die ist eine ganze Menge zu sagen…(Seite 2)


 

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9 Kommentare auf "Die seltsame Rolle der Notenbanken"

  1. Michael sagt:

    Das ist ganz offensichtlich eine Show.

    Finanzindustrie lässt sich nicht ins Geschäft dreinreden, schon gar nicht von Kunden. Dem Kunden wird die Illusion von Geborgenheit oder Action suggeriert.

    Indizies sind kein Indikator für Wirtschaft. Das sollte man beherzigen.

  2. wolfswurt sagt:

    Die Ursache für den Stellenwert der Finanzindustrie oder des Aktienmarktes liegt auf einer anderen Ebene.
    Geld hat Gottes Platz eingenommen und besitzt jenen Stellenwert, welcher Jahrhunderte lang durch die Institution Kirche belegt war.
    Waren vor 200 Jahren die Gedanken durch die Religiösität dominiert, so findet das heutige Denken fast ausschließlich nur in Bezug zum Geld statt.
    Man achte mal darauf wie schnell bei einer Zusammenkunft von mehreren Menschen
    das Thema Geld in Erscheinung tritt und dann die Feier oder Familienzusammenkunft dominiert.

    Nun zum Problem des „im Geld denken verhaftet sein“.
    Ließ sich noch von der Kirche behaupten im Jenseits bekommt der Gläubige die Erfüllung und mußte den Beweis nie antreten, so ist die Geldmacht geradezu gezwungen das Versprechen an den Glauben des Geldes einzulösen.
    Da aber das Geld nie hält was es verspricht kommt es zwangsläufig zur Glaubenskrise bei Jenen, die im Geldenken verhaftet sind.
    Wohlgemerkt geht es hier um Geld aus dem Nichts.
    Der Zwang zur Aurechterhaltung des Geldglaubens lastet zentnerschwer auf den Schultern derer, die aus Machtgier Gott stürzten und an seine Stelle Geld auf den Thron setzten.
    Diese Last führt dann zu den absurdesten Erklärungen und Handlungen.

    Die Ent-täuschung folgt dann auf dem Fuße.

    • Lotus sagt:

      Na ja gehen Sie mal davon aus, wenn man täglich auf dieser Seite liest und postet, auch selbst dem Geldfieber verfallen ist. …. Aber nein, es ist das Interesse am Thema…ja, ja.

      Ich denke aber nicht, daß es bei Privatpersonen so ist. Sie reden nur darüber, weil es ansonsten kein vernünftiges Thema geben würde oder sich keiner in die Karten schauen lassen will. Ich kenne das auch. Würde sogar sagen, daß wir alle schon innerlich seelisch krank sind.
      Das wirkliche Problem ist nicht das Streben nach Geld, sondern die gewachsenen Ängste im Leben. Ängste warnen vor Gefahr. Die Gefahr liegt in der Zukunft jedes Einzelnen.

      Jeder spürt doch, auch die Unwissenden des Geldsystems, daß dieses Land nicht vorbereitet ist, mit den kommenden Herausforderungen fertig zu werden. Nicht zuletzt, weil wir Politiker haben, die nur noch sich selbst verwalten und glauben, eine EU kann ihnen die Arbeit abnehmen. So denkt aber auch der EU-Funktionär und läßt den Konzern seine Arbeit machen. Leichtes Spiel, Bewährtes zu zerstören.

      Riesige Monsterkonzerne sowie deren Technologien werden zukünftig bestimmen und den Staat/Regierungen ersetzen, so daß der Mensch nur noch Freiwild sein wird. Das befürchten die Leute, was ihnen höllisch Angst macht. Im Grunde weiß jeder, daß seine Zeit in Freiheit schon längst abgelaufen ist. Oder warum erkranken so viele Menschen psychisch oder erleben den Totalausfall? Glauben Sie tatsächlich, daß unsere Jugend keine Kinder möchte? Nein. Sie sind zeugungs-, empfängnis- unfähig durch Ängste. Sprechen Sie mal mit Ärzte.

      Oder was sagen Sie dazu? In der DDR war nicht das Geld ein Problem, obwohl wir nicht viel verdienten. Nein. Es war genauso wie heute, die Angst des überwältigenden Machtmonopols (SED, Stasi usw.) machte uns zu schaffen. Viele Selbstmorde jedes Jahr und hohe Krankenstände in jedem Betrieb. Woran lag es? Angst. LG

      • bluestar sagt:

        @Lotus
        Das beste und wirksamste Mittel gegen Angst ist die mutige Tat.
        Solange die Leute den ganzen Dreck im Fernsehen geistig konsumieren, von ihren I-Pphones und Spielkonsolen mental abhängig sind und Leute von der GroKO wählen
        kann nichts anderes als Angst und Orientierungslosigkeit entstehen.
        Angst macht klein und gefügig, das ist genau das was die Herrschenden zur Versklavung der Masse brauchen und bestens erreichen.
        Die Mitschuld liegt bei der Masse, die freiwillig die Produkte der Manipulations-und Verblödungsindustrie der Herrschenden konsumiert. Also bitte nicht über das zwangsläufige Ergebnis Angst jammern, sondern über die Ursachen von Angst nachdenken. Nachdenken macht aber Mühe – und da sind wir wieder
        beim Problem.
        Ich teile auch die Einschätzung von Wolfswurt. Es geht nicht um die zweifelsfreien Annehmlichkeiten von Wohlstand und Geld. Es geht um die Erhebung in den Status einer Religion, was zu Verwerfungen, geistiger Degeneration, Sittenverfall, emotionaler Leere und einer kranken Gesellschaft führt. Und genau an diesem Punkt befinden wir uns.

        • Lotus sagt:

          Im Prinzip ist das richtig, die Angst durch Mut zu bekämpfen.

          Die Masse der Deutschen ist schon seit den 80er krank. Sie haben selbst geschrieben, wieso unser Volk immer ängstlicher geworden ist. Genau das ist es, warum die Masse wie erstarrt sich den Gegebenheiten unterwirft. Eben Ihre Beispiele führ(t)en zur Angst. Also, was wollen Sie mir jetzt erzählen? Dass alle fix ihre Angst überwinden und mutig zur Tat schreiten sollen? Wie geistreich.

          Wenn ein Volk krank ist, und ich meine seelisch krank, dann ist es wie erstarrt. Und zwar kollektiv. Es fühlt sich ohnmächtig. Genau deshalb wählen sie, wenn überhaupt, ihre Peiniger und konsumieren allen Schrott, um Ablenkung zu erfahren. Das ist das Ergebnis von Angst. Aber glauben Sie nicht, daß sie es aus Überzeugung tun. Es ist ein quälender Gang zur Urne.

          Hat aber mit Geld sehr wenig zu tun. Denn wer Geld liebt, behält es. Was im Übrigen nach den Konsumdaten zu urteilen, meine These bestätigt. Die Masse hört auf zu konsumieren. Was ein Anfang zur Gesundung sein könnte. LG

          • wolfswurt sagt:

            @lotus

            Angst ist ebenso Bestandteil des Daseins wie die Furchtlosigkeit.
            Zu allen Zeiten lebten Menschen in Angst vor irgendetwas.
            Der Blitz, die Hölle, das Strafgericht, der Fürst, der König, der Gerichtsvollzieher, die Justiz, der Staat u.s.w. waren und sind angsterzeugende Erscheinungen, für den Einen mehr für den Anderen weniger.
            Einer fürchtet sich vor dem Knast und kriecht lieber dem Anderen ist der aufrechte Gang wichtiger selbst auf die Gefahr hin im Knast zu landen.
            So ist ein jeder anders geartet.
            Zum Thema Geld:
            Wer den Zustand der Psyche und der Physis des Volkes begutachten möchte, kommt nunmal nicht umhin sich mit Geld als Religionsersatz zu beschäftigen.
            Vor 200 Jahren wäre ich Sonntags in eine Kirche gegangen und hätte während der Predigt das Volk beobachtet.
            Und glauben Sie mir eines: es macht keinen Unterschied ob jemand auf einer Kirchenbank vor sich hin fasselt oder jemand am Bankschalter vom Berater befasselt wird.
            In beiden Fällen haben wir es mit Unnatürlichkeiten zu tun.
            Die Menschen hatten vor 1000 Jahren Angst und heute ebenso.
            Wo liegt da Ihr problem?

          • bluestar sagt:

            „Also, was wollen Sie mir jetzt erzählen ?“
            Die Leute sollen nicht jammern, sondern entweder ihre Angst annehmen oder etwas dagegen tun. Zuerst einmal die Droge staatliche Informations-und Massenmedien
            meiden, sehr viel Bücher über interessante und mutige Menschen lesen, lernen, nachdenken, fragen, etwas nützliches für andere Menschen tun.
            Zu allen vergangenen Zeiten waren die meisten Menschen unwissend und konnten ihr Schicksal nur sehr wenig beeinflussen. Da gibt es heute sehr viel bessere Möglichkeiten, aber die wenigsten nutzen diese sondern leben lieber den alten Trott.

          • Lotus sagt:

            @wolfswurt: Angst verspürt jeder und richtig, aus unterschiedlichen Gründen. Doch darum geht es doch nicht.

            Hier geht es um elementare Versäumnisse seitens des Staates, wo die deutsche Masse extrem enttäuscht wurde. Vielleicht sogar litten und ganz sicher Zwängen ausgesetzt waren. Und zwar kollektiv. Wo blieben Reformen, die seit Jahrzehnten dringend notwendig waren? Und zwar solche, die nach dem Grundgesetz niemanden geschadet hätten. Schon gar nicht ein Volk in Schichten teilt. Dass was hier passierte, hätte sich das damalige Westdeutschland niemals vorstellen können. Nordrhein-Westfalen arm wie eine Kirchenmaus? Was für herbe Enttäuschung. Na ja und der Osten? Der wurde doch schon kurz nach der Wende verkauft. Glauben Sie nicht, daß das Volk extrem litt?

            Stattdessen bekamen wir doch Staatspersonal, die über die Köpfe des Volkes entschieden. Da half keine Demo, erinnern Sie sich? Sei es Euro, Hartz IV oder EU-Verträge, es wurde durchgesetzt. Dann der digit. Datenabgleich, wo das Bankgeheimnis aufgehoben wurde. Jetzt die NSA, Verfassungsschutz, BND usw.
            Waren es kluge Kanzler oder Dilettanten? Es waren letzteres, ohne Tatkraft, Ideen und Volkswohlsinn. So schauts heute noch aus.

            So viel Pech kann nur ein Volk haben, das sich im Laufe der Zeit immer mehr zurückzieht. Die Verletzungen sitzen tief. Genauso war es in der DDR.

            @bluestar: Richtig. Genauso sollte es sein. LG

          • wolfswurt sagt:

            @Lotus

            Hören Sie sich das Interview von Roland Baader an.
            Sie finden es auf „Rottmeyer“ mit dem Titel: „Hören sie auf kindisch zu sein“.
            Vielleicht verstehen Sie dann die historische Komponente in meinen Komentaren.

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