Die seltsame Eurostärke

28. Januar 2018 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Mit dem Euro kann man sogar wieder wuchern! Für seine Festigkeit auf dem höchsten Stand seit 2014 sorgte jetzt der frühere Filmproduzent und heutige US-Finanzminister Steven Mnuchin in einer filmreifen Kömödie…

Er will einen schwachen US-Dollar im Gegensatz zu seinem Präsidenten. So hat man ihn zumindest verstanden. Kein Blatt Papier passe zwischen beide, sagte Trump. Klar!

Die EZB, Europas größter Copy-Shop, war sauer, als der Euro immer steiler ging. Immerhin hat die Einheiz-Währung in diesem jungen Jahr gegenüber dem US-Dollar um vier Prozent zugelegt und binnen eines Jahres um 17 Prozent. Das passt weder der EZB noch den Südeuropäern.

Eine Zinswende wird zudem unwahrscheinlicher, würde diese den Euro noch höher schicken. Aus der EZB hieß es:

„Wenn eine gewisse Seite sagt, ein gewisser Wechselkurs sei gut für die eigene Exportwirtschaft, dann beinhaltet das eine gezielte Währungsmanipulation.“

Oha! Hat Draghi „Manipulation“ gesagt? Hat er. Dabei macht er seit seinem Amtsantritt nichts anderes mit seiner Nullzinspolitik und dem Drucken von Euros im gigantischen Stil, was den Euro für die Südeuropäer schwächer machte. Da sagt der eine Manipulator der Märkte zum anderen: Du! Du! Du! Bzw. der Zauberlehrling trifft seinen Meister. Guter Stoff, aus dem Filme werden könnten.

Unter der Lupe betrachtet ist das so etwas wie ein Währungskrieg unter Freunden – trotz früherer „Verabredungen“ – in Sachen Währungen die Klappe zu halten. Natürlich war Draghi sauer. Denn sollte der Euro noch stärker werden, knirscht es bald schon wieder in der Eurozone. Aber vielleicht ist das ja Absicht gewisser Kreise, denen der Euro als Konkurrenz zum US-Dollar immer schon ein Dorn im Auge war.

Keine Sorge! Der starke Euro hat schon seine Vorteile: Man bekommt im Ausland mehr Waren und kann sogar in den USA billig urlauben. Aber wer will das schon? Solange der Euro eine hohe und vielleicht künftig noch höhere Kaufkraft besitzt, kann man diese nutzen um Bares in Wahres oder Rares eintauschen.
Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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