Die Schweiz gibt sich auf!

7. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Der September ist noch jung und doch bereits ein ereignisreicher Monat. Die heutige Ankündigung der Schweizer Nationalbank, den Schweizer Franken künftig an den Euro zu koppeln erregt Aufsehen.

Schweiz tritt der Eurozone bei

Die Meldung war ein Paukenschlag: Die Schweizer Nationalbank (SNB) verkündete am heutigen Dienstag, in Zukunft keinen höheren Wechselkurs als 1,20 CHF für 1 EUR zu tolerieren. Entsprechend will und wird sie in die Märkte eingreifen und selbige manipulieren. Im Kern bedeutet diese Meldung, dass die Schweiz ihre Währungssouveränität aufgegeben hat und der Eurozone beigetreten ist, natürlich nicht de jure, aber de facto. Damit ist im Prinzip der letzte Hort an monetärer Sicherheit in Europa geschliffen.

Über die stillschweigende Enteignung, die damit am Schweizer Bürger vorgenommen wurde möchten wir lieber nicht sprechen, Fakt ist aber, dass jeder Eidgenosse heute rund 10% an Kaufkraft gegenüber dem Euro verloren hat. Einzig und allein aufgrund eines willkürlichen Entschlusses der demokratisch nicht legitimierten Zentralbank. Ob dieser Schritt bei den Schweizern Begeisterungsstürme auslösen wird, darf gelinde gesagt bezweifelt werden.


Am Geldsystem liegt’s

Nun mag man zu dem Beschluss der SNB stehen wie man mag, er zeigt vor allem jedoch eines: Jede staatliche Intervention in das Marktgeschehen zieht weitere, noch größere Interventionen nach sich. Die Stärke des Franken kam ja nicht von ungefähr. Sie war den währungspolitischen Entscheidungen im Euroraum (Stichwort EFSF und Dauerfinanzierung von Bankrotteuren) und Dollarraum (Stichwort: Quantitative Easing [QE] 1 – ??) geschuldet. Es sind eben nicht die bösen Spekulanten oder gar der fiese Markt, die für Verwerfungen sorgen. Es sind die Politiker und Zentralbanker, die glauben, sie wüssten es besser als die Marktteilnehmer. Das fatale jedoch ist, dass unser Scheingeldsystem sie leider in die Lage versetzt, diesen Glauben auch um zusetzen. Lebten wir in einem System mit „Gutem Geld“ dann wäre niemand in der Lage mittels Geldschöpfung und immer neuen Krediten in das Marktsystem einzugreifen und selbiges zu verzerren. (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , ,

7 Kommentare auf "Die Schweiz gibt sich auf!"

  1. Nanuk sagt:

    Was sollen sie auch anderes machen schonmal auf die Landkarte geschaut?
    http://www.mapsofworld.com/deutsch/images/politische-europakarte.jpg
    Insgesamt dienen ungefähr 1,825 Millionen Soldaten in den Armeen der Eu-Mitgliedsländer.
    Noch Fragen Schweizer?

  2. mfabian sagt:

    Aus Gründen meines verletzten Nationalstolzes müsste ich dem Autor Fabian Grummes jetzt verbal mit Anlauf eines auf die Zwölf geben (Stichwort: Anbindung Fr. an Euro) aber ich lasse es bleiben, weil er recht hat.

    Ich bin seit 12 Jahren das aktivste Mitglied und Co-Moderator im grössten Schweizer Börsenforum cash.ch und kann deshalb die aktuelle Stimmung aus Schweizer Sicht wie folgt zusammenfassen:

    Zunächst müssen wir festhalten, dass die Schweiz nach Deutschland mehr exportiert (Fr. 40 Mrd.) als nach USA und China zusammen (je 20 Mrd.). Entsprechend ist für uns Deutschland der wichtigste Markt. Dabei ist klar: Wenn es Deutschland schlecht geht, geht es auch uns schlecht.

    Im Juli begannen die grossen Lamenti über den sinkenden Euro mit entsprechenden Lobbyisten-Aktivitäten aus der Export- und Tourismusbranche. Die entsprechenden Horror-Meldungen aus der Schweizer Tagespresse lassen sich zusammefassen als: „Wenn der Euro unter 1.10 fällt, gehen die Hälfte aller Schweizer Exportunternehmen Pleite“ und „jeder Eurocent im Wechselkurs kostet die Exportindustrie so-und-soviel Umsatz“.

    Um den 8. August dann die ersten noch zögerlichen und hautpsächlich verbalen Interventionen der SNB.

    Genützt hat es nicht viel (nur kurzfristig), deshalb jetzt der Entscheid der SNB, die Kurs-Untergrenze von 1.20 zu verteidigen.

    Die Stimmung unter den Börsianern ist natürlich gespalten aber tendenziell eher Pro-SNB. Ganz einfach deshalb, weil die kurzfristige schnelle Lösung (die Exportindustrie ist aus dem Schneider, Hurrah! Lobet und preiset die SNB) näher ist als die langfristigen Auswirkungen aka Teuerung.

    Nur ein relativ kleiner Teil der Schweizer blickt über den Horizont von 6 Monaten hinaus und erkennt, dass wir nun im Teufelskreis der europäischen Transferunion mitgefangen sind und wohl oder übel die mit „E“ beginnende europäische Buchstabensuppe mitfinanzieren werden. Nicht direkt mit Geld aber wohl indirekt über die Kaufkraft der Zukunft.

    Am besten und zeitnahsten zu erkennen sind die Interventionen der SNB am Goldchart in Franken: http://goldprice.org/spot-gold.html

  3. beccon sagt:

    Die Schweizer wären nicht die Schweizer, wenn sie sich kein Hintertürli offen gelassen haben. Denn ob sie die ganze PIGS- Mousse de Chocolate aufkaufen, wird sich zeigen.

    Ich denke, irgendwann wird der Peg aufbrechen. Vielleicht sollte man jetzt Schweiz long gehen. Ist ja die ungefährlichere Seite von beiden.

  4. Die Schweiz gibt sich auf! - Der Crypto-Jude und andere Schweinereien... sagt:

    […] Nun mag man zu dem Beschluss der SNB stehen wie man mag, er zeigt vor allem jedoch eines: Jede staatliche Intervention in das Marktgeschehen zieht weitere, noch größere Interventionen nach sich. Die Stärke des Franken kam ja nicht von ungefähr. Sie war den währungspolitischen Entscheidungen im Euroraum (Stichwort EFSF und Dauerfinanzierung von Bankrotteuren) und Dollarraum (Stichwort: Quantitative Easing [QE] 1 – ??) geschuldet. Es sind eben nicht die bösen Spekulanten oder gar der fiese Markt, die für Verwerfungen sorgen. Es sind die Politiker und Zentralbanker, die glauben, sie wüssten es besser als die Marktteilnehmer. Das fatale jedoch ist, dass unser Scheingeldsystem sie leider in die Lage versetzt, diesen Glauben auch um zusetzen. Lebten wir in einem System mit „Gutem Geld“ dann wäre niemand in der Lage mittels Geldschöpfung und immer neuen Krediten in das Marktsystem einzugreifen und selbiges zu verzerren.(Seite 2) […]

  5. conan sagt:

    Hmm — sieht so aus als ob der Schweizer-Franken sich langsam aber sicher nach oben bewegt. Offensichtlich verkaufen die Leute vermehrt Ihre Franken, da ja nun keine „steigenden Kurse“ mehr zu erwarten sind.

    Kurzfristig ist das sicherlich eine Reaktion welche die SNB beabsichtigt. Aber ob das langfristig so gewollt ist?

    Könnte nun eine Kapitalflucht aus der Schweiz einsetzen? Das Steuerparadies ist ja schon eine weile dahin und nun soll der Franken auch noch eine Schwachwährung werden…

    LOL — das wird lustig.

  6. FDominicus sagt:

    Sehe ich auch wie hier gepostet:
    Ausgelassen habe ich mich dazu hier:
    http://www.freiewelt.net/blog-3529/zentralbankfehler.html

    Es wird wirklich allerhöchste Zeit Zentralbanken abzuschaffen. Aber nun ja offensichtlich wollen die Delebets beim Monopoly umbedingt gewinnen und genau wie in dem Spiel steht der Gewinner von vorneherein fest die Bank….
    http://mises.org/daily/1451

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.